Produkttester
Testers Keepers: Corsair Crystal 460X Red
Bevor ich anfange das Corsair Crystal 460X Red zu bewerten, möchte ich mich bei Mindfactory dafür
bedanken, dass sie mir die Gelegenheit gegeben haben das Produkt zu testen. Im Rahmen des
Testers Keepers Programm habe ich die Möglichkeit das Gehäuse auf Herz und Nieren zu prüfen und
anschließend bei erfolgreichem Test zu behalten. Diese Dreingabe wird mich aber nicht davon
abhalten sowohl positive als auch negative Kritik zu äußern.
Auf die technischen Daten werde ich in diesem Review nicht eingehen, da man diese auch leicht
beim Hersteller oder Mindfactory selbst nachlesen kann. Stattdessen konzentriere ich mich auf die
Erfahrungen, die ich während des Einbaus der Hardware gesammelt habe.
Verpackung und äußeres Erscheinungsbild:
Dem neuen Trend folgend hat Corsair sich entschlossen das Crystal 460X mit Hartglas-Seitenteilen zu
versehen, welche sich über die linke Seite und die Front erstrecken. Aus diesem Grund ist es wichtig,
dass das Gehäuse in einer sicheren Verpackung geliefert wird, sodass speziell das Glas-Seitenteil mit
einer Extraschicht Styropor geschützt wird. Dennoch war ich beim ersten Auspacken leicht geschockt,
als ich auf dem Seitenteil einen langen Striemen gesehen habe. Glücklicherweise sind die Glasseiten
anfänglich mit einer Schutzfolie überzogen, sodass kein Kratzer auf dem Glas zu sehen war. Die
Kratzfestigkeit erstreckt sich aber leider nicht über alle Seitenteile. Die rechte Seitenwand aus Stahl
hat im Laufe meines Zusammenbaus einen Kratzer abbekommen, sodass die schwarze Lackierung
beschädigt ist, wohingegen die Glasseite den Test mit einem Schraubenzieher unbeschadet
überstanden hat. Die Glasseiten selbst werden mit jeweils vier Rändelschrauben und
Gummidichtungen sicher an ihrem Platz gehalten.
Zum Design lässt sich sagen, dass es angenehm unaufdringlich ist und durch die Hochwertigkeit des
Materials seine Stärken ausspielt. Leute, die gerne ein schlichtes Gehäuse mit einem edlen Einblick in
das Innere kombinieren wollen, sollten sich dieses Gehäuse genauer ansehen. Das Corsair Crystal
460X entspricht mit den Abmessungen von 44cm x 22cm x 46,4 cm (L x B x H) einem handlichen Midi-
Tower, sodass es auch gut mit seinen ca. 8kg Leergewicht auf dem Schreibtisch platziert werden
kann.
Der neue Trend zu Glas hat auch seine Nachteile insbesondere wenn es um Staub geht. Nach einer Woche stehenlassen in der Wohnung könnte ich gerade wieder die Glasseiten reinigen. Apropos Staub: Das Gehäuse hat an allen wichtigen Stellen Staubfilter (Front, Netzteil und Deckel). Der Staubfilter für das Netzteil lässt sich nach hinten abziehen, wohingegen der Staubfilter im Deckel mit Magneten an Ort und Stelle gehalten wird. Will man aber den Staubfilter in der Front säubern, dann muss man die vier Rändelschrauben für die Glasfront entfernen und erhält erst dann den Zugang zum Staubfilter. Das ist zugegebenermaßen umständlich.
Verarbeitung und innere Werte:
Die hochwertige Aufmachung des Gehäuses setzt sich im Inneren mit einer sehr guten Verarbeitung fort. Nirgends findet man scharfe Kanten und drei der fünf Kabeldurchführungen im Mainboard-Tray sind mit schützendem Gummi überzogen. Warum nicht alle Öffnungen mit Gummi geschützt sind, ist etwas verwunderlich, führt aber zu keinem Punktabzug.
Im Inneren finden sich auch die Abdeckungen für Netzteil und Festplattenkäfig, welche mit zwei Rändelschrauben auf der Rückseite des Mainboard-Trays befestigt sind. Je nach Bedarf kann der Festplattenkäfig entfernt werden, indem zwei weitere Rändelschrauben demontiert werden.
