Produkttester
Test: MSI - Immerse GH50 - Gaming Headset
Wie der Name schon sagt, kann man mit dem Immerse GH50 von MSI in die Gaming Szene der Headsets "eintauchen". Dass dies nicht immer gut und sinnvoll sein muss, offenbart der folgende Test.
-Einleitung
Schon der Name des Headsets stiftet Verwirrung. Die Immerse-Serie von MSI beinhaltet bis dato das GH30, GH50, GH60 und GH70 (GH10 wäre noch eine InEar-Variante). Dabei sind GH30 und GH60 analoge Headsets mit Klinkenanschluss, während beim vorliegenden und beim GH70 auf digitale Schnittstellen, sprich USB, gesetzt wurde. Damit ist hier theoretisch schonmal die Basis für einen hohen Funktionsumfang gegeben. Optisch sind sich bei MSI allerdings jeweils GH30/GH50 und GH60/GH70 sehr ähnlich. Es bleibt also nur zu spekulieren, was es mit der Namensfindung auf sich hat.
-Lieferumfang
Die Kopfhörer kommen zusammen mit dem abnehmbaren Mikrofon, der Anleitung und einer Tragetasche. Für diesen Preis fällt dies also gering aus, wenn man bedenkt, dass beispielsweise bei meinen vorher genutzten Superlux HD681 EVO (reine Kopfhörer für ca. 30 € erhältlich) weitere Ohrpolster, ebenfalls eine Tasche, diverse Kabellängen und ein zum 3,5 mm-Anschluss zusätzlicher 6,3 mm-Adapter dabei war.
-Design und Verarbeitung
MSI spricht bei diesem Headset von einer "stabilen Metallkonstruktion". Sehen kann man dies zunächst nicht. Im Gegenteil sogar, es macht eher den Eindruck, als sei hier, wie so oft, ausschließlich mit Kunststoff gearbeitet worden. Erst beim Einstellen des Kopfbandes fällt einem das Innenleben auf. Und siehe da: ein wenig Metall. Der ansonsten viel vorkommende Kunststoff wirkt sich allerdings nicht unbedingt negativ auf die Optik aus. Das Headset macht in meinen Augen einen schlichten und hochwertigen Eindruck, welchen man mittels der LEDs und Mystic Light (siehe Software) noch weiter anpassen kann. Im Zusammenspiel mit dem metallischen Innenleben wird noch dazu tatsächlich eine stabile Konstruktion geschaffen, die selbst beim Zusammenfalten in keinster Weise den Eindruck macht, als könnte sie mal eben so zerbrechen.
Groß gehalten sind dabei die Ohrpolster. Dies ist allerdings keineswegs ein Kritikpunkt. Es ist positiv zu bewerten, da so in Durchmesser und Tiefe genügend Platz für die Ohren besteht. Das weiche Material kann zwar, wie ich schon feststellen konnte, schnell zu sehr warmen Ohren führen, schmiegt sich dabei aber sehr angenehm an. Eine Austauschmöglichkeit der Polster besteht offensichtlich nicht, was die Langlebigkeit des Produkts in Frage stellen lässt. Das Polster unter dem Kopfband wirkt zwar sehr schmal, ist aber durch die Einstellmöglichkeiten der Dreh- und Kippgelenke, sowie der Längenverstellung des Kopfbands schnell kaum noch zu spüren, sodass die 300 g des Headsets einem kaum noch auffallen.
Auffällig ist das anschließbare Mikrofon. Dieses ist ebenfalls in Kunststoff gehalten und macht noch dazu einen eher klobigen Eindruck. Gerade der Kopf fällt dabei sehr groß aus. Die streng geradlinige Form des Mikrofons sorgt außerdem dafür, dass dieses beim Nutzen im Augenwinkel erscheint. Letzteres ist allerdings schon nach kurzer Zeit kaum noch wahrzunehmen und die Form des Mikrofons sorgt mangels Ästhetik immerhin für Stabilität.
