Produkttester
Der Test des MSI MPG Z890I Edge TI WIFI erfolgte im Rahmen des Testers Keepers Programms. Einen Einfluss auf das Ergebnis hatte dies allerdings nicht.
Kurzzusammenfassung:
Pro:
- Schickes und durchdachtes Boarddesign
- Lieferumfang
- Einzeln verpackte Kabel und co.
- Vorinstallierte I/O Blende
- Bedienknöpfe auf I/O Shield
- Umfangreiche Anschlüsse mit modernsten Übertragungsstandards auf dem I/O Shield
- Xpander
- Einfache Handhabung des Haupt-M.2 Kühlkörpers
- Deutlich und übersichtlich bedruckt
- M.2 Slot auf der Rückseite
- 4 M.2 Slots
- sehr viele Steckplätze auf dem Board
Kontra:
- Verpackungsdesign
- Keine einfache Entriegelung der Grafikkarte (designbedingt vermutlich derzeit nicht anders umsetzbar)
- Lediglich eine SSD ist einfach einzubauen bzw. zu wechseln
- Kühlleistung der SSDs könnte durch beidseitige Kühlkörper besser sein (allerdings würde das vermutlich auf Kosten der Anzahl der SSD Steckplätze gehen)
- begrenzte Kühlleistung der VRM Kühler, damit begrenzte OC Fähigkeit
- ggf. Kompatibilitätsprobleme mit größeren CPU Kühlern (Luft)
Verpackung (bedingt relevant)
Die Verpackung unterscheidet sich erstmal nicht nennenswert von anderen Boards oder Herstellern, und erfüllt grundsätzlich ihren Zweck, nämlich das Board und den sonstigen Lieferumfang sicher zu verstauen. Allerdings, und deshalb spreche ich diesen Punkt an, ist das Farbschema der Front auffällig unpassend. Anstatt so wie alle anderen Seiten die Front in einem simplen Weiß zu belassen oder wie bei der Rückseite grau zu bedrucken, weiß in Verbindung mit der silbernen Schrift ein sehr schönes Design ergeben hätte, wurde ein Farbverlauf von Himmelblau zu einem hellen Minzgrün gewählt, der sich spätestens mit dem orangenen Warnaufdruck beißt. Letztlich ist das natürlich ein nachrangiger Faktor, der aber dennoch sofort ins Auge sticht.
Lieferumfang
Der Verpackungsinhalt fällt üppig aus. Zum Lieferumfang gehören neben dem Board selbst, zwei SATA Kabel, eines davon mit zwei geraden Steckern, das andere mit einem geraden, und einem abgewinkelten Stecker, eine WIFI Antenne, ein 5-in-1 Xpander USB Kabel mit einem 5-in-1 Xpander, ein 1-zu-3 EZ Conn Kabel und ein EZ Front Panel Kabel. Erfreulicherweise wird das Board zudem mit drei M2 Schrauben geliefert. Nach eigener Erfahrung wird hier auch gerne mal gespart, insbesondere auch an den M2 Abstandshülsen, die hier auf Grund des Formfaktors aber natürlich nicht weiter relevant sind. Abgerundet wird das Zubehörpaket mit einem
Des Weiteren findet sich neben dem üblichen Informationsbogen zu den relevanten EU-Regularien ein Quick Installation Guide und ein Aufkleberbogen. Letzterer enthält neben MSI Logos und Lucky Abbildungen Markierungsstreifen für die Lüfter-, RGB- und SATA-Kabel.
Zu guter Letzt ist auch noch ein USB Stick beigelegt, der die notwendigen Dienstprogramme und Treiber beinhaltet.
Verarbeitung
Das Board macht insgesamt einen sehr hochwertig verarbeiteten Eindruck, was sich insbesondere in den Lötpunkten zeigt. Mir sind dennoch zwei Lötpunkte am ATX Power Anschluss aufgefallen, die sich optisch merklich von den anderen unterscheiden. Möglicherweise wurde hier nachgearbeitet.
Design
Hinsichtlich des Designs muss ich MSI ein Kompliment aussprechen. Natürlich verschwindet so ein kleines ITX Board ohnehin in den Tiefen eines kleinen Gehäuses, von daher könnte man das Aussehen vernachlässigen, dennoch ist das hier nicht passiert. Mit viel Liebe zum Detail wurde das Board farblich und formtechnisch, bezüglich der Kühlkörper, aufeinander abgestimmt. Die Kühlkörper wurden zudem detailliert mit Schriftzügen, Logos und sonstigen Designelementen bedruckt. Alles in allem ein sehr schönes Board, sofern man helle Farben beim PC Bau bevorzugt.
Anschlüsse
Hier überzeugt das Z890I auf ganzer Linie. Mit gleich sieben USB-A 3.2 Gen 2 und drei USB-C mit USB4 Standard Anschlüssen lässt sich eine ganze Reihe von externen Geräten anschließen. Ergänzt wird das Ganze durch einen HDMI und Ethernet 5G Anschluss. Hinzu kommen natürlich die standardmäßigen Audio Anschlüsse, sowie ein S/PDIF Out. Auch die WLAN Antenne findet hier ihre Anschlüsse.
