Produkttester
Im Voraus möchte ich bemerken, dass mir diese Tastatur im Rahmen des Testers Keepers -Programms durch Mindfactory kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Beworben habe ich mich zum Test dieser Tastatur, da ich sowohl für Gaming, für die berufliche Nutzung zu Hause, als auch für Dienstreisen eine kleine hochwertige mechanische Tastatur gesucht habe, die auch in einer eher zurückhaltenden Büroumgebung und mit reduzierten Lichteffekten noch einen professionellen Eindruck hinterlässt und nicht zu stark nach "Kirmes" aussieht. Genutzt wird die Tastatur zu circa 85% zum Schreiben längerer Texte und Programmierung sowie zu 15% zum Spielen.
- Verpackung und Lieferumfang
Die Verpackung grinst einen im typischen NZXT-Lila an. Material und Aufdruck sind einem Peripherie-Gerät in diesem Preisbereich angemessen und wirken hochwertig. Die Werbebotschaften auf der Umverpackung wirken professionell, zweckdienlich, keinesfalls reißerisch und kommen ohne die typischen Werbeversprechen aus, euch dank eures Kaufs unmittelbar zum Pro-Gamer zu machen.
Die Tastatur im Inneren wird durch einen hochwertigen Karton, samt entsprechend geformtem Kunststoffblister zum Schutz der Tasten, darunterliegend ein Stück Schaumpolsterfolie (leider etwas zu dünn für einen sogenannten "Foam-Mod" zur Dämpfung der Tastatur) geschützt. Separiert eingepackt findet sich das unten genannte Zubehör, oder auch nicht.
Das beiliegende, relativ dicke USB-C-Kabel mit einer Länge von knapp 2 Metern ist mit einem schlichten schwarzen, engmaschigen Sleeve versehen und macht mit seinen hochwertigen Steckern einen guten Eindruck. Es ist etwas störrisch, kann für eine ordentliche Verlegung auf dem Schreibtisch aber leicht in die gewünschte Form gebogen werden.
Weiter wurden der Tastatur Werkzeuge, ein einfacher Keycap-Puller und eine Zange zum Wechsel der Switches beigelegt. Beide machen einen hochwertigen Eindruck und sollten die Modding-Arbeiten eines gesamten Tastaturlebens überdauern.
Anders als bei der Fullsize und TKL-Version (ohne Zehner-Zahlenblock) der Tastatur, liegt der Mini TKL keine Handballenauflage bei. Dies ist bei dieser Produktgruppe typisch und für mich kein Minuskriterium, wäre jedoch eine Chance gewesen sich von der Konkurrenz abzusetzen.
-Optik und Haptik
Die mir gelieferte Tastatur mit schwarzem Body und Tasten kommt relativ unauffällig daher. Das Gehäuse besteht aus hochwertig verarbeitetem Kunststoff (schätzungsweise ABS) und vermittelt durch eine raue Textur an der Oberseite den Eindruck aus Gussmetall zu bestehen. Dies gefällt mir persönlich sehr.
Das Gehäuse ist für mein Verständnis auch sehr verwindungssteif, selbst im Vergleich zu Aluminium-Gehäusen wie aus der HyperX Alloy-Serie und gibt auch beim "aggressiven" Tippen nicht spürbar nach.
Es scheint über eine Metallplatte im Inneren zu verfügen, was ich noch nicht überprüfen konnte, jedoch nahe liegt, da die Tastatur kein schweres, jedoch angenehmes Gewicht hat und dadurch, in Verbindung mit den Gummifüßen sehr standsicher ist. Leicht genug zum Reisen, schwer genug für den nötigen Komfort und daher für mich perfekt.
Layout
Zum Layout gibt es nicht viele Worte zu verlieren. Die Tasten haben Standardabstände und der Umfang sowie die Anordnung der Tasten ist für meine Anforderungen perfekt. Wer die Entscheidung zu einem ca. 65%-Keyboard trifft, tut dies wohl bewusst und sollte sich daher Gedanken machen ob die vorhandenen Tasten für das eigene Nutzungsverhalten ausreichend sind.