Über den Innenraum hat man außerdem Zugang zu den Lüfterplätzen in der Front, im Deckel und im Heck. Im Heck ist ein 120mm Lüfter verbaut, der in der Höhe justierbar ist, sofern man eine Wasserkühlung im Deckel verbauen möchte. Im Deckel ist Platz für zwei 120mm oder 140mm Lüfter, welche wiederum auch variabel angebracht werden können.
In der Front wird im Lieferumfang ein rot-beleuchteter 140mm Lüfter verbaut, welcher um maximal zwei weitere Lüfter erweitert werden kann. Offiziell gibt Corsair an, dass entweder drei 120mm Lüfter oder zwei 140mm Lüfter in die Front passen. Es lassen sich aber auch Mischkonfigurationen realisieren, z.B. mit einem 120mm und einem 140mm Lüfter. Bastler werden sicher auch zwei 120mm und einen 140mm Lüfter unterbringen, was aber wiederum eine sehr ungewöhnliche Konfiguration ist.
Montage:
Bevor ich jetzt die Montage beschreibe, hier eine kurze Auflistung der verbauten Hardware:
· CPU: Intel Xeon X5670 @ 4,0 Ghz
· GPU: KFA2 Geforce GTX 1080 EXOC
· Mainboard: Asus P6T (ATX-Format)
· Netzteil: Be Quiet! Straight Power E9-CM 580W (teilmodular, ATX-Format)
· CPU-Kühler: Be Quiet! Dark Rock Pro 2
· Lüftersteuerung: Zalman ZM-MFC1 (nur für die Lautstärke- und Kühlleistungstests)
· RAM: 6x2GB Corsair XMS3 Dominator
Ich war gespannt, wie sich die etwas ungewöhnliche Hardware in diesem (kleineren) Gehäuse unterbringen lässt. Bisher war die oben gelistete Hardware (und noch mehr) in einem Big Tower von Coolermaster untergebracht, in dem genügend Platz für den ausladenden CPU-Kühler und etwaige 5,25"-Erweiterungen war. Kurz und knapp: Das Wichtigste passt rein. Damit meine ich die Komponenten aus der Auflistung plus eine SSD und eine HDD, was vermutlich für die allermeisten Anwender ausreichend ist. Vor allem erfreut bin ich über die Möglichkeit sehr hohe CPU-Kühler bis zu 17cm Höhe zu verbauen. Diese Möglichkeit gibt es nicht bei vielen Midi-Towern. Es wäre übrigens ein KO-Kriterium gewesen, das ich mich nicht für den Test beworben hätte. Vielen Dank Corsair!
Der Einbau von Festplatten jeglicher Art klappt komplett werkzeuglos. SSDs oder HDDs im 2,5"-Format können einfach in einen der drei Slots auf der Rückseite eingeschoben werden. Hier ist übrigens keine Entkoppelung vorgesehen, sodass ich von HDDs in dieser Halterung abrate. 3,5" HDDs für das heimische Datengrab werden dagegen in einem Festplattenkäfig am Boden des Gehäuses untergebracht. Hier gibt es dann auch eine Entkoppelung über gummierte Abstandhalter der HDD-Befestigung. Ich kann hier schon vorweg nehmen, dass die Entkoppelung effektiv ist, sodass keine Vibrationen der HDD auf das Gehäuse übertragen werden und sich unschöne Nebengeräusche entwickeln.
Soll es etwas mehr sein, wie eine Lüftersteuerung, USB3.0-Erweiterungskarte (ja, mein Mainboard hat noch kein USB3.0. Wie altmodisch) wird es dann schon arg eng. Die Lüftersteuerung hat aus reinen Platzverhältnissen nicht verbaut werden können, wohingegen ich die Erweiterungskarte allein wegen des Aussehens nicht eingebaut habe. Es wäre aber rein technisch möglich gewesen.
