Produkttester
TL;DR: Gute, kompakte Tastatur zum mobilen Einsatz mit interessantem Tastaturlayout und sehr guten RGB-LEDs, aber auch mit kleineren Schwächen (z.B. Platzierung der Sonderfunktionstasten). Aber wer oder was ist schon perfekt :-)?
EINLEITUNG
Ich bin Software-Entwickler und ambitionierter Casual-Gamer in seinen 40er Jahren und seit ein paar Monaten auf der Suche nach einer mobilen Lösung, um zwischen Home-Office und Büroarbeitsplatz wechseln zu können. Umso erfreuter war ich, als ich vom Tester-Gewinnspiel von Mindfactory und NZXT mit nachgängiger Besitzübernahme erfuhr. Am wichtigsten daran war aber, dass meine "Bewerbung" erfolgreich beschieden wurde. Nennt mich also etwas "biased" :-).
VORAUSSETZUNGEN
Und so sitze ich hier vor meiner neuen NZXT-Tastatur und versuche, nach 14-Tagen ein faires Testurteil abzugeben.
Zum Vergleich kann ich die TKL-Tastatur LK20 von Lioncast( MX Braun) und das Top-Modell von Mountain, die Everest MAX (MX Braun) mit modularem Nummernblock und LED-Multimedia-Screen heranziehen. Dabei muss erwähnt werden, dass die Mountain mehr als zweimal so teuer und in einer anderen "Liga" spielt | und selbst die hat ihre Höhen und Tiefen. Daneben setze ich an meinen privaten Arbeitsplätzen und meinem Simulator-Rig kabellose Lösungen von Logitech ein, die aber ohne mechanische Schalter auskommen.
TECHNISCHE DATEN / VERPACKUNG / ZUBEHÖR
Die Tastatur kommt in einer zweckmässigen Verpackung, welches die Tastatur und das Zubehör sicher verwahrt. Als Zubehör sind ein 2-Meter-USB-C-Kabel und zwei Werkzeuge zum Entfernen der KeyCaps und mechanischen Schalter beigelegt. Anders als bei den Volllayout-Tastaturen von NZXT wird keine Handballenablage mitgeliefert.
Die Tastatur macht einen stabilen und kompakten Eindruck, kein Platz wird verschwendet. Die von mir ausgesuchte schwarze Variante wirkt dezent auf meinem Schreibtisch..
Die Maße betragen zirka 339x123x40cm. Das Gewicht beträgt 718g, was der Tastatur trotz der kompakten Größe ein angenehmes Gefühl von Gewicht verleiht.
Die Tastatur ist mit hot-swap-fähigen Gateron Linear Red-Schalter mit RGB-LEDs ausgerüstet, welche aber auch durch normale MX-Schalter ausgetauscht werden können.
An der linken Seite sind ein Lautstärkeregler in Form eines Rades und drei Druckknöpfe zum Stummschalten, Umschalten des WinLock-Modus und für die Einstellung der LED-Helligkeit eingelassen.
Die Tastatur verfügt über Füsse mit zwei Einstellungsmöglichkeiten, um den Winkel der Tastatur zu verändern.
Als Software kommt die hausinterne Software NZXT-CAM zum Einsatz, die kostenlos von der Webseite heruntergeladen werden kann, ebenso wie das Handbuch.
Die Tastatur wird per USB-C angebunden, das Kabel ist also abnehmbar. Der Anschluss dazu befindet sich gut erreichbar auf der Rückseite der Tastatur.
TASTATURLAYOUT/SCHALTER
Das Tastaturlayout ist im ISO-Format ausgelegt und verwendet 87 Tasten. Die Cursor- und Sondertasten (Einf, Pos1, Entf, etc.) sind auf der rechten Seite in abstandreduzierter Form in zwei Spalten angeordnet, um die Breite der Tastatur zu verringern.
Das Layout ist am Anfang etwas ungewohnt, da man des öfteren statt der ENTER-Taste eine Sondertaste (z.B. Entf) trifft. Nach einer Woche hat man sich aber daran gewöhnt und lernt die geringere Entfernung zu den Sondertasten zu schätzen. Die Schalter fühlen sich zu den von mir normalerweise genutzten braunen MX-Schaltern etwas weniger knackig resp. schwammig an. Die Tasten sind auch etwas "unruhiger", wenn man an ihnen ruckelt. Etwas, was man aber nur bei direktem und kritischem Vergleich bemerkt. Das Schreibgefühl dagegen ist sehr gut und entspricht meinen Erwartungen und Erfahrungen an und mit mechanischen Tastaturen für Schreiben und Programmieren. Die Schalter sind zu MX-Schaltern kompatibel, der Spielfreude mit unterschiedlichen Schaltstärken und -verhalten (taktil, linear, etc.) sind also keine Grenzen gesetzt.
KEYCAPS
Die aus ABS gefertigten KeyCaps sind mit einer glatten Oberfläche versehen , die Beschriftung sauber und das LED-Licht intensiv und klar abgegeben. Trotzdem empfinde ich PBT-KeyCaps mit ihrer rauen Oberfläche angenehmer beim Schreiben und habe die KeyCaps darum durch PBT-PuddingCaps (oben schwarz, unten durchscheinend) ausgetauscht. Das Austauschen der KeyCaps war mit den mitgelieferten Tools einfach und ohne großen Kraftaufwand möglich. Dabei ist zu beachten, dass bei normalen KeyCaps-Kits durch die Neuanordnung der Sondertasten die Höhe einiger Sondertasten nicht mehr passt - sie sind zu hoch für ihre Reihe. Das führt zu einem uneinheitlichen Tastenbild und darum habe ich die Sondertastenspalten mit den alten ABS-KeyCaps belassen, was der Tastatur einen interessanten LED-Effekt verpasst und ihr Individualität verleiht.
