Produkttester
Im Rahmen der Testers Keepers Aktion hatte ich die Möglichkeit, den CPU Kühler von be quiet! zu testen.
Verbaut wurde der Kühler in meinem AM5 System. Der Fokus liegt dabei nicht auf synthetischen Bestwerten oder theoretischen Datenblättern, sondern auf dem Verhalten im Alltag: Gaming! ;) mit einer leicht undervolteten Ryzen 7 9700x CPU.
Gerade bei Luftkühlern ist der Markt mittlerweile sehr ausgereift, weshalb es weniger um "tut oder tut nicht" geht, sondern eher um Feinheiten wie Lautstärkecharakter, Regelverhalten, Montagekomfort und sinnvolle Features.
Design
Optisch fällt der Kühler durch seine Abmessungen und die Blenden auf, die den Kühlkörper beinahe vollständig umschließen, wie auf den Bildern zu sehen ist. Neben den klassischen Design von CPU Kühlern (Single- oder Dual-Tower) gibt es immer wieder Kühler die durch Blenden eine eigene Designsprache sprechen. Der direkte Vorgänger hat lediglich oben eine Abschlussblende als Deckel.
Es gibt wenig Spielraum für Modifikationen oder Anpassungen, was sich später vor allem beim Thema Lüfter noch deutlicher zeigt.
Verarbeitung
Die Verarbeitung bewegt sich insgesamt auf einem hohen Niveau. Der Kühlkörper selbst ist sauber aufgebaut, Die Aluminiumfinnen sind gleichmäßig ausgerichtet und die Heatpipes ordentlich eingelassen. Es gibt keine sichtbaren Fertigungsmängel oder ungleichmäßigen Spaltmaße. Ein kleines süßes Detail: die Base, unten am Kühler, hat auch die Schlitze wie ein Passivkühler.
Die Lüfter sind be quiet! typisch sauber verarbeitet. Schön das be quiet! den Schriftzug jetzt komplett auf schwarz gesetzt hat um farblich besser ins Bild zu passen. Werden wir davon auch eine weiße Version sehen in Zukunft? Der Aufbau zeigt Kennern eigentlich direkt, dass es be quiet! sein muss. Der Deckel zeigt spätestens mit dezentem Schriftzug was im Rechner verbaut ist. Allerdings zeigt sich hier auch ein erster konzeptioneller Punkt: Die Lüfter sind stark ins Gesamtsystem integriert und daher nicht flexibel austauschbare Standardkomponenten. Der mittlere Lüfter besitzt im unteren Teil zwei Gummieinlässe damit dieser nach der Montage von den Schrauben des Kühlers entkoppelt ist.
Montage
Die Montage (in meinem Fall auf AM5) ist insgesamt gut gelöst und folgt dem heutzutage typischen Muster. Das hat man in der Vergangenheit schon anders erlebt bei be quiet!. Sorry fürs drauf rumhacken - ich möchte mit dieser Aussage diese Entwicklung positiv ins Bild rücken ;)
Die Backplate kann man bei AMD weiterbenutzen. Also nur die beiden Clips runter inkl. Schrauben, 4x Abstandshülsen drauf und schon können beide Bügel (nach innen zeigend) verschraubt werden. Beim Aufsetzen des Kühlers hat man wenig Spielraum für Verdrehung, da die beiden Bügel Absätze haben, die dabei helfen den Kühler schön mittig über der CPU zu platzieren. Die Schrauben lassen sich dank mitgeliefertem Werkzeug problemlos verschrauben. Schrauben sind nicht gefedert, aber gesichert und können so nicht aus dem Kühler fallen.
Ihr bekommt eine Anleitung mitgeliefert. Könnt aber auch genauso gut bei be quiet! auf der Website beim Dark Rock Pro 5 ein Installationsvideo anschauen. Beinahe 1zu1 - außer der verwendete Kühler ;)
Durch den vorderen höhenverstellbaren Lüfter, kann auch höherer RAM verbaut werden. Wobei das in meinen Augen etwas die Optik versauen würde. Bei 49 mm Freigabe der RAM-Höhe, sollten bereits viele Speicherriegel ohne Anpassung des Frontlüfters darunter Platz finden.
Leistung
Im Bereich der Kühlleistung zeigt der Kühler ein insgesamt stabiles, aber auch erwartbares Verhalten. Er kann sich nicht stark vom zuvor eingesetzten Dual Tower Kühler mit 2x 120mm absetzen. Unter Last sowohl in Gaming Szenarien als auch in CPU Stresstests arbeitet der Kühler zuverlässig und hält die CPU im soliden Temperaturbereich. Thermal Throttling war in meinem Testverlauf nicht feststellbar. Bei z.B. Gothic 1 Remake war der 9700x maximal in den mittleren 70er Grad unterwegs. Völlig problemlos und angenehm von der Lautstärke her.