Herausfordernd ist an der Montage hauptsächlich das Kabelmanagement für die Rückwand und die Netzteil- beziehungsweise Festplattenabdeckung. Zuerst zur Rückwand: Dort ist knapp 2cm Platz für das Kabelmanagement, was sich vor allem bei störrischen SATA-Stromsteckern als schwierig erweist. Außerdem dürfen nicht zu viele dicke Kabel an der gleichen Stelle verlegt werden, sodass sich das 24-polige Mainboard-Stromkabel und weitere SATA-Stromkabel nie kreuzen dürfen. Andernfalls flucht man beim Einbauen des rechten Seitenteils. Die Abdeckungen für Netzteil und Festplattenkäfig sind zwei eigenständige Plastik-Teile mit jeweils einem Loch für Kabel. Die Verarbeitung ist leider nicht auf dem hohen Niveau des restlichen Gehäuses. Damit man Kabel durch das Loch in der Abdeckung verlegen kann, muss man zuerst ALLE notwendigen Kabel am Netzteil anbringen. Macht nicht den gleichen Fehler wie ich: Geht auf Nummer sicher, dass ihr alle Kabel angeschlossen habt, bevor ihr mit der Abdeckung beginnt. Für mich war die Abdeckung etwas neues, sodass es bei mir etwas länger gedauert hat für diese Einsicht ;). Um den Einbau der Abdeckung leichter zu gestalten, wäre es besser gewesen, wenn das Loch zur Kabeldurchführung kein Loch gewesen wäre, sondern ein U-förmiger Ausschnitt, sodass Kabel schon im Vorhinein verlegt werden können.
Leistung:
Das Fehlen einer integrierten Lüftersteuerung beziehungsweise der Verzicht auf 5,25" Laufwerke ist speziell für mich als Silent-Fan grenzwertig. Bisher konnte ich meine Lüftersteuerung in einem 5,25" Schacht unterbringen und alle Lüfter auf 5V runterregeln. Um einerseits die subjektive Lautstärkeempfindung als auch die Kühlleistung bei 5V zu messen, habe ich die alte Steuerung kurzerhand provisorisch in den Innenraum gelegt. Um die Kühlleistung bewerten zu können, habe ich Messungen für CPU, GPU und SDD unter Last und im IDLE vorgenommen, wenn die Gehäuselüfter mit 5V beziehungsweise 12V betrieben wurden.
CPU:
Corsair Crystal 460X (5V Idle, 5V Last, 12V Last)
42*C / 72*C / 70*C
Coolermaster Cosmos 1000 (5V Idle, 5V Last, 12V Last)
45*C / 75*C / 79*C
GPU:
Corsair Crystal 460X (5V Idle, 5V Last, 12V Last)
33*C / 83*C / 86*C
Coolermaster Cosmos 1000 (5V Idle, 5V Last, 12V Last)
34*C / 86*C / 89*C
SSD:
Corsair Crystal 460X (5V Idle, 5V Last, 12V Last)
28*C / 37*C / 37*C
Coolermaster Cosmos 1000 (5V Idle, 5V Last, 12V Last)
29*C / 42*C / 43*C
Wie man anhand der Messungen erkennen kann, ist die Kühlleistung durchweg besser für alle Komponenten im neuen Corsair Crystal. Für mich ist das ein klarer Pluspunkt für den kleinen Midi-Tower. Das mag vor allem daran liegen, dass die komplette Front mit Lufteinlässen bestückt ist und somit ungehindert zu CPU- und GPU-Kühler gelangt.
Nicht so begeistert bin ich von der Lautstärke der mitgelieferten Lüfter bei 12 Volt. Sie sind dann nämlich deutlich wahrnehmbar und stören beim ruhigen Arbeiten an Dokumenten wie diesem Review. Sobald man aber im IDLE die Lüfter auf 5V herunterregelt, stellt sich eine angenehm leise Geräuschkulisse ein. Man hört dann die Lüfter nicht mehr, sofern der Tower unter dem Tisch steht. Apropos 5V: Die Beleuchtung des Frontlüfters hängt zusammen mit der Voltzahl, mit der er betrieben wird. Bei 5V ist damit die Beleuchtung deutlich schwächer als bei 12V.
