Produkttester
MEHR POWER oder der Golf IV vom Opa?
Grafikkarten sind in den letzten Jahren ganz schön teuer geworden. Danke Bitcoin, danke asiatische GPU-Farmen.
Langsam entspannt sich der Markt ein wenig | zwar noch nicht so wie erhofft, aber es wird (hoffentlich...).
NVIDIA hat natürlich für das preisbewusstere Einsteigersegment wieder was im Angebot | die 2060er.
Gigabyte bietet hier mit der Geforce RTX 2060 Windforce OC 6G eine »getunte« Variante an | auch aus ´nem Kleinwagen kann man ja bekanntlich mit professionellem Tuning noch einiges rausholen.
Oder man lässt Onkel Jürgen ran | der nimmt die Bohrmaschine und bohrt ein Loch in den Auspuff. Ist billiger, hat aber auch das nötige Klangvolumen an der nächsten Ampel.
Nun hab ich mich mal rangemacht, ob hier am Motor professionelle Schrauber dran waren oder *hust* Onkel Jürgen gewerkelt hat.
Kurz zu mir, meinen Test-Anforderungen und der Gewichtung:
Hauptberuflich Grafikerin, mit ´n paar mal Schulterklopfen deluxe bei bundesweiten Wettbewerben, kann ich auf ... Jahre Erfahrung zurückblicken (... weil, Frauen reden ja bekanntlich nicht über Jahre, sondern über Erfahrungen; aber keine Sorge: Bin noch keine alte Schachtel).
In meiner Freizeit brauche ich aber auch mal Abwechslung: Ob bei netten Low-Grafik- Exkursen in den Tiefen von PoE (»Another nice vein!«) oder auch mal »selbst« als Tomb Raider durch die Gegend hechten. Und im Alltag muss der PC auch mal Adobe aushalten | auch mal unter Dauer-Volllast für ein paar Stunden.
Beim Test ging ich so vor, wie ein unbedarfter Kunde das Produkt wahrnehmen würde. Hierbei legte ich etwas stärkeren Wert auch auf die User Experience und die Usability der Grafikkarte: Also von der Verpackung, über die Installation bis letztlich zum Alltags- test.
5 Punkte | Maximalwertung
Design | Verpackung und Produkt, 10 % Anleitung, Installation und Software, 15 % Lautstärke, 5 %
Performance, 25 %
Preis-/Leistungsverhältnis, 50 %
Als Vergleich hatte ich im PC eine 970er, in einem anderen PC eine 1060er.
Der Test
Design | Verpackung und Produkt:
Als erstes fällt natürlich das »Transformers«-Auge als prägendes Design-Element auf. Es scheint angelehnt zu sein an das NVIDIA-Logo und zieht sich als Design-Linie durch verschiedenste Produktlinien von Gigabyte.
Die Produktkategorie prangt sehr prominent in der rechten unteren Ecke.
Leider kann ich diese Produktverpackung aber aus Kunden-, aber auch professioneller Sicht nicht als gut bewerten.
Ein Kunde sieht als erstes eine Verpackung, nicht das Produkt. Eine gute Verpackung soll (versteckte) Emotionen wecken, die mindestens das eigentliche Produkt positiver erscheinen lassen oder im besten Fall jemanden zum Fan machen. Egal wie rational man sonst ist, man ist niemals hiergegen immun. Sonst würde man ja nicht manch eine Collectors Edition in der Luft zerreißen und sich als Fan veräppelt fühlen. Man mag ja als Gamer gar nicht an Fallout 76 denken...
Ein großer Design-Fehler ist die Wahl der beiden Hauptfarben der Packung: Orange und giftgrün.
Das giftgrün mag der Hausfarbe von NVIDIA geschuldet sein, erklärt aber noch lange nicht das Orange. Denn laut Farblehre müssten wir ein »blau« (Farbwerte setze ich jetzt nicht) komplementär dazu setzen; als Triade könnte man dies abgewandelt zwar nehmen, fehlt aber die dritte Farbe: blau-lila oder ähnlich.
Aus Laiensicht oder in einfachen Worten: Irgendwas stimmt nicht so ganz | ich weiß aber nicht was genau.
Auch andere Designelemente sind nicht an den richtigen Stellen bzw. überdimen- sioniert, wie bspw. die Produktbezeichnung in der rechten Ecke.
Daher muss ich 1 Punkt abziehen, da aus fachlicher wie auch User-Experience-Sicht das Verpackungsdesign mir nicht sehr gelungen erscheint.
