*TL;DR*
[Bilder gibts im Forum]
Das Nanoxia CoolForce 2 ist ein solides Gehäuse mit einigen wenigen Verarbeitungsschwächen. Bei Bedarf lässt sich im Innern durch Ausbau von Teilen viel Platz für Wasserkühlung oder einen Haufen Lüfter schaffen. Zudem kann man (vermutlich) die längste Grafikkarte der Welt in diesem Gehäuse unterbringen. Das Fenster zeigt die Hauptkomponenten, ist aber nicht groß genug um bunte Ausgleichsbehälter usw. zu präsentieren. Man kann was draus machen. Das Gehäuse ist voll auf Kühlung ausgelegt und trifft so auf jeden Fall meinen Geschmack. Ich rate davon ab, die vorinstallierten Lüfter über die vorinstallierte Lüftersteuerung zu betreiben, Details am Ende.
*Intro*
Das Nanoxia CoolForce 2 haben mir Mindfactory und Nanoxia dankenswerterweise zum Testen überlassen und so möchte ich euch an meinen Erfahrungen mit diesem Gehäuse teilhaben lassen. Ich gehe erst über den ersten Eindruck zum großen Plus, der Modularität, zu den Alltagserfahrungen und den allgemeinen Pros und Contras. Ich habe auch ein sehr unschönes Erlebnis mit dem Gehäuse gehabt, das ihr ganz am Ende meines Berichts findet.
*Unboxing und erster Eindruck*
Mindfactory liefert in einem ausreichend großen Karton. Der Produktkarton ist tatsächlich in alle Richtungen mit Luftpolstern umgeben. Innen setzt sich der gute Eindruck fort. Der Produktkarton ist aus sehr fester Pappe und in alle Richtungen mit Polsterung ausgefüllt. Einzige Kritik hier: die einklappenden Pappgriffe des Kartons können beim Herausziehen des Gehäuse die Styroporhülle blockieren. Wenn man das nicht direkt bemerkt, hat man schnell die Einzelteile der Verpackung in der Hand.
Einmal ausgepackt ist alles wie es sein soll: Folie schützt beidseitig das rechteckige Fenster und der Schraubenkarton ist sicher in einem der 3,5-Zoll-Einschübe verstaut. Ich rate dazu, die Folie bis nach dem Zusammenbau auf dem Fenster zu lassen. Wer, so wie ich, einen Moment nicht aufpasst und das Gehäuse ohne Teppich oder Handtuch auf die Seite legt, hat schnell unschöne Kratzer in der Scheibe. Das Gehäuse ist mit unter 10 kg trotz der schwer gedämmten Seitenwände noch leicht und bis zum Einbau von WaKü oder Tower-Kühler auch gut zu handhaben. Die Front sieht aus wie gebürstetes Metall, ist aber aus Plastik und ebenfalls empfindlich gegen Kratzer. Sieht aber gut aus.
Das Handbuch ist kurz gehalten, zeigt aber einige wichtige Details auf, die vielleicht nicht sofort offensichtlich sind. Gerade die Beschreibung von Ausbau der 3,5-Zoll- und 5,25-Zoll-Käfige und Benutzung der SSD-Montageblechen kann einem einige Minuten Rätselraten ersparen.
Soweit, so "Engineered in Germany". Aber was ist das? Lackabplatzer an mehreren Ecken der Gehäusewände. Zugegeben klein, aber die Pulverbeschichtete Metallteile halten was aus, bis die Farbe abgeht. Das Spaltmaß zwischen Gehäuse und Seitenwänden ist dann auch etwas unbefriedigend. Mal erkennbar breit, mal muss ich eine Ecke an ihren Ort drücken. Mein altes Gehäuse, das zudem günstiger war als dieses, hatte trotz ähnlicher Bauweise diese Probleme nicht. Ist alles erst mal zusammengebaut, fällt das tatsächlich niemandem mehr auf, aber wer gerade 80,- ¤ für etwas Neues, Tolles, Schönes ausgegeben hat, könnte manches Mal die Nase rümpfen.
