Produkttester
Kurzbewertung vornweg für Wenigleser:
Das Aussehen des Gehäuses ist super edel. Zu einem vernünftigen Preis bekommt man einen absoluten Hingucker. Das gelungene Konzept weist einige kleine Kniffe auf, die alles in allem noch nicht hundertprozentig ineinandergreifen. Man kann sich damit einen High-End-Multimedia-Home-Server-PC zusammenbasteln.
Ausführlicher Bericht:
Das Nanoxia Project S kommt gut verpackt in einem eindeutig auf den Inhalt verweisenden Karton an. Dabei war eine extra Dämmschicht eingelegt, jedoch nicht, wie zu erwarten auf der Glasseite, sondern der Unterseite des Gehäuses, entweder ein Fehler, oder Nanoxia traut dem Glas sogar noch mehr zu, als dem Aluminium. Dies soll immerhin besonders belastbar und kratzfest sein.
Beim Auspacken wird einem klar, das Glas ist nicht nur schön, sondern auch schön schwer ist. Mit 11, 68 kg ist es schon leer etwa doppelt so schwer, wie mein derzeitiges System in einem Lian li V359 Gehäuse. Beim zweiten Blick wirkt es insgesamt kompakt mit gut aufeinander abgestimmten Kantenmaßen. Trotzdem ist es nicht nur schwer, sondern doch auch recht groß. Auf meinem Schreibtisch musste nach dem Tausch der Gehäuse der zweite Bildschirm vorerst weichen, damit die Proportionen und die Ergonomie vorm Arbeits- und Spielgerät einigermaßen passen. Allerdings ist es als HTPC-Gehäuse auch eher für ein Wohnzimmer, oder vornehmlich als PC-Spiele/Medienzimmer genutzten Raum gedacht. Dafür hat es mit 49x25x46cm (BxHxT) ein gutes Mittel zwischen Tisch-einnehmend und verloren wirkend. Nicht zuletzt kann es auch nach Herstellerangaben einen Bildschirm tragen. Der Sinn erschließt sich mir nur zum Teil, auch wenn die Stative aktueller Modelle immer filigraner werden, verstellen sie doch trotzdem den Blick in den Innenraum und machen Glas als Deckel nahezu unnütz. Das Gehäuse kann auch aufrecht gestellt werden, dann unterscheidet es sich weniger zu den hiesigen Midi-Towern mit Sichtfenster. So oder so ist es ein imposanter Eindruck, nicht zuletzt, wenn die vorinstallierte LED-Beleuchtung (bei der man zwischen weiß und je 2 grün, rot, blau-Tönen wechseln kann) in der gleichen Farbe leuchtet, wie die eigenen Komponenten, Grafikkarte, Lüfter und Wasserkühlung. Die Farben können per Knopfdruck an der Front, zwischen Power- und Resetknopf, gewechselt werden.
Insgesamt wirkt alles sehr wertig, die Kanten sind entgratet und alles ist gut verarbeitet. Nichts wackelt, alles flutscht. Das Zubehör ist in einem Karton im Gehäuse verpackt und sehr reichlich. Neben einer Ersatzslotblende, den Gewindehaltern für die verschiedenen Mainboardtypen, diverser zahlreicher Schrauben und Gummis, sind einige schwarze Kabelbinder, Gehäusefüße und ein y-Verteilerkabel für 6 Pin Anschlüsse.
Der Einbau des micro ATX Systems aus meinem Mini Würfel sollte sich auch deshalb sehr interessant gestalten, da ein voll modulares be Quiet Netzteil in meinen Besitz überging, mit dem ich ein neues aufgeräumtes System bauen wollte. Jetzt kommt es auch auf den Clou des Gehäuses an. Dieses ist nämlich zugänglich über die abnehmbare Glasscheibe mit 4 Rändelschrauben gesichert, oder eben über die integrierte Schublade, die das System eigentlich aufnimmt. Diese ist zwar auch mit vier Rändelschrauben gesichert, birgt aber mehr Freiheiten im rundum basteln. Das beworbene Schrauben am System, während des Betriebes halte ich jedoch für Quatsch. Die Kabel müssten sich in der Länge frei bewegen können, und sich beim zurückschieben nicht zwischen Gehäuse und Schublade klemmen. Wenn man jedoch nur zwei Ränndelschrauben nutzt und nicht viele Kabel zu lösen hat, ist nur ein generell offenes System schneller zugänglich, als diese Schubladenvariante. Jedoch ist diese im stehenden Zustand wiederum unbrauchbar. Die Schublade wird wie in anderen Schranksystemen auch auf Schienen bewegt, in denen Rollen laufen. Die Schublade lässt sich komplett entfernen und läuft dann auf zusätzlichen Rollen unter der Lade, hier ist auch der Raum zum verkabeln der Komponenten vorhanden. Die vorderen Rollen besitzen Bremsen, die jedoch ebenso unnütz sind, da man gar nicht wirklich herankommt.
