Produkttester
Im Rahmen der Teters-Keepers-Aktion von Mindfactory zusammen mit NZXT durfte ich die NZXT Kraken Elite V2 280 RGB black All-in-One-Wasserkühlung testen.
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Lieferung und Verpackung
Lieferung erfolgte sehr schnell. Die Aio war dabei in einen zusätzlichen Umkarton samt einiger Luftpolster verpackt.
Die Verpackung der Wasserkühlung selbst ist mit einer zusätzlichen Folie eingeschweißt. Sie ist also gut für Feuchtigkeit und anderen Umwelteinflüssen geschützt.
Nach dem Abziehen der Folie und dem Aufklappen der Schachtel liegt ganz oben auf eine gedruckte Kurzanleitung. Diese besteht aus einem beidseitig bedrucktem großformatigen Blatt Papier und entspricht ca. dem, was man auch in der PDF-Version auf der Produktseite bei NZXT online findet. Dadurch, dass alles auf zwei Seiten erklärt wird, braucht man allerdings erstmal etwas, um sich darauf zurechtzufinden.
Die Kühleinheit aus Pumpe, Schläuchen und Radiator ist in geformten Zellstoff eingebettet und durch zusätzliche Kunststoffsäcke geschützt.. Die Lüfter sind separat verpackt, ebenso wie das zentrale Anschlusskabel.
Das Befestigungsmaterial kommt in drei Tüten, die mit Intel, AMD und Sonstigem markiert sind. Somit ist schnell klar, welche Tüte man für sein Mainboard braucht. In diesen befinden sich wiederum kleinere Beutel, die die unterschiedlichen Schrauben voneinander getrennt halten. Bei mir war leider eine davon aufgerissen, wodurch sich 12 Schrauben und Beilegschaieben im Materialbeutel verteilt haben. Durch die mehrlagige Verpackung blieb aber zum Glück alles drin und hat sich nicht in die Schachtel an sich ergossen.
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Mechanischer Aufbau und Verarbeitung
Der Pumpenkopf ist ziemlich massiv und hat eine Höhe von 6,2cm. Die Größe ist aber auch durch den 2,7Zoll-LCD-Bildschirm bedingt, wodurch die Pumpe auch einen entsprechenden Durchmesser aufweisen muss.
Die Coldplate ist aus poliertem massiven Kupfer und unvernickelt. Eine gewisse Rauheit im Vergleich zu einer Nickelbeschicktung ist dadurch gegeben, aber dennoch relativ glatt und gute Wärmeleitpaste sollte das problemlos ausgleichen können.
Montiert sind die Schläuche mit beweglichen 90Grad-Fittings an der Pumpe und lassen sich gut seitlich drehen.
Im schwarzen Sleeve sind neben den Schläuchen auch die Verbindungskabel unsichtbar untergebracht, an der Pumpe selbst muss daher kein Kabel angeschlossen werden.
Die nutzbare Schlauchlänge beträgt ca. 38cm.
Die Verbindung der Schläuche zum Radiator ist dicker ausgeführt und gekapselt, da sich zwischen den Schläuchen der proprietäre Anschluss des zentralen Kabelstrangs befindet. Dieser Bereich ist genauso hoch wie die mitgelieferten Lüfter.
Hierdurch muss man bei der Deckelmontage oder der Montage in der Front mit Anschlüssen unten evtl. zusätzlichen Platz einplanen, da die Schläuche nun auch erst später gebogen werden können. Für die Deckelmontage sind zwar entsprechende Aussparungen vorhanden, so dass der Radiator an den IO-Ports des Motherboards vorbeipasst, aber bei den immer größer werdenden Kühlkörpern in dem Bereich könnte es zu Problemen kommen.
Der Radiator selbst ist durchgehend schwarz lackiert und besteht aus Aluminium. Hoffentlich hat NZXT dabei ordentliches Kühlmittel verwendet. Die Kombination aus Kupfer-Kühler und Aluminium-Radiator hat ja schon einige Aio-Serien vorzeitig an ihr Lebensende gebracht.
Generell macht alles einen wertigen Eindruck und wirkt solide verarbeitet ohne abplatzenden Lack oder ähnliches.
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Lüfter & RGB
Die Lüfter kommen in der aktuellen Version nicht mehr als 2x140mm, sondern in der V2 als ein einziger Block. Zur Verbindung der Lüfter wird ein proprietärer NZXT-Anschluss verwendet.
Das macht die Montage zwar einfacher, aber da man die Lüfter ohnehin schon vor dem Einbau in das Gehäuse montiert, sehe ich dieses Vorgehen eher kritisch.
Sieht schön aus und man spart einiges an Kabelsalat. Aber man sitzt dann eben auch im NZXT-Ökosystem fest und kann einen ausgefallenen Lüfter nicht mal eben tauschen.