Dedizierte Seitentasten
An der linken Seite der Tastatur gibt es drei fest belegte Funktionstasten. Die oberste ist Mute, die Mittlere Win-Lock, zum Deaktivieren der Windows-Taste um versehentliches Öffnen des Startmenüs beim Spielen zu verhindern und die unterste Taste zur Verstellung der Helligkeit der Hintergrundbeleuchtung. Diese kann in 4 Stufen (Aus und in drei verschiedene Helligkeiten) variiert werden. Individuelle Helligkeiten können natürlich mit der Konfigurations-Software (später mehr dazu) konfiguriert werden.
Scrollwheel
Ebenfalls an der linken Seite findet sich das Scroll-Wheel, welches im Vergleich zur Konkurrenz wie beispielsweise Corsair (dort ist es rechts), im Betrieb wesentlich angenehmer erreichbar ist, da die Hand nicht von der Maus genommen werden muss. Dieses ist jedoch leider lediglich für die Wiedergabelautstärke zuständig, lässt sonst aber keine Systemeingaben zu. Hier hätte ich mir als Vielschreiber die Option zum vertikalen oder horizontalen Scrollen, was mit Tastenkombinationen auch Zoomen und Rotieren möglich machen würde, gewünscht. Dies ist jedoch leider nicht möglich und lässt sich nach meinem Kenntnisstand in der zum Zeitpunkt dieses Reviews aktuellen Version der CAM-Software nicht konfigurieren. Hier wurden wieder Plus-Punkte im Vergleich zu anderen Marktteilnehmern verschenkt.
Tastenkappen
Die Tastenkappen bestehen aus relativ dünnwandigem ABS, was mich hinsichtlich der Geräuschentwicklung etwas gestört hat, da hierdurch beim Anschlagen der Tasten am unteren Totpunkt und zurückprallen im oberen Anschlag ein leichtes Klappern aufgetreten ist. Dies muss nicht jeden stören und damit ist bei
nicht modifizierten mechanischen Tastaturen stets zu rechnen. Das durchscheinen der Tastaturbeleuchtung ist für mich mehr als ausreichend. RGB-Junkies sollten eventuell auf Pudding-Keycaps ausweichen. Generell hätten der Tastatur Tastenkappen aus PBT gutgetan. Immerhin kann von einer modifizierbaren Tastatur dieses Preissegments eine entsprechend lange Gesamtlebensdauer erwartet werden. Wie lange die Tastenkappen durchhalten ohne den für ABS typischen Glanz zu erhalten, der sie so ungepflegt "speckig" aussehen lässt, kann ich Rahmen des kurzen Tests natürlich nicht vorhersagen. Sicher ist nur, dass es passieren wird.
Die angebrachten Standfüße bieten drei Einstellungsmöglichkeiten des Winkels, sind sehr stabil ausgeführt und mit ausreichend rutschhemmenden Gummi versehen, die sehr fest befestigt sind.
Funktionalität und Tippgefühl
Spieler und Gelegenheitsschreiber werden mit dieser Tastatur und den verbauten linearen Gateron Red-Tastern sehr glücklich werden. Die Taster bewegen sich ohne jedwede Kratzgeräusche und sind meiner und auch der Meinung der Internet-Gemeinde nach eine gute Wahl für die vorgenannte Nutzergruppe. Vielschreiber sollten sich indes eventuell näher mit anderen Tastertypen, insbesondere taktilen Modellen, mit einem gewissen Anfangswiderstand und Feedback auseinandersetzen. Diese können Tippfehler enorm reduzieren. NZXT bietet die Tastaturen der Function-Reihe mit anderen Schaltern an. Dies jedoch nur als Werks-Modifikation in deren BLD-Konfigurator für einen enormen Aufpreis. Wer selbst Hand anlegen möchte kann dies auch als Laie, ohne Lötkolben und guten Gewissens, angehen. Die gesockelten Taster ermöglichen ein einfaches austauschen, was mit dem beiliegenden Werkzeug auch sehr einfach gelingt.