Preis-Leistung und Fazit:
Zum Zeitpunkt des Tests kostet das Corsair Crystal 460X Red 122,41¤, womit Mindfactory der günstigste Anbieter ist. Man erhält damit ein Gehäuse mit guter Verarbeitungsqualität und kleineren Schönheitsfehler. Bevor ich aber ein Fazit zum Gehäuse schreibe, würde ich gerne noch auf die direkten Kontrahenten eingehen.
Das NZXT Source S340 Elite für knapp 100¤ bietet im Prinzip, die gleichen Eigenschaften wie das Crystal 460X und legt an der ein oder anderen Stelle noch eine Schippe drauf. Es bietet nämlich für VR-Enthusiasten einen HDMI-Port in der IO-Frontblende nebst Halterung für Kopfhörer oder VR-Brille. Außerdem kann man im Innenraum seine SSD zur Schau stellen, statt hinter dem Mainboard-Tray zu verstecken. Es bietet aber unfraglich ein etwas auffälligeres Design, da der Innenraum in einer Kontrastfarbe lackiert ist, was nicht jedem gefällt.
Das Corsair Crystal 460X RGB (ca. 160¤) ist der verwandte Zwilling zum Crystal 460X Red und bietet für einen Aufpreis von ca. 40¤ zwei Lüfter mehr, welche auch noch RGB-beleuchtet sind (insgesamt 3 RGB-Lüfter). Soweit mir bekannt, bietet das 460X RGB aber leider keine Lüftersteuerung, sondern nur eine Steuerung für die RGB-LEDs der Frontlüfter.
Wer etwas mehr Platz möchte, kann zum Beispiel zum Thermaltake Core X31 TG Edition für 105¤ greifen. Es bietet damit unter anderem Platz für 5,25"-Laufwerke oder Lüftersteuerungen. Außerdem kann man seine Grafikkarte über senkrechte PCI-Steckplätze in Szene setzen. Leider bietet es aber keine Netzteilabdeckung, um unschönen Kabelsalat zu verstecken.
Zu guter Letzt will ich noch meinen betagten Big-Tower von Coolermaster in den Raum werfen. Er ist zwar nicht mehr online erhältlich, war aber zum Kaufzeitpunkt in einem ähnlichen Preisbereich von 150¤. Konstruktionsbedingt habe ich damit mehr Möglichkeiten Festplatten und Laufwerke einzubauen, wie es mir beliebt. Auf der Negativseite stehen die schlechtere Kühlleistung und die fehlende Netzteilabdeckung.
Damit komme ich nun zu einem Fazit des Corsair Crystal 460X Red unterstützt mit einer Pro- und Contra-Liste (s.u.). Der normale PC-Bauer, der einfach nur die wichtigsten Teile verbaut und dabei auf ein schlichtes Äußeres mit schicken Glasseiten Wert legt, sollte unbedingt das Corsair Crystal 460X in die Auswahl mit aufnehmen. In dieser Auswahl wird sich dann aber auch höchstwahrscheinlich das NZXT Source S340 Elite befinden. Das Corsair wird aber dann als Sieger hervorgehen, wenn der Nutzer eher ein schlichteres Aussehen bevorzugt und keine Investition in die VR-Liga plant.
+ Sehr gute Verarbeitung
+ Kratzfeste Glasseiten
+ Staubfilter für Boden, Front und Deckel
+ Schlichtes Design
+ Gute Kühlleistung mit Basislüftern
+ Leise Lüfter bei 5V
+ Platz für hohe CPU-Kühler
- Wenig Platz für Kabelmanagement
- Keine integrierte Lüftersteuerung
- Hoher Preis für die gebotene Leistung
- Deutlich hörbare Lüfter bei 12V
- Kein schneller Zugang zum Front-Staubfilter
- Netzteilabdeckung nur aus Plastik und Einbau zumindest herausfordernd
Kommentar: Persönliches Fazit
Für mich persönlich wird das Corsair Crystal 460X nur als Zweitgehäuse herhalten. Ich kann damit nicht meine eigenen Wünsche an PC-Hardware realisieren und werde deshalb meine Hardware wieder in den alten Big-Tower verfrachten. Das soll aber niemanden davon abhalten das Corsair Crystal 460X zu kaufen. Speziell die Wahl des Gehäuses ist doch eine sehr persönliche Sache.