Positiv dabei ist aber, dass das Modul mit den zwei Lüftern als Ersatzteil nicht wesentlich teurer ist als zwei einzelne 140mm-Lüfter von NZXT.
Die Lüfter an sich haben dabei eine per ARGB beleuchtete Nabe. Der Rahmen wird nur passiv mitbeleuchtet und lässt an dünnen Kunststofffenster Licht hindurch. Meiner Meinung etwas verschenktes Potential. Man hätte mit dem Platz im Gehäuse zwischen den Lüftern durchaus schöne Effekte realisieren können.
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Installation
Das wichtigste zuerst: Ich rate davon ab, den Radiator im Deckel mit den Schläuchen hinten zu montieren. Kann funktionieren, muss aber nicht.
Da ich die Aio auf Am4 montiere, muss zunächst am Pumpenkopf das Intel-Montagekit entfernt werden. Das geht werkzeuglos und es müssen nur zwei Halterungen seitlich herausgezogen werden. Anschließend werden die Halterungen für AMD einfach stattdessen hineingesteckt. Hierbei wird auch gleich festgelegt, wie die Schläuche orientiert sein sollen, da AM4/AM5 ein rechteckiges Layout für die Bohrungen zur Kühlermontage haben im Gegensatz zum Quadrat von Intel. Im Handbuch ist bei Intel dabei Sockel 1851 noch nicht erwähnt, ist laut Website aber dennoch kompatibel.
Für die Montage bei Intel liegt dabei eine Backplate bei, bei AMD wird die Standard-Backplate verwendet. Blöd ist nur, wenn der vorherige Kühler eine andere verwendet hat oder die Backplate aus anderen Gründen nicht mehr vorhanden ist. Dann muss eine zusätzlich besorgt werden. Nicht teuer, aber könnte für einen kurzen Frustmoment sorgen.
Um den Radiator einzubauen, verschraubt man zuerst mit 4 langen Schrauben das Lüftermodul auf dem Radiator und verschraubt den Radiator anschließend mit 8 kleineren Schrauben und Unterlegscheiben am Gehäuse (in meinem Fall am Deckel). Leider wird im Handbuch die Montage eines 360mm-Radiators gezeigt, darum stimmt die dort abgebildete Anzahl an Schrauben (12) nicht mit diesem Modell (8) überein. Für erfahrene PC-Bauer kein Problem, bei Anfänger könnte das aber für Verwirrung sorgen.
Dabei sollte man darauf achten, dass das Lüfterkabel bereits jetzt in die Richtung zeigt, die später hinten sein wird, damit es nicht gut sichtbar nach vorne Richtung Sichtglas baumelt.
Anschließend habe ich das ganze verkabelt, bevor ich die Pumpe montiert habe. Der Anschluss an die Aio ist dabei denkbar einfach: Es gibt einen propiretären 18-Pin-Anschluss am Radiator und ein einziges zentrales Kabel dazu, dass sich am anderen Ende in entsprechende Konnektoren aufspaltet. Genauer braucht man: USB2.0-Header, 3/4-Pin-Lüfterheader, Sata-Stromanschluss. Der vierte Konnektor verbindet die Lüfter mit dem Radiator.
Einen Nachteil dieses Systems sehe ich dabei, wenn der Radiator am Deckel mit den Schläuchen hinten oder vorne mit den Schläuchen oben montiert wird. Durch die vielen Adern direkt am Radiator ist das Kabel sehr starr und schlecht zu verstecken. Bzw., und hier kommen wir wieder zu meinem ersten Punkt: Es ist nicht möglich, das Kabel direkt vom Radiator hinter den Mainboard-Tray zu führen, wenn der Radiator im Deckel mit Schläuche hinten montiert ist. Man muss sie dann quer über das Mainboard verlegen.
Optimalerweise also im Deckel mit den Schläuchen vorne, dann kann man gut durch die Aussparungen für den 24-Pin nach hinten. Oder vorne, da hängt es dann stark vom Gehäuse ab.
Die Anschlüsse dürften dabei gerne deutlich länger sein. Das Lüfterheader- und USB-Kabel sind schon recht knapp. SATA wäre auch schön, wenn es länger wäre, die übrigen SATA-Kabel versteckt man ja gerne mal unten in der Netzteilkammer. Dann müsste man nicht einen Strang der Aio entgegen führen.
Die Montage der Pumpe war schließlich wieder recht problemlos:
Auf die AMD-Backplate werden 4 Schrauben gesetzt, die auf beiden Seiten unterschiedliche Gewinde haben. Ich habe dabei zunächst eines der Retention-Brackets von AMD gelöst, dann dort die Schrauben eingesetzt, und dann die andere Seite. Damit die Backplate nicht vom Mainboard abfällt.
