Produkttester
Zunächst einmal vielen Dank an Mindfactory, dass ich das Mainboard MPG Z590 Gaming Plus testen durfte.
Verpackung:
Hier gibt es wenig Überraschendes. Das Board kommt in einer typischen Mainboardschachtel, in der es von einer antistatischen Tüte geschützt oben auf liegt. Unter einem Zwischenboden befindet sich dann das Zubehör.
Zubehör:
Das mitgelieferte Zubehör kann sich sehen lassen. Während bei anderen Boards gerne mal schon eine Schraube für die zusätzlichen M.2-Slots zu viel verlangt ist, bekommt man hier noch einige nützliche Gadgets zusätzlich. Neben diversem Papierkram sind dies:
- 3x M.2-Schraube und Abstandshalter
- 2x SATA-Kabel (1x mit gewinkeltem Stecker an einem Ende)
- diverse Aufkleber für Kabel und CMOS-Batterie
- USB-Stick
- Reinigungsbürste/-pinsel
- Schraubendreherset für den Schlüsselbund (Schlitz und Kreuz)
- MSI-Badge
Handbuch:
Die wichtigsten Schritte zur Installation sind im beiliegenden (heutzutage ja auch nicht mehr immer der Fall) und online erhältlichen Handbuch beschrieben. Zu vielen Arbeitsschritten gibt es darüberhinaus Videoanleitungen, die per QR-Code oder Youtubelink aufgerufen werden können. Diese sind allerdings nicht spezifisch für das Mainboard-Modell, sondern eher allgemein gehalten für die unterschiedlichen Anschlusstypen.
Anschlüsse/Erweiterungsslots:
Der Prozessor findet Platz in einem Sockel des Typs 1200, geeignet für Intel-Core-Prozessoren der Generationen 10 und 11. Ende des Jahres wird es damit also vorbei sein mit der Aufrüstbarkeit, da mit Alderlake auch der Sockel wieder umgestellt wird und somit die Core-12000 nicht passen werden.
Das Mainboard besitzt ATX-typisch vier RAM-Slots. In Sachen PCIe ist es jedoch überdurchschnittlich, hier schlagen 3x 16fach (davon einer PCIe4, die anderen beiden aber nur mit je vier Lanes angebunden) und 2x 1fach zu Buche. Außerdem bietet das Board Platz für ganze drei M.2-SSDs, eine davon mit PCIe4, die anderen beiden per SATA, und Kühlkörpern für alle drei.
Durch die Anordnung der PCIe-Slots verliert man jedoch schnell einen oder beide der x1-Slots, falls man im PCIe4-Slot eine Karte mit mehr als 2 Slots Breite verbaut oder im mittleren eine mit mehr als 1 Slot. Hier machen es andere Hersteller besser, indem sie einen der x1 über dem obersten x16 platzieren. Dann wäre aber die Frage, wohin mit dem M.2-Slot. Einen Königsweg wird man also nicht finden.
Auf dem Board befinden sich ansonsten die typischen Header für Lüfter (1x CPU 4-Pin, 6x Gehäuse 4-Pin, PWM oder DC einzeln umschaltbar), Pumpe, Front-Panel etc. sowie ein 13-Pin-Header für die Erweiterung mit Thunderbolt. Ein USB-C-Header ist ebenso vorhanden wie Header für RGB (4-Pin) und A-RGB (3-Pin).
Die Blende auf der Rückseite ist bereits vormontiert. Hier befinden sich 7x USB-A (2x 2.0, 2x 3.0, 3x 3.1), 1x USB-C (3.2, also bis zu 20Gbps). Sollte die CPU über eine integrierte Grafikkarte verfügen (also z.B. alle Intel Core-Prozessoren ohne F-Suffix), können hier auch Monitore per HDMI 2.0b oder DisplayPort 1.4a angeschlossen werden. Für die Ohren als Ausgang bzw. Spracheingang gibt es 5 Klinkenanschlüsse sowie einen optischen TOSLINK-Port.