Soundcheck
Wie bereits bei den Tastenkappen angesprochen, bringen diese materialbedingt etwas "Eigenresonanz" mit. Dies würde ich als normal bezeichnen. Für meinen persönlichen Geschmack ist es etwas viel, jedoch bin ich diesbezüglich sehr anspruchsvoll und möchte meine Kollegen im Chat oder Büro nicht unnötig stören. Hier lässt sich mit Gummiringen als Dämpfer unter den Tastenkappen für wenige Euro eine starke Verbesserung erzielen. Dies betrifft auch die (vermutete) Metallinnenplatte. Diese gibt ein leichtes metallisches "Klingeln" von sich, was bei mechanischen Tastaturen dieser Preisklasse normal ist. Abhilfe kann hier nur ein Foam-Mod und oder eine Dämpfung des Anschlags durch oben beschriebene Gummiringe schaffen.
- Software
Von der CAM-Software zur Konfiguration der Tastenbelegung und -beleuchtung bin ich weder besonders positiv, noch negativ beeindruckt. Sie bietet, bezogen auf die Tastaturoptionen das Notwendigste, jedoch nichts Herausragendes. Hinsichtlich der RGB-Optionen muss definitiv nachgebessert werden. Störend empfand ich, dass nicht klar ersichtlich ist, welches angelegte Profil in der Software, welcher Schnellwahltaste (FN + 1 bis 4) zugeordnet ist. Das macht es im Gebrauch zum Ratespiel und wurde durch zahlreiche Konkurrenten, auch eher unauffällige Klein- und Billighersteller, wesentlich besser gelöst. Beispielsweise das Anlegen von Ebenen von RGB-Effekten ist bei anderen Herstellern mittlerweile zum Quasi-Standard geworden, sodass man es bei einer Tastatur die sich lediglich durch gesockelte Taster hervorhebt, als grundlegende Voraussetzung annehmen möchte. Jedoch darf man nicht vergessen, dass NXZT neu auf dem Markt der Peripherie-Geräte ist und man den heutzutage beinahe üblichen "Welpenschutz" gelten lassen sollte. Zudem kann und wird (so hoffe ich jedenfalls) das ungenutzte Potential der Software zukünftig noch ausgeschöpft. Hierzu gehört auch, wie weiter oben beschrieben, in diesem Zug auch die Modifikationsmöglichkeit des Scroll-Wheels, was für Gamer wie auch Office-Nutzer ein echter Gewinn sein könnte.
Unter Win 11 macht die Software einen eher instabilen Eindruck. Abstürze wurden jedoch lediglich beim Versuch die internen vorgegebenen Profile zu löschen hervorgerufen. Unter Windows 10 konnte noch kein Test erfolgen. Ich nehme jedoch schlichtweg an, dass sie dort wesentlich besser läuft.
- Preis-/Leistungsverhältnis
Das Preis-/Leistungsverhältnis ist für mich als noch gut (2-) zu bewerten. Besonders dann, wenn man entweder ohnehin eine Gaming-Tastatur mit Gateron Red-Tastern aufbauen möchte oder so wie es der Hersteller bei der Entwicklung wohl vor hatte, einen möglichst einfachen Einstieg in die Welt des Moddings mechanischer Tastaturen sucht. Anspruchsvolle Nutzer und ("aggressive") Vielschreiber, die ein dauerhaftes Schreibgerät suchen und Ausfälle einzelner Tasten leid sind, die im Normalfall unmittelbar zum Gesamttausch der Tastatur führen würden und die "Einarbeitung" einer neuen Tastatur nötig machen sind hier definitiv auch goldrichtig.
Die Preis-Leistung ist natürlich auch unmittelbar von der Haltbarkeit abhängig, zu der ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussage treffen kann. Bisher schlägt sie sich, nach ca. 15000 geschriebenen Wörtern binnen zwei Wochen, sehr gut.