Leider haben die Montageschrauben dabei Spiel zur Mainboardoberfläche, wodurch die Backplate zwar nicht ganz herunterfällt, aber sie sich so weit wegbewegen kann, dass man sie doch wieder festhalten oder etwas unterlegen muss.
Anschließend wird der Pumpenkopf mit der voraufgetragenen Wärmeleitpaste aufgesetzt und mit vier weiteren Rädelschrauben festgemacht. Die Anleitung zeigt ein Kreuzmuster, in welcher Reihenfolge man es machen sollte. Dabei rutscht die Backplate aber weiterhin nach unten, bis die ersten Schrauben fest sitzen, weshalb man sie weiter festhalten muss.
Bei der Demontage sind mir die gesteckten Halterungen übrigens aus dem Pumpenkopf gefallen, sie halten also nur in montiertem Zustand wirklich fest. Darauf sollte man gefasst sein.
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Software
Alles wird über NZXT CAM gesteuert.
An Sensoren können u.a. CPU, CPU-Hotspot, GPU, GPU-Hotspot, Wassertemperatur (hat nicht jede Aio), Lüfter- und Pumpengeschwindigkeiten ausgelesen werden.
Anhand der Software kann auch die Darstellung auf dem LCD-Bildschirm in 30-Grad-Schritten rotiert und die Beleuchtung der Lüfter gesteuert werden.
Die Sensorwerte können hier auch direkt auf den LCD-SChirm übertragen werden. Bis zu drei Werte gleichzeitig werden dargestellt und man kann automatisch alle paar Sekunden die Darstellung wechseln. Ich wechsle alle 5 Sekunden von CPU-Werten zu GPU und zurück.
Noch besser ist aber die Option, auf dem Screen Gifs oder auch ganze Videos abzuspielen. Das Einbinden eines Youtube-Videos ist dabei sehr einfach direkt über den Videolink möglich.
Generell macht die Software einen sehr aufgeräumten und gepflegten Eindruck und lief zumindest bei mir stabil ohne Abstürze.
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Kühlleistung und Lautstärke
Zu kühlen war ein 5700X3D mit aktiviertem PBO. Das Undervolting per Curve Optimizer wurde deaktiviert, wir wollen ja die maximale Abwärme zum Testen der Kühlung erreichen.
Im Idle war das System dabei quasi unhörbar. Sowohl Pumpe als auch Lüfter waren weit heruntergeregelt und die CPU im Bereich von 30 Grad.
Unter Last mit Cinebench für 30 Minuten wurde die CPU ca. 60 Grad warm. Ein ziemlich guter Wert, der auch noch jede Menge Raum für Übertakten ließe. Leider ist dies beim 5700X3D nicht möglich.
Die Lüfter- und Pumpenkurve war dabei voreingestellt. Die Lüfter drehten hoch, blieben aber immer noch auf einem sehr leisen Niveau. Von der Pumpe war nichts zu hören.
Da noch genug Raum für höhere Temperaturen wäre, könnte man auch eine deutlich flachere Kurve nutzen und damit die Lautstärke weiter senken.
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Fazit
Die Kraken Elite von NZXT sieht sehr gut aus, kühlt auf hohem Niveau und geht hinsichtlich des Anschlusskonzepts einen eigenen, interessanten Weg.
Kleinere Abzüge gibt es für die Länge der Anschlusskabel und die rein proprietäre Lösung der Beleuchtungs- und Lüftersteuerung. Aber wer sich diese Aio kauft, tut dies vermutlich vor allem wegen des Displays und zu dessen Steuerung ist ohnehin die CAM-Software notwendig. Ist von daher verschmerzbar.
Schön wäre noch ein ARGB- und Lüfterheader als Ausgang, um auch Nicht-NZXT-Produkte direkt anschließen und per CAM mitsteuern zu können.
Preislich bewegt sich die Komplettwasserkühlung aber auf sehr hohem Niveau, während es vergleichbare/bessere Kühlleistung von z.B. Arctic für ein Drittel des Preises gibt.
Wer sich die Kraken Elite kauft, tut dies vermutlich primär wegen der Optik, und hier weiß sie auf jeden Fall zu überzeugen.
Über die langfristige Haltbarkeit kann ich natürlich noch nichts sagen, aber 6 Jahre Garantie sprechen auf jeden Fall für ordentliches Vertrauen von NZXT in sein Produkt.
Insgesamt also ein sehr gutes Produkt für Käufer, die den hohen Preis gerechtfertigt finden und in ihrem Build nicht das letzte an Preis-Leistung herausholen müssen/wollen.