-Anschluss und Montage
Angeschlossen werden die Kopfhörer über einen vergoldeten USB-A-Stecker, welcher an einem knapp über 2 m langen Kabel hängt. Prinzipiell sollte dies also auch für Kabelmanagement ausreichen. Unterbrochen wird das Anschlusskabel durch einen InLine-Controller. Dieser ermöglicht das Zuschalten des 7.1 Surround Sounds, das Regeln der Lautstärke, das Stummschalten des Mikrofons, sowie das Zuschalten der Vibrationsfunktion, auf die ich später beim Sound noch eingehen werde. Diesem InLine-Controller folgen nur noch etwa 60 cm Kabel bis zum Eingang der Kopfhörer. Er fällt also entweder in den Schoß oder liegt auf dem Tisch, was einen schnellen Zugriff auf die besagten Funktionen zulässt. Leider reicht diese Länge nicht, um ihn dauerhaft fixieren zu können, da er für meine Verhältnisse sehr groß und störend schwer ausfällt.
Das Mikrofon wird links am Kopfhörer mittels eines 3,5 mm-Klinkensteckers angeschlossen. Beim ersten Mal fiel mir auf, dass dies sehr schwergängig vonstattenging. Schon beim zweiten Versuch gelang es aber sehr viel einfacher. Dabei sitzt es jeder Zeit fest und stabil am Kopfhörer. Ein versehentliches Entfernen halte ich also für unwahrscheinlich.
-Zugehörige Software
MSI bietet auf seiner Homepage die Möglichkeit des Downloads des Dragon Centers. Neben Supportfunktionen und einiger herunterladbaren Tools bietet diese Software eine Möglichkeit zum Verändern der Einstellung von "Gaming Gear", unter dem auch Headsets zu finden sind. Ist man bereits Besitzer eines MSI-Mainboards, so sollte diese Software ohnehin schon vorhanden sein, was dafür sorgt, dass sich keine zusätzliche Software in das eigene System drängt.
Neben der allgemeinen Lautstärke ist es möglich die Ausgabequalität mittels der Abtastrate (Sample-Rate) einzustellen. Möglich sind dort 44,1 | 96 kHz als Abtastrate und 16 | 24 Bits in der Tiefe. Bei der Audioaufnahme durch das Mikrofon ist die obere Grenze bei 48 kHz. Außerdem kann man sich verschiedenster Equalizer bedienen oder sich selbst ein Profil mittels 10 Frequenzbändern und einer Intensität von ±20 dB kreieren. Unter Xears Effects sind mehrere synthetische Effekte oder gar Filter zu finden. Diese hängen zumeist mit virtuellem Surround zusammen, können aber auch beispielsweise den Bass dynamisch anpassen. Beim Mikrofon gibt es diese auch. Hier gibt es allerdings nur 4 sogenannte Magic Voice Funktionen, welche die Stimme männlich, weiblich, cartoonartig oder wie ein Monster erscheinen lassen sollen. Dabei handelt es sich aber eher um sinnfreie Spielereien, die im Alltag eines jeden vermutlich kaum Anwendung finden werden.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Software ist die Mystic Light Funktion. Hier lassen sich die LEDs der Kopfhörer dank der USB-Verbindung in verschiedenen Farben ansteuern. Möglich sind dabei pulsierende Farbverläufe bis hin zu einer einheitlichen Farbe. Da keine adressierbaren Dioden verbaut sind, leuchten die beiden Seiten der Kopfhörer allerdings immer nur einheitlich. Zudem empfinde ich es als besonders ärgerlich, dass die Software keine synchrone Ansteuerung der LEDs zulässt. Selbst nach Drücken der Anwenden-Taste dauert es noch fast 2 Sekunden, bis die Änderung übernommen wird. Eine stufenlose Einstellung der Lieblingsfarbe ist somit unmöglich.
-Leistung
Nun der wichtigste Teil des Tests: der Sound und die Aufnahmequalität. Ersteres werde ich, soweit möglich, mit meinen schon genannten Superlux HD 681 EVO vergleichen.
Die Kopfhörer kommen mit einem 40 mm Neodym Treiber daher. Zusammen mit einem Frequenzgang von 20 bis 20.000 Hz, einer Impedanz von etwa 32 © und einer Empfindlichkeit von ungefähr 109 dB sind die Daten der Kopfhörer komplett. Zum Vergleich die Superlux-Kopfhörer für etwa 30 €: 50 mm (Neodym), 10-30.000 Hz, 32 © und 98 dB. Die Treibergröße allein ist kein aussagekräftiges Kriterium. Allerdings ist der Frequenzgang dies sehr wohl und dabei ist das Headset trotz des mehr als doppelt so hohen Preises schlechter ausgestattet. Selbstverständlich müsste man aber den Preis des Mikrofons abziehen.