Im Idle oder bei geringer CPU Last sind die Lüfter praktisch nicht wahrnehmbar. Selbst in einem offenen Aufbau dominiert eher das restliche System als der Kühler selbst. Das ist grundsätzlich sehr positiv zu bewerten.
Genau hier stellt sich allerdings die Frage nach dem Sinn eines Semi-passiv Modus. Nüchtern betrachtet ist der Mehrwert in der Praxis sehr gering. Die Lüfter laufen ohnehin so leise und mit so niedriger Drehzahl, dass ein kompletter Stillstand kaum einen echten Vorteil bringt, der den Aufpreis eines solchen Features rechtfertigt.
Ein weiterer Punkt ist die konstruktive Auslegung. Für wirklich sinnvollen Semi-passiv Betrieb müssten die Kühlfinnen weiter auseinander stehen, um natürliche Konvektion besser zu ermöglichen. Zusätzlich wirkt die geschlossene Bauweise des Kühlers mit teils integrierten Kunststoffelementen nicht optimal für einen passiven Luftstrom.
So bleibt der Eindruck, dass der Semi-passiv Modus eher ein Zusatzfeature auf Systemseite ist, aber nicht konsequent durch das Kühlerdesign selbst getragen wird. Eine geglättete Lüfterkurve mit leicht verzögertem Ansprechverhalten würde im Alltag vermutlich mehr Ruhe bringen als ein strikt auf Semi-passiv ausgelegtes Konzept.
Ich sehe hier eher den Vorteil, dass eine sehr hitzige Grafikkarte nicht mehr stark in den CPU Kühler "strahlen" kann durch die seitlichen Blenden.
Preis-/Leistung
Die Verarbeitungsqualität des Kühlers ist ohne Frage hoch und bewegt sich im soliden oberen Segment. Trotzdem muss man den Markt realistisch betrachten: Der Luftkühlermarkt ist extrem stark besetzt.
Es gibt zahlreiche Konkurrenzprodukte, die in ähnlichen Temperatur- und Lautstärkebereichen liegen, teilweise aber günstiger sind oder mehr Flexibilität bei der Lüfterwahl bieten. Genau hier verliert das Gesamtpaket etwas an Alleinstellung.
Klar, der Kühler nennt sich "Dark Rock" und richtet sich bewusst an Nutzer, die eine schlichte Optik bevorzugen. Dennoch hätte ich mir die Möglichkeit gewünscht, bei Bedarf auch andere Lüfter - beispielsweise RGB-Modelle - verbauen zu können. Hier sollte be quiet! evtl. Abhilfe schaffen ;)
Haltbarkeit & Vergleich
Die Materialqualität lässt auf eine lange Lebensdauer schließen. Der Kühlkörper selbst ist massiv und unkritisch, als klassische Verschleißteile bleiben letztlich nur die beiden Lüfter. Diese dürften zwar langfristig als Ersatzteile erhältlich sein, dennoch ist man hier stärker an das be quiet! Ökosystem gebunden als bei Kühlern mit Standard-Lüfterbefestigung.
Im Vergleich zu anderen Kühlern in dieser Klasse wirkt das Produkt eher als geschlossenes Gesamtsystem statt als modularer Baukasten. Das ist stabil, aber weniger flexibel und kann Kunden abschrecken. Natürlich erhält man mit dem Kühler sehr guten Lüftern!
Fazit
Der Dark Rock Pro 6 überzeugt mit hochwertiger Verarbeitung, sehr leisen Lüftern und einem gelungenen Design. Der Semi-passiv-Modus ist zwar ein interessantes Zusatzfeature, bietet im Alltag jedoch nur einen begrenzten Mehrwert, da die Lüfter bereits bei niedrigen Drehzahlen kaum hörbar sind. Gleichzeitig schränkt das integrierte Lüfterkonzept die Möglichkeiten für spätere Umbauten oder Lüfterwechsel ein. Angesichts der starken Konkurrenz im Luftkühlersegment werden daher vor allem Optik, Ausstattung und persönliche Vorlieben darüber entscheiden, ob der teils deutliche Aufpreis gerechtfertigt ist. Wer jedoch ein besonders hochwertig verarbeitetes Gesamtpaket mit sehr angenehmer Geräuschkulisse sucht, macht mit dem Dark Rock Pro 6 wenig falsch.