Letzter Punkt im Nanoxia-bashing sind die Thumbscrews, die Gehäuseschrauben die man laut Erfinder mit den Fingern drehen kann& können müsste. Tatsächlich ist das bei KEINER der zehn verbauten Schrauben der Fall. Auch die Gewinde für die Mainboardsockel sind per Hand kaum reinzudrehen. Ich nehme an, dass sich nach dem Lackieren niemand mehr die Mühe gemacht hat die Gewinde noch mal freizuschneiden. Ergebnis ist, dass man die Thumbscrews erst nach dem dritten oder vierten mal raus- und reinschrauben gerade so mit der Hand bedienen kann. Wer einmal den Rechner zusammenbaut und gut hat eh einen Schraubendreher in der Hand, aber wer auch mal zwischendurch an die Hardware will, wird sich jedes Mal ärgern. Tatsächlich jedes Mal.
Der Rest macht andererseits einen durch und durch guten Eindruck. Die Verarbeitung ist solide und Nanoxia hat an viele Details gedacht, die Menschen mit erhöhtem Kühlbedarf das Leben leichter machen.
*Modularität*
Was mir besonders an dem Gehäuse gefällt, ist seine Modularität. Man kann in erster Linie drei Dinge ausbauen: den 3,5-Zoll-Käfig, den 5,25-Zoll-Käfig und die "Moduwand", eine Wand quer zur Gehäusefront für die Montage von Festplatten oder (noch) mehr Lüftern. Hat man sich dieser Teile entledigt, stellt sich das Nanoxia Coolforce 2, für Midi-Tower-Verhältnisse, als große Halle dar. Keine Bleche behindern den Luftstrom von vorn unten nach hinten oben. Und man könnte auf den 2,5-Zoll-Platten immer noch vier Festplatten unterbringen. Das war ein kleiner Wow-Moment. Wer, wie ich, alle Kühlbedürfnisse über fließende Luft befriedigt, kann den oberen Deckel abnehmen und 3 volle 140er Lüfter hierunter installieren, auch wenn der 5,25-Zoll-Käfig noch eingebaut ist. Das große Bodengitter mit Staubschublade setzt auch unten im Gehäuse keine Grenzen. Zusammen mit den verhältnismäßig hohen Standfüßen kann so z.B. ein von der Unterseite atmendes Netzteil plus ein 140er Lüfter ansaugen.
Alles in allem erlaubt das Coolforce 2 dem Benutzer so viel oder so wenig im Gehäuse zu verbauen, wie es beliebt, ohne große Einschnitte bei Laufwerken, SSD-Plätzen oder Geräuschdämmung zu machen. Top.
*Alltag mit dem CoolForce 2*
Nachdem ich alle meine Komponenten aus dem alten Gehäuse in das CoolForce 2 verpflanzt hatte, stand natürlich erst mal nicht Alltag sondern Volllasttesten an. Aber zunächst meine Specs:
" Board: Asus Maximus VIII Ranger
" CPU: Intel i7-6700K@4,5 GHz
" RAM: 16 GB G.Skill RipJaws V DDR4 3200 MHz
" GPU: Palit Jetstream Nvidia GTX970 @ 1920x1080
" HDD: Samsung 850 EVO 500 GB
" PSU: Arctic Cooling Fusion 550R, 1x80 mm
" CPU-Kühlung: Alpenföhn Brocken, 1x120 mm, 1x140 mm
" GPU-Kühler: Werkskühler "Jetstream" mit zwei Rotoren
" Gehäuselüfter: 3x 120 mm oben, 2x 140 mm front, 1x 140 mm hinten, 1x 140 mm unten
Das Overclocking habe ich dem zuständigen Asus-Tool überlassen. Soweit läuft der Rechner in beiden Gehäusen stabil.
