Produkttester
Thermalright hat mit dem Rev. B eine im Detail verbesserte Neuauflage des HR-02 Macho Rev. A auf den Markt gebracht, das besonders Silent-Enthusiasten und sparsame Gamer ansprechen sollte.
Innovated, not imitated steht groß auf der Verpackung geschrieben. Damit möchte Thermalright ihre einzigartig gute Kühlperformance durch ihr stetig verbessertes Produkt bewerben. Und schließlich sollen auch eine ganze Menge Test- und Gütesiegel von diversen Computer-Zeitschriften und IT-Onlinemagazine für sich sprechen. Die ganze Verpackungsseite nimmt es in Anspruch | nicht zu übersehen also. Als ich die Verpackung in den Händen hielt und sie mir genauer betrachtete, war ich durch dieses machohafte Inszenierung etwas skeptisch. Wieder ein Fall von großer Klappe und nichts dahinter oder irre ich mich? Wie gut würde sich der Macho gegen meinen Silver-Arrow (ebenfalls von Thermalright) in der Extreme-Edition schlagen?
Ich habe mir extra vorher noch keine Reviews von einschlägigen Foren gelesen oder geschaut, da mein objektives Review nicht durch externe Meinungen beeinflusst werden sollte.
Thermalright hat ein Paar Schrauben locker
Als der freundliche DHL-Bote mir das erwartete Paket überreichte, bemerkte ich Geklimper und Geklirre im Inneren der in grün-schwarz gehaltene Verpackung des HR-02 Macho Rev. B. Kein gutes Zeichen für ein anständig und bruchsicher verpacktes Paket.
Als ich die Verpackung aufmachte, kullerten mir auch schon etliche Schrauben entgegen und ich hatte Sorgen, dass mir einige Schrauben zur Montage fehlen würden. Doch schnell abgezählt und im Montagehandbuch verglichen waren alle Schrauben da. Die Plastiktüten, in der das Montagekit lag, war sehr mangelhaft zusammengeschweißt worden, sodass sie wohl schon vorher aufgerissen sind.
Die Lüfter und der Kühlkörper waren jedoch gut durch viele weiche Styroporplatten geschützt. Die schwarz-weißen Lüfter wiesen keine groben Mängel an und auch die Kabel des PWM Anschluss wurde professionell mit einem etwas harten, nicht sehr flexiblen Plastik gesleevt.
Der Kühlkühler in den Maßen 162x140x102mm (HxBxT) wurde oben passend in schwarz gehalten. Insgesamt 6x6mm breite Heatpipes durchziehen die Kühllamellen. Dabei sind die Heatpipes hintereinander und parallel zum Luftstrom angeordnet und enden in abgerundeten Spitzen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Heatpipes oben unterschiedlich verarbeitet sind. Während 6 der insgesamt 12 Spitzen ziemlich gut verarbeitet wurde, waren die anderen 6 vergleichsweise schlampig verarbeitet. Ich weiß nicht, ob das ein Produktionsfehler ist, aber gefallen tun sie mir nicht. Auch die genickelte Kupferkontaktfläche war an den Seiten nicht unbedingt gewissenhaft verarbeitet worden und sieht einfach nicht nach professioneller Arbeit aus. Auch als die Schutzfolie von der Kontaktfläche angezogen hatte, musste ich die Fläche von Kleberückständen entfernen. Außerdem kommt die Kühlpaste wie Ketchup bei McDonalds in einer Plastiktüte daher. Hier bin ich zumindest anderes gewohnt | vielleicht rechtfertigt das den niedrigen Preis.
Die Montage stellt sich als sehr einfach heraus, denn die Montageanleitung in verschiedenen Sprachen ist detailliert und genau. Dazu sind alle Schrauben sehr einfach zu erreichen und mit der Aussparung im Kühlkörper sind alle Schrauben ruck zuck fest an Ort und Stelle. Der mitgelieferte Schraubenschlüssel hat die perfekte Länge und ist bei der Montage sehr hilfreich. Ich empfehle, den Lüfter erst dann zu montieren, wenn der Kühler fest auf dem Prozessor sitzt. Ansonsten verdeckt der Kühler eine Schraube und ihr könntet Probleme bekommen ihn festzuschrauben.
Ich konnte den Macho in etwas mehr als 15 Minuten einbauen; Anfänger, die sich noch unsicher sind sollten sich aber auf jeden Fall Hilfe holen.
Leider kommt man nicht drum herum den Kühler mit dem Einbau der Lüfterklammern zu verkratzen. Ich bin da sehr vorsichtig rangegangen, dennoch sind da zwei kleine Kratzer entstanden.
