Produkttester
MSI Z890 GAMING PLUS WIFI6E | Praxisbericht
Hinweis: Das Board wurde mir im Rahmen eines Mindfactory-Produkttests kostenlos zur Verfügung gestellt. Meine Bewertung ist davon unabhängig.
Ich wollte einen neuen Rechner auf Basis von Intels zweiter Core-Ultra-Generation aufbauen, und da traf es sich gut, dass ich im Rahmen eines Mindfactory-Produkttests das MSI Z890 GAMING PLUS WIFI6E in die Finger bekommen habe. Die Frage bei so einem Board in der Preisklasse ist ja immer: Was braucht man wirklich, und wo zahlt man nur für Features, die man nie anfasst?
Kurz zusammengefasst: DDR5, PCIe 5.0, mehrere M.2-Slots, WiFi 6E, und | das hat mich überrascht | echtes 5-Gigabit-LAN über einen Intel Killer E5000B Controller, nicht nur 2,5G wie bei vielen Konkurrenten in dieser Liga. Ob man das braucht, ist eine andere Frage, dazu unten mehr.
Das Z890-Chipset ist die Basis, auf der Intel die gesamte zweite Core-Ultra-Generation aufbaut, vom Einsteiger- bis zum Flaggschiff-Board. MSI positioniert das GAMING PLUS WIFI6E in der Mitte: eine Stufe über den reinen Einsteigerboards, ohne den Aufpreis für Thunderbolt 4 oder WiFi 7.
Design
Nichts Aufregendes, muss man auch nicht sein. Schwarz, breite Alu-Kühlkörper, ein bisschen Silber als Auflockerung. Auf integriertes RGB hat MSI verzichtet, dafür gibt's ARGB-Header, falls man sich seine eigene Beleuchtung zusammenbasteln will. Die M.2-Slots liegen unter den Kühlkörpern gut erreichbar, SATA- und USB-Header sitzen dort, wo man sie beim Verkabeln auch braucht. Was mir weniger gefällt: Die WLAN-Antennen sind eher schlicht gehalten und wirken, verglichen mit den teureren Boards derselben Serie, etwas nach Sparversion | funktioniert, sieht aber nicht nach Highlight aus.
Design: 3,5/5
Verarbeitung
Verarbeitung ist eigentlich das, was man erst nach Monaten wirklich beurteilen kann | trotzdem ein paar Eindrücke vom Auspacken und Einbau. Das Board fühlt sich schwerer und steifer an, als ich erwartet hatte, was am 6-Lagen-PCB liegen dürfte. Die Spannungsversorgung ist mit 14+1+1+1 Phasen und 55A-DrMOS-Komponenten großzügig dimensioniert | für aktuelle Core-Ultra-CPUs braucht's das eigentlich nicht zwingend, schadet aber auch nicht.
Die PCIe-Slots haben eine Metallverstärkung | bei mir kommt allerdings eine GTX 1660 Super zum Einsatz, eine eher kompakte, leichte Karte, an der sich das kaum bemerkbar macht. Wer eine der aktuellen Boliden-GPUs mit drei oder vier Slots einbaut, wird von der Verstärkung sicher mehr profitieren als ich. Die Kühlkörper sitzen trotzdem fest, keine Spur von Spiel. Ob die Lötstellen auf Dauer halten, kann ich nach der kurzen Testzeit nicht seriös beurteilen. Ein kleiner Kritikpunkt: Der Audio-Codec ist ein solider, aber eben auch ziemlich gewöhnlicher Realtek-Chip | wer viel mit Kopfhörern oder externem Audio-Interface arbeitet, merkt schnell, dass hier nicht das Premium-Modell verbaut wurde.