Ich habe drei Vergleichstests mit Augenmerk auf die Temperatur der CPU durchgeführt und die Werte mit HWInfo aufgezeichnet. Im Ergebnis hat sich bei der Kühlleistung nichts verändert, was erst mal gut ist. Die Temperaturen sind bei Prime erwartbar hoch und kratzen an den 100°C. In einigen aktuellen Spielen bei Ultra-Einstellungen mitteln die Temperaturen um erträglichere 60°C mit Peaks von 75°C CPU und 74°C an der GPU. Reicht auf jeden Fall für den Moment. Dabei rühren die insgesamt 12 Lüfter im Gehäuse angemessen und fleißig. Ich überlasse das dB-Messen den Profi-Laboren und berichte über mein Empfinden: ich hatte den PC jetzt eine halbe Woche auf dem Schreibtisch stehen und eine halbe Woche darunter. In beiden Lagen ist das Betriebsgeräusch gerade im Idle merklich leiser, aber auch bei Leistung scheint die Luft geräuschärmer durch das Gehäuse zu fließen, als beim vergleichbar konstruierten Xigmatek Midgard. Und das ohne die obere Abdeckung und mit drei dort arbeitenden Lüftern. Warum? Egal! Im Idle, also bei allen Anwendungen außer Spielen und wenigen Ausnahmen, drehen nur die drei Nanoxia-Gehäuselüfter vorn und hinten sowie die zwei CPU-Lüfter. Ergebnis: Man muss sich schon gut konzentrieren, um die Lüfter wahrnehmen zu können. Unter Volllast sieht das ganze natürlich etwas anders aus. Trotzdem, irgendwie nehme ich mit dem Nanoxia weniger störende hohe Frequenzen vom Kühlbetrieb wahr. Kurzum: Das Nanoxia CollForce 2 richtet sich zwar in der Werbung an Wasserkühler, aber ich bin mit der Luftkühlleistung und der damit verbundenen Geräuschkulisse sehr zufrieden.
Optisch macht die glatte Front mit dem grün leuchtenden Kühlschlitz einiges her. Nur das Durchscheinen am Spalt zwischen Seitenwand und Gehäuse ist sichtlich ungewollt. Auch ist der bullige Rahmen unten für den Zugang zum Lichtschalte (!) unterbrochen. Hierdurch projizieren die grünen LEDs ein unscharfes Muster der Kühlschlitze auf den Boden, was offen gesagt einfach blöd aussieht. Wer dann auch, wie ich, irgendwie erwartet, dass die transparent-grünen Lüfter von selbst leuchten, wird enttäuscht. Davon geht die Welt aber gewiss nicht unter. Das große Fenster an der Maschinenraumseite des Gehäuses ist schlicht, rechteckig und funktional. Es größer zu machen ergäbe keinen Sinn, da weiter vorn ein nicht zu entfernendes Blech verbaut ist. Somit muss man schon um die Ecke schauen, um z.B. einen unter dem 5,25"-Schacht verbauten Ausgleichbehälter zu sehen. Ich finds ok, aber für diesen speziellen Zweck könnte es ein Ausschlusskriterium sein. Ich genieße den freien Blick so wie er ist. Die Hauptkomponenten sind sichtbar und das reicht mir völlig.
Von der Benutzbarkeit her ist das Frontpanel auf der Oberseite gut durchdacht. Einmal USB 2.0 und zweimal USB 3.0 sind genau, was ich im Alltag benötige. Da verschmerze ich auch den fehlenden 3,5" Schacht, wo ich sonst den CardReader untergebracht hatte. Das Highlight hier sind die Audioanschlüsse. Ich hatte bisher noch kein Gehäuse, bei dem nicht zumindest minimale Störgeräusche zu hören waren, egal mit welcher Sound-Lösung. Aber hier? Nichts. Lautstärke bei Kopfhörern und in Windows auf Maximum. Stille. Also, bis man den Soundchips irgendwas zu tun gibt. Toll. Ich schreibe das unumwunden dem Gehäuse zu. Endlich nicht mehr unter den Schreibtisch kriechen, wenn man von Boxen auf Kopfhörer wechseln will. Nice.
Dass die Thumbscrews nicht mit der Hand drehbar sind ist nicht das Ende aller Tage, zeigt aber wo gespart wurde. Aber lieber dort, als beim Design oder der Stabilität würde ich sagen.
*Pros und Contras*
+ Keine Störgeräusche am Frontaudio; Da die Komponenten dieselben sind, rechen ich das dem Gehäuse zu. Endlich kein Rückseitengefummel mit Kopfhörern mehr.