RGB-LED
Kommen wir nun zu einem persönlichen Höhepunkt der Tastatur, den LEDs. Mit den normalen schwarzen ABS-KeyCaps noch etwas dezent, kommt die hohe Lichtstärke mit den PuddingCaps (unbedingt mal ausprobieren!) zur vollen Geltung. Selten habe ich den Regenbogeneffekt so genossen, wie mit dieser Tastatur. Verglichen mit meiner Haupttastatur, der Mountain MAX, strahlen die LEDs bei voller Helligkeit fast doppelt so stark.
Als Negativpunkt bei Nutzung von PuddingCaps ist mir aufgefallen, dass durch die roten Gateron-Schalter keine reinweißen Farben erzeugt werden. Weiß sieht immer etwas rosa aus. Dieser Effekt ist mir bei braunen Schaltern nicht aufgefallen. Dies ist aber ein Problem der KeyCap-Schalter-Kombination und nicht der Tastatur an sich.
SONDERFUNKTIONEN
Die auf der linken Seite seitlich angebrachten Knöpfe ermöglichen einen schnellen Zugriff auf die Lautstärkeeinstellung, die Audio-Stummschaltung, das Umschalten der Windows-Taste (WinLock-Mode) und der LED-Helligkeit (4 stufig). Das Drehrad zur Lautstärkeregelung ist angenehm zu nutzen und weist eine sehr geringe aber fühlbare Rasterung auf. Der WinLock-Mode wird mit einer dauernd leuchtenden weißen LED angezeigt. Dass die rote LED beim Stummschalten des Tons nur bei Tastendruck aktiv ist, ist wohl darauf zurückführen, dass dieser Wert von anderer Seite verändert werden kann und die Tastatur das nicht mitbekommt.
Negativ ist mir aufgefallen, dass man die Tasten sehr leicht betätigt, wenn man seine Tastatur oft bewegt. Dadurch habe ich schon mehrfach plötzlich vor einer "deaktivierten" Tastatur gesessen, weil ich aus Versehen die Helligkeit von Stufe 3 auf Stufe 0 "getastet" habe. Scheinbar nageln die Produkttester bei NZXT ihre Testobjekte am Tisch fest :-)
Zusätzlich gibt es in der Sondertasten-Spalte am rechten Rand noch eine dedizierte NZXT-Taste, die mit Sonderfunktionen belegt werden kann. Ich habe sie nicht intensiv genutzt, aber nachdem in der Software (s.u.) konfiguriert, wurde das Makro erfolgreich ausgeführt.
Über eine Funktionstaste (Fn) und die Funktionstasten F1-F4 kann zwischen vier in der Tastatur gespeicherten Profilen gewechselt werden. Eine schnelle Möglichkeit, um zwischen Arbeitsplatz- und Spiele-Konfiguration zeitnah wechseln zu können, ohne die Software zu starten.
SOFTWARE
Die Tastatur funktioniert out-of-the-box, entfaltet aber seine ganze Funktionalität erst, wenn man die hausinterne Software NZXT-Cam verwendet. Die Software ist die eierlegende Wollmilchsau des NZXT-Hardware-Universums und kann neben Tastaturen unter anderem Mäuse, Kühlerlösungen, Netzteile und PC-Info-Overlays steuern. Man kann diese Punkte, sofern nicht anwendbar, aber leicht in den Einstellungen verstecken.
Die CAM-Oberfläche ist übersichtlich, leicht verständlich und bedienbar. Ich habe mich auch ohne Handbuch schnell zurechtgefunden.
Für Tastaturen können mehrere Funktionen konfiguriert werden. Dazu zählen RGB-Einstellungen, Makro-Funktionen und Austauschen von Tastenwerten (Rebinding).
Die RGB-Einstellungen beinhalten die üblichen Verdächtigen wie zum Beispiel Rainbow, Matrix oder Custom mit allen notwendigen Optionen (Richtung, Größe, Geschwindigkeit).
Der Makro-Modus ermöglicht das Ausführen unterschiedlichster Tastenanschläge durch Drücken einer einzigen Aktivierungstaste. Einen wirklichen Nutzen habe ich für mich noch nicht gefunden.
SCHLUSSWORTE
Und damit möchte ich zum Schluss kommen. Als "Beschenkter" muss ich mir die Frage stellen, ob ich mir die Tastatur auch so gekauft hätte. Und eine Antwort fällt mir einerseits leicht, andererseits etwas schwerer.
Die Tastatur erfüllt meine Anforderungen an eine mobile und kompakte Lösung, ist qualitativ auf hohem Niveau und zeigt nur geringe, für mich vernachlässigbare Schwächen. Die Beantwortung der Frage, ob ich den aktuellen Preis von etwas über 100 Euro ausgegeben hätte, lässt mich etwas zögern. Meine vor kurzem getätigten Recherchen haben ähnlich ausgestattete Tastaturen in einem etwas geringeren Preissegment zu Tage gefördert. Ob dann aber auch Qualität und Ergonomie der NZXT erreicht worden wäre, kann ich nicht beurteilen.
Abseits des Preises kann man aus meiner Sicht nichts falsch machen, da man eine sehr gute Tastatur mit interessanten Eigenschaften und Funktionen erhält. Bei mir wird sie in ständiger Zweitbenutzung zu Hause und im Büro sein, da ich auf die Vorteile meiner Mountain Max dann doch nicht verzichten möchte.