Mein persönlicher Eindruck des Klangs im Auslieferungszustand ist, dass er sehr neutral, flach und damit "langweilig" erscheint. Sowohl Höhen als auch Tiefen werden nicht befriedigend wiedergegeben. Die voreingestellten Equalizer des Dragon Centers liefern dabei auch keine Abhilfe, wodurch man schlussendlich selber ranmuss, um sich seinen "perfekten" Ton zu konzipieren. Gerade Personen, die Equalizer vielleicht zum ersten Mal sehen, mögen dort so einige Schwierigkeiten haben und auch ich muss sagen, dass es mir schlussendlich nicht möglich war, den Ton rundum zufriedenstellend einzustellen. An dieser Stelle erwarte ich vom Hersteller, dass der Auslieferungszustand schon den objektiv rundum besten Ton liefert, was hier absolut nicht der Fall ist.
Die Xears Effekte und die 7.1-Funktion für Surround Sound sollen für mehr Räumlichkeit im Klang sorgen. Dem einher geht aber in allen Einstellungen eigentlich nur ein gewisser Hall. Man fühlt sich am Beispiel von Assassins Creed Odyssey also nicht, als stehe man mit singenden Bootsleuten auf einem Schiff in der Ägäis, sondern eher mit singenden Bootleuten in einer Höhle mit Wellen, um es mal bildlich darzustellen.
Die Vibrationsfunktion der Kopfhörer halte ich für eine wirklich gute Idee. Leider sieht die Ausführung anders aus. Schon beim Einschalten ist ein "Klick"-Geräusch zu hören auf das schließlich ein Grundrauschen folgt. Das Vibrieren soll den Bass unterstützen, was es auch tut. Allerdings sorgt das Vibrieren für einen sehr dumpfen Bass und ebenfalls für Kopfschmerzen nach einigen Minuten. Dabei ist zu erwähnen, dass dieser Bass sich bei Musik in die Techno-Richtung noch recht gut anhört, während er bei Rock versagt und leider auch an unpassenden Stellen zum Tragen kommt. Daher fehlt mir diesbezüglich eine Einstellmöglichkeit der Funktion.
Das Mikrofon habe ich an meinem PC und an einer PS4 Pro getestet. Auf der PS4 wird mir in Sprachchats berichtet, dass der Ton sehr leise sei und er sich nicht nach mir selbst anhören würde. Das zuvor genutzte beigelegte Headset von AKG zum Samsung Galaxy S10+ sei da deutlich besser gewesen. Dieser Eindruck lässt sich auch am PC bestätigen. Zwar ist es hier durchaus möglich die Lautstärke ausreichend anzupassen, doch verzerrt das Mikrofon die Stimme deutlich, weshalb es gelegentlich sein kann, dass man etwas "genervt" klingt.
-Fazit und Preis-/Leistungsverhältnis
Ich schwöre schon seit Jahren auf die Nutzung einfacher Stereo-Kopfhörer und eines Tischmikrofons, da man sehr oft liest und ich auch schon einmal die Erfahrung machen durfte, dass Headsets mit ähnlichem Anschaffungspreis tendenziell in beiden Kategorien schlechter abschneiden. Mit der Teilnahme an der Tester-Keepers-Aktion wollte ich den Headsets nochmal eine Chance geben und schauen, ob sich daran vielleicht etwas geändert hat. Allerdings konnte mir das vorliegende Headset wieder einmal vor Augen führen, dass sich eben nichts geändert hat. Mit einem Preis von etwa 75 € erhält man hier zwar einen netten Funktionsumfang und ein anständiges Design, aber die wesentlichen Dinge, wie Sound und Aufnahmequalität wurden etwas außer Acht gelassen. Da bekommt man schon zum halben Preis bessere Kopfhörer. Diese könnten zwar deutlich schlechter aussehen, doch sollte einen dies in den eigenen vier Wänden kaum interessieren. Brauchbare Mikrofone erhält man schließlich schon für etwa 50 €, wodurch man in einem ähnlichen Preisbereich landet, aber deutlich mehr Leistung bekommt. Angesichts dieser Testerfahrungen würde ich das Immerse GH50-Gaming Headset eher weniger weiterempfehlen.