Kühlkonzept:
Wie erwähnt, werden die M.2 mit passiven Kühlkörpern gekühlt. Einer davon deckt zugleich den Chipsatz mit ab. Da dieser M.2-Slot aber nur über SATA-Geschwindigkeit verfügt, sollte eine dort montierte SSD den Chipsatz aber nicht zusätzlich aufheizen.
Auf den Spannungswandlern im Bereich der CPU sitzen recht massive Kühlkörper mit breiten Finnen und einem Höhenprofil zur besseren Wäremableitung. Außerdem zieht sich durch diese eine Heatpipe über die VRMs oberhalb und in Richtung der Blende. Ein Überhitzen einzelner VRMs sollte damit nicht auftreten.
Spannungsversorgung:
Neben den Standardstromanschlüssen (24-Pin ATX und 8-Pin-EPS) hat das MPG Z590 Gaming Plus einen zweiten EPS mit 8 Pins. Für den Betrieb eines sparsamen Prozessors reicht dabei aber einer aus. Zudem befindet sich unten am Mainboard ein PCIe-6-Pin Stromanschluss. Dieser ist notwendig, da ja theoretisch drei vollwertige x16-Karten mit jeweils 75W am PCIe-Slot verbaut werden können. Da dieser aber durch die meisten Pigtails an den PCIe-Kabeln aufgrund deren Kürze nicht erreichbar ist, empfiehlt es sich, ein PCIe-Verlängerungskabel (keinen Splitter) zu verwenden.
Design/Verarbeitung:
Man merkt dem Board an, dass hier ein dickeres/ mehrlagiges PCB verwendet wurde. Im Vergleich zu anderen Boards biegt es sich z.B. beim Einsetzen der RAM-Riegel deutlich weniger durch sondern bietet guten Widerstand.
Der PCIe4x16-Slot verfügt darüber hinaus über einen verstärkenden Metallrahmen.
Die Heatsinks auf den VRMs sind mit dem Board verschraubt und bewegen sich keinen Millimeter. Hier kann man bei der Montage auch einmal beherzt zupacken. Die Abdeckung der externen Anschlüsse sollte man hierzu eher nicht verwenden. Diese ist nur aus Kunststoff und ich könnte mir vorstellen, dass man die mit genug "Feingefühl" eindrücken bzw. brechen könnte.
Die LED-Beleuchtung ist dezent gehalten, bietet aber einen schönen Blickfang. Ich selbst bevorzuge aber im Alltag ein unbeleuchtetes System. Die schwarzen Heatsinks der M.2 sind beschriftet mit einem Verlauf von weiß nach schwarz. Dies fügt sich ziemlich passend in das schwarz-weiße Design des restlichen PCB ein. Über das Gesamtdesign kann man sicherlich streiten, ich finde es aber einen guten Kompromiss von Funktionalität und Ästhetik.
Erstinstallation:
Nach dem Einsetzen von CPU und der Montage von Lüfter, Ram und Grafikkarte (was wie bei jedem Sockel1200-Board nach dem gleichen Schema funktioniert) habe ich das Board zunächst "an der frischen Luft" getestet.
Die Taktung des DDR4-3200 wurde im BIOS mit einem einzigen Klick auf XMP und somit auf 3200MHz@1,35V geändert. Beim nächsten Neustart stand die volle Geschwindigkeit zur Verfügung. Dazu muss man nicht einmal in den Advanced-Modus des BIOS wechseln.
Alle Komponenten wurden anstandslos sofort erkannt.
Trotzdem habe ich erstmal mit dem beiliegenden USB-Stick und der Bios-Flash-Funktion (spezieller Knopf auf der Rückseite) das aktuellste BIOS aufgespielt. Dies war zwar nicht unbedingt nötig, da ich z.B. die ABT-Funktion eines 11900KF nicht testen konnte in Ermangelung eines entsprechenden Prozessors, aber ich halte meine Systeme gerne auf dem neuesten Stand.