+ HDD- und Laufwerks-Käfige entfernbar: 2x 3,5"-Slots, jede Menge 2,5"-Flächen
+ Ohne Käfig und Modu-Wand völlig freier Luftstrom von vorn nach hinten
+ Im Officebetrieb weniger Gehäuselüfter-Aktivität als im Vergleichsgehäuse
+ Stufen-Schalter für Gehäuselüfter gut erreichbar&
+ An/aus; USB gut erreichbar
+ Dämmung tatsächlich im Vorteil gegenüber ungedämmtem Sidepanel
+ Große und leise Lüfter (die leider nicht leuchten)
+ Große und hohe gummierte Gehäusefüße
+ Staubfilterschublade groß und gut zugänglich
+ Leichte Lüfterinstallation oben und unten; vorn einfaches entfernen des Frontpanel und Zugang zu Frontlüftern; Möglichkeit, statt HDD auf Moduwand Lüfter zu platzieren à Lüfter galore
-Thumbscrews lassen sich nicht mit dem Thumb screwen. Schraubendreherpflicht!
-Scheibe sehr kratzempfindlich
-Man muss darauf achten, ob man USB2 oder USB3 erwischt
-Kein 3,5" Panel vorn (Card-Reader)
-Spaltmaß, Verarbeitungsgenauigkeit à dadurch bei Lieferung kleine Lackschäden
-Alle Plastikoberflächen empfindlich
- & Stufenschalter nach einem Tag kaputt. Nach wenigen Betätigungen liefen die Gehäuselüfter nur noch in der mittleren Stufe
- Gehäusefüße nicht Plan auf dem Boden
*Fehlfunktion*
Wie in der Contra-Liste schon stand: nach einem Tag funktionierte nur noch die mittlere der drei Geschwindigkeitsstufen. Der Schalter zum Einstellen der Lüftergeschwindigkeit versagte so, dass bei den Stufen "hoch" und "niedrig" die Lüfter nicht mehr drehten. Da es sehr ungewöhnlich ist, dass ein elektronisches oder elektrisches Bauteil "halb" kaputt geht, habe ich die Platine notdürftig ausgebaut. Dabei fiel direkt auf, dass auf zwei Leiterbahnen der Schutzlack verschmort war. Dies ist ein typischer Hinweis auf zu großen Strom, ggf. einen Kurzschluss. Ein solcher Defekt kann im ungünstigsten Fall das System beschädigen bzw. sogar einen Kabelbrand verursachen. Nanoxia hat nach Rückfrage bisher noch nicht dazu Stellung bezogen.
Hier also meine Empfehlung: Die Gehäuselüfter sollten nicht über die von Nanoxia verbauten Anschlüsse betrieben werden. Den dafür vorgesehenen SATA-Stecker und die Molex-Anschlüsse einfach leer lassen. Die fragliche Platine wird man leider nicht los, da auf ihr auch der Reset-Schalter und die Front-Audio-Anschlüsse verbaut sind.
*Fazit*
Ich habe das Nanoxia CoolForce 2 als geräumig, leise und, bis auf winzige Details, gut verarbeitet erlebt. In einem noch recht kompakten Gehäuse bekommt man viele Möglichkeiten mit Luft- und Wasserkühlung zu experimentieren oder exotisch lange Grafikkarten zu verbauen. Optisch macht es einiges her, besonders wenn man selbst noch in ein paar Lichtquellen investiert. Wer Grün nicht mag, kann die LED-Leiste über einen Schalter deaktivieren. "Glücklicherweise" ist mir direkt die Lüfter-Steuerungsschaltung durchgebrannt, so dass ich euch vor deren Benutzung warnen und davon abraten kann. Das Gesamtpaket stimmt für den Preis. Wer genau so viel für ein Gehäuse eingeplant hat, sollte zuschlagen. Wer etwas mehr investieren kann keine Kompromisse besonders bei den kleinen Verarbeitungsschwächen und der Optik eingehen will, sollte noch etwas weiter recherchieren.
4/5