Zum nächsten Schritt: Dem Auspacken und Packungsinnenleben
Vorab noch etwas: Oben habe ich das »Tranformers«-Auge angemerkt | bei mir erweckte es den Eindruck, dass auch die Grafikkarte selbst einige Metall-Designele- mente aufweisen kann. Oder zumindest um den Lüfter, wie beim Auge, graue Produkt- elemente eingesetzt werden.
Das Innenleben fand ich persönlich etwas dröge | und teils auch nicht sehr praktikabel.
Ein grafisches Produktblatt oberhalb der Karte wäre hier einladender gewesen. Unprak- tisch war es zudem, dass die Anleitung und die DVD unterhalb des Schaumstoffs lagen. Man musste also ein wenig »suchen«. Aus User-Sicht wäre zudem ein USB-Stick zwar praktikabler, aus Sicherheitsgründen aber abzulehnen | von daher stehe ich diesem Punkt neutral gegenüber.
Hier wäre es besser gewesen, diese Teile mit ein paar Klebepunkten an der Verpa- ckungsoberseite zu befestigen. Auch die Anleitung weist Ungenauigkeiten bei den Schaubildern zur Installation auf | wohl dem Umstand geschuldet, dass dieselbe Anlei- tung ohne Unterschied bei allen Grafikkarten zum Einsatz kommt.
Daher muss auch aufgrund dieser Umstände Punkte abziehen, sodass ich beim Test- Punkt Design auf 2,8/5 Punkten komme.
Anleitung, Installation und Software
Beim Einbau ist mir aufgefallen, dass der Stromanschluss etwas weiter innen liegt als bei meiner alten Grafikkarte. Dadurch verlängert sich ein wenig der Kabelweg in einem ungünstigeren Gehäuse kann hierdurch der Ventilationsweg leicht negativ beeinflusst werden. Dies ist aber meiner Meinung nach noch im marginalen Bereich, sodass ich hier nur 0,3 Punkte abziehe.
Aber wie leider so oft, gilt auch hier: Verlasse dich nicht allein auf eine Anleitung, denn sonst bist du verloren.
Leider steht nicht in der Anleitung, dass man den eigentlichen Grafik-Treiber selbst bei NVIDIA herunterladen muss. Auch nicht bei der Installation wird man auf diesen Umstand hingewiesen. Also daher mein Tipp: Ladet euch vorher den Treiber runter, sonst müsst ihr im schlimmsten Fall euch mit 640x480 rumplagen. Und die Webseiten sind nicht dafür ausgelegt...
Die »AORUS Engine«-Software, mit der man die Grafikkarte nach Gusto einstellen können soll, ist leider nicht bugfrei: Beim Test ist der AutoScan fürs Overclocking zwei Mal abgeschmiert, einmal ohne, einmal mit Anzeige. Beim Wechseln zu einem anderen
Programm kann es auch sein, dass der Testscan unterbrochen wird. Und dann wieder von vorne. Eher suboptimal.
Summa summarum: 3,2/5 Punkte Lautstärke
Hier musste ich leider subjektiv vorgehen und mit meiner Geforce 970 als Vorgänger- karte vergleichen:
Im Ruhelauf leicht lauter, der Lüfter hört sich etwas »scheppernder« an, aber wirklich nur minimalst. Den meisten würde es vielleicht gar nicht auffallen.
Unter Last läuft die Karte erstaunlich ruhig und es ist kein merklicher Unterschied zu vernehmen.
4,5/5 Punkte Performance
Hier kommen nun die blanken Zahlen:
Getestet habe ich mit 3DMark, jeweils mit dem Fire Strike Benchmarktest. Hier habe ich die Grafikkarte einmal ohne OC sowie mit AutoScan-OC getestet und auf einem ande- ren PC den Benchmark mit einer Geforce 1060 durchgeführt.
Mich hat hier eine Sache wirklich überrascht:
Der AutoScan-OC hob zwar die Punktzahl im Grafiktest an, aber lediglich um 92 auf eine Gesamtpunktzahl von 19792 an.
Hier die Vergleichswerte zusammengefasst:
Geforce 1060 | 13131 Punkte
Gigabyte 2060 Windforce OC 6 G (ohne Overclocking) | 19700 Punkte Gigabyte 2060 Windforce OC 6 G (mit Overclocking) | 19792 Punkte
Im Alltagstest bei der Arbeit mit Adobe CC konnte ich starke Performanceverbesserung gegenüber der alten 970er feststellen. Rendering ging nun um etliche Prozente schnel- ler, war aber von Fall zu Fall unterschiedlich und dateiabhängig, sodass ich hier nur subjektive Eindrücke schildern kann.