Beim Einbau muss man auch zwangsläufig die Schublade mehrfach aufrecht stellen und wieder umkippen, damit man alles erreicht und auch sieht, wenn einem der Aufbau noch fremd ist. Dafür wäre ein durchdachterer Aufbau auch für die aufrechte Variante hilfreich gewesen. Die Verkabelungswege sind vielfältig und man meint bei einem kleinen System weniger Kabelsalat zu haben. Doch trotz modularem System sieht es hinterm Board nicht wirklich gut aus. Die "Hauptverkehrswege sind überlaufen. Der Platz fürs Netzteil von oben ist grundsätzlich gut gewählt, aber um so wenig Kabel wie möglich im Sichtfeld zu haben, lässt sich allein das ATX-Kabel kaum sinnvoll legen. Meine alte 3,5" HDD, kommt natürlich in den dafür vorgesehenen Käfig. Der Käfig ist ausschließlich für 2x3,5" Platten gedacht und verdeckt die Hälfte der Anschlüsse vom Netzteil. Zum Glück brauche ich derzeit die zusätzlichen Anschlüsse nicht, denn wenn ich den Käfig entferne, was möglich ist, bliebe kein anderer Platz für eine 3,5" HDD. Dafür prangen drei SSD Einschübe mitten im Gehäuse und nehmen ein Drittel davon ein. Diese sollen präsentiert werden, machen aber bei meinem Aufbau, trotzdem es immerhin die optisch schönen Samsungs sind, weniger her, als mein neues Netzteil. Dafür passen aber auch ultralange Grafikkarten hinein. Meine Gigabyte GTX 970 xtreme wirkt fast verloren in dem Aufbau. Die maximale Höhe für Prozessorkühler soll bei 170mm liegen, ich habe meinen alten Alpenfön Himalaya 140mm nicht ausprobiert, im Lian li hat er noch mit ach und Krach gepasst, das Nanoxia hat aber einen Zentimeter mehr bis zur Glasplatte. Sollte also hier auch passsen, aber im Moment interessiert sich ja die Allgemeinheit mehr für Wasserkühlung. Was vor allem bei diesem durchsichtigen HTPC Gehäuse, aber auch generell für die Zukunft sinnvoller ist. Als Anfänger in Sachen WaKü habe ich ein Komplettset mit 240er Radiator von Rajintek verbaut, welches theoretisch an 3 Stellen angeschlossen werden kann. An der linken Seite nur, wenn ich auf die große Platte mitsamt des Käfigs verzichten würde. Ist also vorerst nicht angedacht, würde aber am meisten Sinn ergeben. Da ja das Netzteil auch dort Luft ansaugt und nach hinten wegschiebt. An der rechten Seite ist eigentlich nur Abluft sinnvoll, also auch kein Radiatorplatz. Das wäre nur eine Variante, wenn es eben kein Gaming PC werden soll, bei dem es auf optimale Temperaturen unter Last und fürs übertakten ankommt. In der Front habe ich ihn nun also im pull verbaut, aber die Schläuche sind minimal geknickt und so kurz, dass sie direkt über die Grafikkarte laufen, die andere Richtung geht gar nicht anzuschließen. Noch habe ich mich nicht mit den Schläuchen beschäftigt, kürzen wäre ja einfach, aber so wie es jetzt verbaut ist, ist es einfach ab Werk schon zu kurz. Davon abgesehen sind die angebotenen Lösungen gut, die magnetischen Staubfilter sind nicht ohne Grund im Kommen und auch hier zu finden. Leichtes Entfernen und Reinigen, was will man mehr. Allerdings hatte ich auch mit dem Raddiator an der rechten Seite im Pull und ohne weitere Lüfter, als dem vorinstallierten auf der Rückseite, keine Temperaturprobleme.
Man stellt sich also die Frage, was will ich und wofür ist dieses Gehäuse da. Beides fällt hier recht eindeutig aus. Ich brauche gerade keinen Wohnzimmer PC, quasi eine neue Art von HiFi-Anlage mit beleuchtetem Styroskop. Genau dafür ist jedoch das Gehäuse gedacht. Design und Funktion laufen hier nicht zuwider, solang das Ziel eine bessere "Anlage" ist, ein Hingucker, ein Raspberry Pi (im Sinne der alles verbindenden und leistenden Universalmaschine) im Midi/Big Tower-Format. Wasserkühlungsmöglichkeiten und die Fähigkeit das eine oder andere Spiel, oder Film in Full HD auszugeben, passt zu diesem Gehäuse viel besser. Dafür ist der Preis absolut angemessen. Auch Gelegenheitsspieler, die den Platz haben und sich ein tolles System bauen wollen, können sich hier richtig austoben und etwas Besonderes erschaffen, was nicht jeder im Bekanntenkreis Zuhause hat.
Mein Resümee: vorerst wird es stehen bleiben. Man erhält ein solides und wirklich schickes Case. Aber ich habe schon jetzt eine neue Idee, die die Vorteile beider Gehäuse, die gerade bei mir stehen, vereinen soll. Es soll ein Gehäuse mit einer guten Größe, die nicht nur auf Minimalismus aus ist, aber auch kein Big Tower sein. Ebenso soll es viel Einblick gewähren, aber auch ein Lüftungskonzept und Stauraum bieten, welche praktisch sind und das wesentliche herausstellen. Dafür muss man jedoch wiederum nochmal tiefer in die Tasche greifen und ich wäre wohl ohne den Test nicht so schnell nochmal auf die Suche nach etwas Neuem gegangen.