Der Prozess dauert nur ca. eine Minute und ist nach Anleitung im Handbuch kinderleicht. Besonders interessant wäre es für ein Upgrade auf die nächste Generation, für die man wie z.B. bei den Ryzen 5000 ein neues BIOS bräuchte. Aufgrund des oben erwähnten Sockelwechsels wird das aber eh nicht eintreten, daher ist die Funktion dann wohl vor allem auf den nächsten Boards mit Z690 wichtig.
Die anschließende Windows-Installation von einem USB-Stick ging durch die schnellen Anschlüsse und die SSD im obersten M.2-Slot ging blitzschnell über die Bühne.
Leistung und Temperaturen:
Die Übertaktungsfunktion wurde mit einem i5-11600K getestet. Dieser ist eigentlich zu schwachbrünstig um das Board voll auszulasten. Dies merkt man auch an den Temperaturen. Die VRMs kratzen nur gelegentlich mal an den 50 Grad, auch wenn man die Spannung hochdreht um über die magischen 5GHz zu kommen. Der Chipsatz erreichte bei mir maximal ca. 55 Grad, allerdings nicht auf der Bench sondern im geschlossenen Case, in dem alle anderen Mainboard-Komponenten auch knapp unter/um 40 Grad lagen. Spannungseinbrüche oder dergleichen gab es nicht, dafür bräuchte man dann wohl schon einen i9, wenn man es überhaupt schafft bevor dem Prozessor die Puste ausgeht.
Für den geneigten Übertakter ist hier also noch ordentlich Luft nach oben, sowohl was die Spannungsversorgung als auch die Kühlung angeht.
Wie immer gilt aber: Für Benchmark-Tests ist es ganz nett, auf einen merklichen FPS-Sprung in Spielen (Stichwort Gaming im Namen) wird man aber wohl nicht kommen. Hier sind andere Komponenten ausschlaggebend.
Fazit:
Mit dem MPG Z590 Gaming Plus legt MSI ein sehr ordentliches Board vor, dass durch viele Anschlüsse und gute Kühlung aller wichtigen Komponenten überzeugen kann. Ob einem der Aufpreis zum Vorgänger von 50% das aber wert ist, ist eher zweifelhaft:
Der Sockel 1200 ist an seinem Lebensende angekommen, ausgleichende Schmankerl wie standardmäßig Thunderbolt fehlen. Wer auf PCIe4 verzichten kann (aktuelle Grafikkarten reizen die Schnittstelle PCIe3 im Regelfall nicht mal aus), ist wohl mit einem günstigeren Vorgängermodell (wenn man bereits eine CPU hat) oder dem Warten (auf die nächste CPU-Generation mit DDR5 und PCIe5 in wenigen Monaten) besser bedient.
Für ein Gaming-Mainboard liegt der Fokus etwas zu sehr auf Übertaktung, Multi-GPU und vielen SSDs. Als Gamer hat man typischerweise nicht den stärksten Multicore-HighEnd-Prozessor (auch wenn man auf 150Hz oder höher spielt, werden die zusätzlichen Cores nicht ausgereizt) und nur eine GPU, maximal eine zweite schwächere fürs Streaming, sowie nur ein bis zwei M.2, nicht 3. Man hat etwas das Gefühl, MSI hat einfach möglichst viel zusätzlich auf das Board gepackt, um den höheren Preis zu rechtfertigen, ist damit aber eher in den Produktiv- als den Gamingbereich gekommen.
Wer jedoch die Funktionen haben möchte, jetzt einen PC baut und mit PCIe4 und schnellem RAM für die Zukunft gerüstet sein
will, bekommt mit dem MPG Z590 Gaming Plus sicherlich ein gutes Brett.
+ neueste Standards
- die aber Ende des Jahres wieder veraltet sind
+ grundsätzlich guter Preis
- aber zu großer Abstand zum direkten Vorgänger
+ viele Erweiterungsmöglichkeiten
+ durchdachtes Kühlkonzept
+ starke Spannungsversorgung
+ nette dezente Beleuchtung
- fehlender Thunderbolt-Port