Verarbeitung: 4/5
Ausstattung
Die Eckdaten: vier DDR5-Slots mit Support bis 9200+ MT/s (OC), ein PCIe-5.0-x16-Slot für die Grafikkarte, zwei weitere PCIe-4.0-Slots und ein PCIe-4.0-x1-Slot für Zusatzkarten wie eine 10G-Netzwerkkarte oder eine Capture-Karte. Storage-seitig gibt's vier M.2-Plätze (einer Gen5 x4, drei Gen4 x4) und vier SATA-Ports. Auf der Rückseite zähle ich 17 USB-Ports, dazu einen USB-10G-Type-C-Anschluss, einen Flash-BIOS-Button, sogar noch einen PS/2-Port für alte Tastaturen, und 7.1-Kanal-Audio.
Ein praktischer Haken bei der Slot-Aufteilung, der bei mir mit der eher kompakten GTX 1660 Super noch nicht ins Gewicht fällt, mit der geplanten RTX 5070 aber relevant werden dürfte: Sobald eine der aktuellen, mehrere Slots breiten Grafikkarten im PCIe-5.0-Slot steckt, verdeckt sie oft einen oder beide der PCIe-4.0-x16-Slots darunter. Auf dem Papier hat man dann mehr Erweiterungsslots, als man mit einer aktuellen High-End-GPU tatsächlich nutzen kann.
Zum 5G-LAN nochmal konkret, weil ich mir das noch mal in den offiziellen Spezifikationen angeschaut habe, bevor ich's hier reinschreibe: Laut MSI steckt tatsächlich ein Intel Killer E5000B Controller mit 5 Gigabit dahinter, kein Tippfehler und kein aufgebohrtes 2,5G. Selbst nachmessen kann ich das mit meinem Setup ohnehin nicht | dafür bräuchte ich auf der Gegenseite auch einen 5G-fähigen Switch oder eine entsprechende Netzwerkkarte, die ich schlicht nicht habe. Für mich persönlich bringt das gerade nicht viel | ich hab zuhause noch 1G-Anschluss und überlege, auf 2,5G umzusteigen, mehr braucht's bei mir aktuell nicht. Wer aber ein NAS mit entsprechend schnellem Uplink hat oder mehrere Rechner im gleichen Netzsegment mit hohem Durchsatz verbinden will, hat hier Luft nach oben, die andere Boards in der Preisklasse nicht bieten.
Einbau
Der Zusammenbau ging überraschend fix. EZ PCIe Clip II und EZ M.2 Shield Frozr II haben ihren Zweck erfüllt: Das Einsetzen der Grafikkarte und der SSDs ging spürbar unkomplizierter als bei älteren Boards, die ich kenne, weil man ohne Schraubenzieher an den Klemmmechanismen hantieren kann. Auch die WLAN-Antennen ließen sich ohne Werkzeug anschrauben.
Das BIOS ist übersichtlich aufgebaut, mein XMP-Profil war mit ein paar Klicks aktiv. Richtig praktisch fand ich die Flash-BIOS-Funktion ganz ohne installierte CPU | falls ich das Board mal für einen neueren Prozessor vorbereiten muss, ohne extra eine alte CPU rumliegen zu haben.
Zwei Dinge fehlen mir persönlich: ein Power-Button direkt aufs Board und eine zweistellige Debug-Anzeige. Beides wäre beim Testen außerhalb des Gehäuses praktisch gewesen.
Einbau: 4/5
Leistung
Im Alltag läuft das Board bei mir bislang ohne Aussetzer. Spiele starten schnell, DDR5 sorgt für spürbar mehr Bandbreite als bei meinem alten System. Ehrlich gesagt nutze ich das PCIe-5.0-Potenzial aktuell aber gar nicht aus | meine GTX 1660 Super läuft im PCIe-3.0-Modus und ist auf einem Board dieser Klasse eigentlich fast schon unterfordert. Geplant ist als nächster Schritt eine RTX 5070, und genau dafür ist die PCIe-5.0-Anbindung dann kein Nice-to-have mehr, sondern macht tatsächlich Sinn. Aktuell läuft das Board also als Vorgriff auf diese Aufrüstung, nicht weil die jetzige Grafikkarte die Bandbreite bräuchte. Unter Last | ich hab das Board eine Weile mit einem Rendering-Job und parallelem Gaming gequält | blieb die Spannungsversorgung ruhig, keine spürbaren Drosselungen.