Einen Multi-Monitor-Test konnte ich bisher nicht durchführen, da mein anderer Monitor mittlerweile keine anderen PCs mehr mag. Bereits an drei verschiedenen Computern kamen Darstellungsfehler auf, aber kaum an seinem »Stamm«-PC angeschlossen, war alles in Ordnung. Daher: Dieser Teil-Test kommt nach | oder fehlt wegen einem wider- spenstigen Monitor. Ja, er hat auch Gefühle | scheinbar.
Für Gamer wichtig:
Spiele
Als Referenz-Game wird derzeit von vielen BF5 herangezogen | kann ich leider nicht mit dienen. Daher habe ich zum Vergleich Witcher 3 herangezogen. Vorher musste ich mit meiner alten 970er die Grafikeinstellungen zwischen Mittel und Hoch einstellen, damit die Performance nicht nachließ.
Mit der 2060 von Gigabyte klappte nun die flüssige Darstellung auf höchster Stufe ohne spürbare FPS-Einbrüche.
Mein Fazit:
Gerade ältere oder mittelalte Systeme sollten stark vom Performance-Zuwachs profi- tieren können.
Jedoch muss ich bei der Handhabung des OC Abzüge berücksichtigen | hier solltet ihr euch gut auskennen, bevor ihr selbst die Werte einstellt. Denn allein »nach Gefühl« werdet ihr nicht die Lüftungsqualität eures Systems bewerten können.
Programme wie Argus Monitor könnten euch helfen, die Lage im PC einzuschätzen. Wie immer gilt beim Overclocking: auf eigenes Risiko. Hier hätte eine besser justierte Software sicherlich gut geholfen. Aber an den Testwerten oben könnt ihr ablesen, dass die Automatik nur kleine Steigerungen leisten kann.
Daher vergebe ich 4/5 Punkten bei der Performance für Grafikkarten der Einstiegs- klasse.
Preis-/Leistungsverhältnis
Für GPUs in der Low(er)-Budget-Klasse ist der Preis ein sehr gewichtiges Kriterium. Bei Mindfactory ist die Karte im Schnitt 30-60 ¤ günstiger (Stand: 12.7.19; abhängig vom Wochentag und Uhrzeit, sowie weiteren Faktoren) ggü. anderen vergleichbaren Karten wie MSI. Lediglich die Palit war bis zu 10 ¤ günstiger.
Für die Gigabyte spricht aber auch, dass die Kunden hier wohl im allgemeinen Gigabyte mehr vertrauen: Die Verkaufszahlen zwischen Gigabyte und MSI sind recht ausgegli- chen (zumindest bei MF); Palit, KFA2, Gainward sind weit abgeschlagen.
Die Testkarte ist derzeit in einem recht niedrigen Preissegment angesiedelt, sodass man meiner Meinung nach ruhig zugreifen kann beim heutigen Preis von 347,72 ¤ (MF ist hier mal wieder unschlagbar preiswert).
Zur Anmerkung aber: Am 2.6.2019 gab es im bundesweiten Preisentwicklungsvergleich einen starken Ausreißer nach unten | 316,94 ¤.
Im Vergleich mit einer Geforce 1070 würdet ihr hier auch sparen.
Daher kann ich derzeit die Geforce RTX 2060 Windforce OC 6G aus Preis-/Leistungs- perspektive betrachtet guten Gewissens empfehlen.
4,5/5 Punkten
Fazit: Mehr Power?
Frei nach Tim Taylor: Ja, die Grafikkarte hat MEHR POWER | aber wie auch Tim in seinem Hot-Rod-Rennen eine Fliege in den Mund flog, war dies auch bei der Gigabyte- Karte:
Das Produktdesign und die Software. Hier besteht noch Verbesserungsbedarf.
Ansonsten ein uneingeschränktes Grunzen. Endwertung:
Design 2,8/5 Installation 3,2/5
Lautstärke 4,5/5 Performance 4/5 Preis-/Leistung 4,5/5
Gesamtwertung: 4,24/5
* Für den Test wurde mir die Grafikkarte von Mindfactory bereitgestellt. Die Bewertung erfolgte komplett frei und ohne Beeinflussung.