Besonders positiv hervorzuheben sind die drei sich ebenfalls auf dem I/O Panel befindenden Knöpfe, mit denen das BIOS geflashed und CMOS zurückgesetzt werden kann. Wer schon einmal das Problem hatte, an die tief im System verbaute CMOS Batterie zu kommen, wird sich an diesem Knopf erfreuen. Das BIOS kann mit dem dafür vorgesehenen Knopf geflasht werden, ohne dass eine CPU überhaupt eingebaut wurde. Es reicht die bloße Stromversorgung.
Der dritte Knopf ist erstmal unbelegt, kann aber dann im EFI zum Ein-/Ausschalten der LED, für die Lüftersteuerung, zum Neustarten oder zum Starten im abgesicherten Modus programmiert werden. Selbige Programmierung ist auch am Gehäuse möglich, sofern neben dem Einschaltknopf ein weiterer vorhanden ist.
Alles in allem bleiben hier keine Wünsche offen.
Features
Auch hier weißt das Board einige nützliche Funktionen auf. Bei anderen Mainboards muss der mit Schrauben gesicherte Kühlkörper in der Regel ausgebaut, die M.2 SSD eingesetzt und festgeschraubt, und im Anschluss der Kühlkörper wieder eingesetzt und ebenso festgeschraubt werden. Dies entfällt hier. Mit einem einfach Schiebehebel lässt sich der Kühlkörper entfernen und ebenso schnell wieder einsetzen. Das beschleunigt den Einbau ungemein.
Möchte man hingegen alle M.2 Slots belegen, in Summe wären das vier Stück, muss doch zum Schraubendreher greifen. Denn die SSD werden nicht direkt auf dem Board montiert, sondern auf einem kleinen Aufsteckboard, welches dann wiederrum vom bereits erwähnten M.2 Kühlkörper verdeckt wird. Dieses kleine Board lässt sich mit zwei Schrauben lösen. Auf dessen Unterseide befindet sich ein weiterer M.2 Steckplatz. Auch die dort verbaute SSD verfügt über einen Kühlkörper. Dieser schwebt direkt über dem Mainboard, wodurch diese sekundär SSD wie in einem Sandwich zwischen diesem und dem Aufsteckboard verschwindet. Man sollte sich entsprechend gut überlegen, welche SSD man wo unterbringt, da ein Austausch unterschiedlich viel Arbeit verursacht.
Was mir auch besonders gut gefällt, sind die EZ Debug LEDs, die zwischen dem RAM Riegel- und dem Xpander-Steckplatz unverdächtig versteckt sind. Hiermit lässt sich, zumindest in der Theorie, einfach erkennen, wo ggf. ein Fehler zu suchen ist. Es sollte dann jedenfalls eine LED für den Bereich "Boot", "VGA", "DRAM", oder "CPU" leuchten. Ob sich dies in der Praxis bewährt, konnte ich nur ansatzweise austesten, nämlich mit dem Weglassen der RAM Riegel, allerdings kann zumindest die grundsätzliche Idee dahinter überzeugen.
Ebenso erfreulich ist die einfache Verbindung des Mainboards mit dem mitgelieferten Kabel mit der Fronblende des Gehäuses. Leider muss man sich bei diesem Anschluss häufig mit Einzelpin-Steckern auseinandersetzen und die jeweilige Belegung mühsam herausfinden. Dies entfällt hier vollständig.
Positiv fällt auch die Übersichtlichkeit des Boards aus. Jeder Steckplatz ist gut lesbar durch aufgedruckte Bezeichnungen gekennzeichnet, sodass selbst für einen unerfahrenen Nutzer beim Zusammenbau keine Ungereimtheiten entstehen sollten. Dies betrifft ebenso die I/O Blende, auf der sogar die jeweilige Geschwindigkeit der Schnittstelle angegeben ist.
Natürlich besteht bei einem ITX Board immer das Problem alle Anschlüsse unterzubringen. Dies wurde hier sehr elegant gelöst. Auf der Vorderseite befindet sich unter dem M.2 SSD Steckplatz nochmal ein kleines Board, wie weiter oben bereits erwähnt, auf dem sich vier weitere Steckverbindung, u.a. für Lüfter und AiO, befinden. Trotzdem ragt dieses gestapelte Konstrukt nicht über den Hauptkühlkörper der MOSFETs hinaus, sondern schließt sogar bündig mit diesem ab. Diese Höhe kann ggf. die Verwendung einiger CPU Kühler verhindern. Es ist also auf jeden Fall vorher zu überprüfen, ob die Cooling Pipes eines CPU Kühlers zu stark in Richtung der GPU ragen und damit mit dem M.2 SSD Kühler kollidieren.
Ein weiterer Steckplatz für eine M.2 befindet sich auf der Rückseite des Boards. Dies ist auf der einen Seite natürlich eine sehr elegante Lösung, der eventuelle Wechsel der dort verbauten SSD hat aber natürlich zur Folge, dass das gesamte Board vorher ausgebaut werden muss.