Wer richtig übertakten will, ist bei den teureren Boards der Serie besser aufgehoben, mit mehr Feintuning-Optionen im BIOS. Für meinen Alltag | Gaming, Streaming, ein bisschen Rendering | reicht das hier.
Leistung: 4,5/5
Preis-Leistung
Gegenüber den teureren Modellen verzichtet man auf Komfortfunktionen wie Thunderbolt 4 oder eine Debug-Anzeige, bekommt dafür PCIe 5.0, DDR5, WiFi 6E, echtes 5G-LAN und mehrere M.2-Slots. Ganz billig ist das Board trotz des "Plus" im Namen aber auch nicht | wer wirklich nur ein Basissystem ohne PCIe 5.0 oder 5G-LAN braucht, findet günstigere Z890-Boards, die für den reinen Grundbedarf ähnlich gut funktionieren.
Preis-Leistung: 4/5
Haltbarkeit
Über echte Langzeit-Zuverlässigkeit kann ich nach der kurzen Testphase natürlich noch nichts Verbindliches sagen | dafür müsste das Board Monate oder Jahre laufen. Was ich sagen kann: Spannungswandler, PCB und Kühlkörper machen einen Eindruck, der auf Dauer halten sollte.
Haltbarkeit: 4/5
Im Vergleich zur Konkurrenz
In der Z890-Klasse sitzt das Gaming Plus WIFI6E im Mittelfeld. Teurere Boards bieten mehr PCIe-Slots, umfangreichere Overclocking-Optionen oder eine Debug-Anzeige. Günstigere Alternativen sparen dafür meist bei WiFi 6E, den Kühlkörpern oder eben genau dem 5G-LAN. Dieses Board trifft einen brauchbaren Mittelweg, auch wenn es an ein paar Stellen | Audio, Antennen-Optik, effektiv nutzbare PCIe-Slots | eben doch Kompromisse gibt.
Für wen lohnt sich das Board?
Wer von einem älteren Sockel umsteigt und ohnehin auf DDR5 und PCIe 5.0 setzen will, bekommt hier eine solide Basis, ohne für Dinge zu zahlen, die man im Alltag kaum anfasst. Gamer profitieren von der stabilen Spannungsversorgung und den schnellen Storage-Optionen, wer viel im Homeoffice arbeitet oder nebenbei Content produziert, von der großzügigen USB-Ausstattung.
Wer zuhause schon mit 10G- oder Multi-Gig-Infrastruktur arbeitet | NAS mit entsprechendem Uplink, mehrere Rechner im selben Segment | zieht aus dem 5G-LAN echten Nutzen. Bei mir mit 1G-Anschluss (2,5G-Aufrüstung ist in Planung) ist das aktuell eher Kapazität auf Vorrat: schön, dass sie da ist, aber kein Grund, deswegen zuzugreifen. Wer zusätzlich Thunderbolt 4, WiFi 7 oder besseres Onboard-Audio will, sollte sich die teureren Geschwistermodelle der GAMING-Reihe ansehen.
Fazit
Für mich ist das MSI Z890 GAMING PLUS WIFI6E ein solides Board für alle, die zukunftssicher bauen wollen, ohne für Luxusfeatures draufzuzahlen. DDR5, PCIe 5.0, mehrere M.2-Slots, WiFi 6E und als echtes Extra 5G-LAN ergeben eine gute Basis für Gaming-PCs, Arbeitsrechner und leichte Content-Produktion. Die Schwächen liegen im Detail: Standard-Audio, eher schlichte Antennen, und die effektiv nutzbaren PCIe-Slots hängen stark davon ab, wie groß die eigene Grafikkarte ist. Wer damit leben kann und keine Debug-Anzeige oder Extrem-Overclocking braucht, bekommt hier ein rundes Gesamtpaket | kein Überflieger, aber auch nichts, worüber man sich ärgert.
Kategorie Bewertung
Design 3,5/5
Verarbeitung 4/5
Einbau 4/5
Leistung 4,5/5
Preis-Leistung 4/5
Haltbarkeit 4/5
Gesamt 4/5