Im Gehäuse sieht der Macho dann unscheinbar, aber seriös aus und gleicht dabei einem dicken Würfel, der schlicht und einfach bei mir punkten kann | das ist aber Geschmackssache. Durch das neutrale Schwarz sticht der Macho nicht negativ heraus und kann gut mit den anderen Komponenten in meinem Gehäuse harmonieren. Auch ist der Hr-02 Macho so gebaut, dass die RAM-Bänke trotz Lüfter nicht verdeckt werden. Jedoch dürfen die Kühler der Spannungswandler nicht allzu hoch gebaut sein (max. 45mm) und auch der ATX 12V Stecker darf nicht zu nah am Socket liegen. Ansonsten muss beachtet werden, dass der Kühler mit 162mm Höhe sehr groß ist. Da muss das Gehäuse breit genug sein.
Um die Kühlleistung des HR-02 Macho Rev. B so genau wie möglich beurteilen zu können, habe ich drei verschiedene Testdurchgänge immer mit prime95, OCCT sowie diversen Spielen durchgeführt:
1. CPU @ Standarttakt
2. CPU @ 4,4 Ghz (1,25Vcore)
3. CPU @ Standarttakt: Semipassiv (nur mit 5 Gehäuselüfter)
Dabei habe ich die Testdurchgänge über mehrere Tage verteilt, wobei die Zimmertemperatur immer zwischen 20-25°C lag.
Als ich den CPU Stress Test angeworfen hatte und nach einer halben Stunde auf die Temperaturen schaute, war ich schwer beeindruckt.
Selbst mit übertakteter CPU blieben die Temperaturen größtenteils unter 70°C. In Spielen pendelte sich die Temperatur um die 60°C ein und im Idle kletterte sie erst gar nicht über die 35° Marke. Bei der nicht übertakteten i7 3770K sind die Temperatur-Werte einfach klasse. Mit maximal nur 55°C im Volllast liegen die Temperaturen im absolut grünen Bereich. Auch im semipassiven Betrieb kann der Macho glänzen.
Im direkten Vergleich zum Silberpfeil liegt der Macho nur mit durchschnittlich 5°C hinten. Das kann man verschmerzen, wenn man bedenkt, dass der Macho sogar unter Volllast kaum hörbar bleibt.
Der Lüfter arbeitet hier mit 300-1300 RPM und stört nicht mit Nebengeräuschen oder irgendwelchen Raunen und Rattern.
Fazit
Nach mehr als einer Woche mit dem HR-02 Macho Rev. B im Gehäuse möchte ich an dieser Stelle mein Fazit ziehen. Meine anfängliche Skepsis gegenüber dem Macho verflog im Laufe der Test-Tage gänzlich. Thermalright hat mir bewiesen, dass sie nur viel Lärm auf ihrer Verpackung machen können; ihr Produkt jedoch sticht mit einzigartiger Ruhe aus.
Und in gelassener Ruhe kann er auch einen Hitzkopf wie den i7 3770K bändigen. Auch leichte Übertaktung macht der Macho mit, ohne dass der Prozessor gleich ausbrennt. Vor allem der semipassive Betrieb ist ein wahrer Trumpf und weiß zu überzeugen. Damit dürften sensible Gehöre mehr als zufrieden gestellt werden.
Was der HR-02 jedoch noch attraktiver macht, ist sein Preis. Zwar treten dementsprechend Mängel in der Produktion auf und es musste an einigen Stellen (vor allem bei der Verpackung) gespart werden, doch die eigentliche Kühlleistung wird dadurch gar nicht beeinflusst. Durch das beiliegende Zubehör, sowie Montagekits für sowohl Intel-, als auch AMD-Systemen, wirkt der Macho trotz des Preises auf dem ersten Blick gar nicht so billig. Zudem hat das Design einige wenige aufwertende Elemente, wie die leicht gebürstete, schwarze Kühllamelle ganz oben.
Das schlichte Designkonzept des Machos muss jedoch nicht jedem gefallen, aber die kompakte und praktische Bauweise des Kühlers überwiegt als deutlicher Vorteil, denn spätestens mit der sehr viel einfacheren Montage, kann man über das Design hinwegsehen. Hier merkt man wirklich, dass Thermalright wert legt auf leichte Zugänglichkeit, trotz einem großen Block-Kühler auf der Mainboard.
Abschließend kann ich den Thermalright HR-02 Macho Rev. B eine klare Empfehlung aussprechen. Im Detail zeigt der Macho kleine Schwächen, doch das Gesamtpaket stimmt allemal. Wer also einen preisgünstigen, aber leistungsstarken Kühler sucht, der kann mit dem Macho definitiv nichts falsch machen. Das beweisen damit nicht nur die vielen Test-Siegel auf der Verpackung.
Der Macho bleibt auf jeden Fall vorerst in meinem System und löst damit meinen Silber-Pfeil ab.