Im Hauptkühlkörper befindet sich noch eine kleine Öffnung mit rund 2,5 cm Durchmesser. Darunter versteckt sich ein kleiner Lüfter, dessen Lüfterkurve jedoch nur im Bios, und nicht in der MSI Software "MSI Center" anpassbar ist.
Zu guter Letzt ist der Xpander positiv hervorzuheben. Hierbei handelt es sich um eine Platine, die senkrecht neben den RAM Riegel eingesteckt werden kann. Auf diesem Xpander befinden sich zahlreiche weitere Steckverbindungen, u.a. zwei SATA Buchsen und ein weiterer Steckplatz für eine M.2 SSD. Eine Schraube ist erstaunlicherweise sogar bereits vorinstalliert.
Einzig negativ fällt die Grafikkarten Entriegelung aus. Gerade bei großen Grafikkarten besteht immer die Schwierigkeit mit einem Finger unter die GPU zu kommen und dort die Entriegelung zu betätigen. Natürlich befindet sich hier der Steckplatz für die Grafikkarte direkt am Rand des Boards, von daher erreicht man den Entriegelungshebel im ausgebauten Zustand deutlich leichter, als bei einem ATX Board. Allerdings sieht die Sache im eingebauten Zustand schon wieder deutlich anders aus. Hier wäre eine andere Lösung, z.B. mit einem Druckknopf an benachbarter Stelle schön gewesen. Fairerweise kann natürlich nicht unerwähnt bleiben, dass das Platzangebot sehr gut ausgenutzt wurde, und daher ggf. gar kein anderer Lösungsmechanismus nutzbar ist, ohne gleichzeitig auf andere Features verzichten zu müssen. Hierfür gibt es also allenfalls einen Abzug in der B-Note.
Montage
Zur Montage lässt sich nichts Außergewöhnliches sagen. Die jeweiligen Aufnahmepunkte hinterlassen allesamt einen sehr guten Eindruck.
Leistung
Auch hier ist das Thema M.2 SSD noch einmal anzusprechen. So angenehm der einfach abnehmbare Kühlkörper auch ist, wird die SSD hier im Gegensatz zum MPG B850I EDGE TI WIFI nur von einer Seite gekühlt. Dafür ist der Kühlkörper deutlich größer dimensioniert.
Im Leistungstest wurde entsprechend auch eine vergleichsweise erhöhte Temperatur festgestellt. Im Dauerbetrieb fällt dies sicherlich nicht auf, aber ggf. kann es zu Leistungsreduzierungen kommen, während dies mit einem beidseitigen Kühlkörper vermieden werden könnte.
Das EFI ist recht umfangreich und mehr oder weniger leicht verständlich. Es gehört natürlich immer einiges an Aufwand dazu, sich hier in die Details einzuarbeiten, aber MSI hat zumindest alles sehr übersichtlich gestaltet.
Das MSI Center weißt wenig Überraschendes auf. Die Funktionen sind mehr oder weniger deckungsgleich mit früheren Versionen bzw. von anderen Boards.
Der Leistungstest wurde mit dem AIDA64 Memory Latency Test durchgeführt. Im Ergebnis wurden gute 90.2 ns erreicht. Geht besser, aber natürlich auch schlechter. Auch bei Cinebench R24 CPU Single Core wurden gute, aber auch keine herausragenden Ergebnisse erzielt.
Overclocking ist möglich, da aber der Kühlkörper relativ zu klein ausfällt, sind die OC Möglichkeiten begrenzt.
Das Board ist auf bis zu 128 GB DDR5 RAM ausgelegt.
Fazit
Je nach Betrachtungswinkel ist das Board schlichtweg genial oder einfach nur dem Preis angemessen. In Summe kann das Z890I EDGE TI WIFI jedenfalls in Gänze überzeugen. Jedes einzelne Feature ergibt Sinn und weiß den Nutzen zu erhöhen. Besonders die Detaillösungen wie der einfach abnehmbare Kühlkörper, das bedruckte und vorinstallierte I/O Shield oder der Xpander bereiten Freude.
Im Zusammenspiel des Leistungsvermögens mit dem Design dürften beim Nutzer kaum Wünsche offen bleiben.
Allerdings ist dieses Urteil nur unter der Einschränkung zulässig, dass hier der Formfaktor Berücksichtigung findet. Das Board ist für ein ITX hervorragend ausgestattet und lässt zumindest hinsichtlich Anschlussmöglichkeiten keine Wünsche offen, jedoch ist die Leistung gleichzeitig eben gerade durch den Formfaktor beschränkt. Ein größerer Kühlkörper würde z.B. die OC Möglichkeiten verbessern oder ggf. den Einbau eines größeren und damit ggf. leiseren Lüfters für die VRMs ermöglichen. Ebenso ließe sich ein einfacherer Quick Release Button für die Grafikkarte bei einem größeren Board leichter etablieren. Da für Nutzer von ITX Boards diese Einschränkung aber in der Regel hinnehmbar sein sollten, führen die genannten negativen Aspekte nicht zu einer Abwertung des Gesamtergebnisses: 5 Sterne