Verifizierter Kauf
Zugegeben, ich bin mit der DS2422 für zuhause wahrscheinlich ziemlich übers Ziel hinausgeschossen. Als NAS für daheim ist sie wirklich übertrieben und die meisten wären mit einem 8- oder 6-bay Modell besser beraten, zumal die verbaute Hardware mehr oder weniger identisch ist. Für mich war der Hauptgrund für dieses Modell, dass ich bereits 6 Festplatten aus einem selbstbau-PC-NAS hatte und weiterverwenden wollte, aber auch zusätzliche Platten, für separate Volumes einsetzen können wollte. Außerdem passt die 2422, im Gegensatz zu den 18xx, in mein Ikea Expedit Regal ;-)
Ich gebe hier vor allem deswegen 4 Sterne, weil ich glaube, dass meine Kritikpunkte nicht alle für die wirkliche Zielgruppe so eines Systems relevant sind, persönlich würde ich aber eher 3 vergeben.
Zunächst das Positive: Einrichtung und Nutzung sind wirklich einfach. Das Softwareökosystem, in welches man sich mit einkauft, ist umfangreich und ausgereift, zumindest soweit ich es nach ca 10 Monaten beurteilen kann. Von der reinen Speicherung, über Verteilung, Zugriffskontrollen und auch Backuplösungen ist alles dabei. Darüber hinaus kann man mit diversen Plugins noch zusätzliche Dienste für das lokale Netz bereitstellen oder gleich VMs auf dem NAS betreiben, die man nach belieben für diese Dinge nutzen kann. Ich will die positiven Aspekte nicht kleinreden, aber mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen. Die diversen positiven Testberichte stimmen und treffen größtenteils auch bei der DS2422 zu.
Nun zur Kritik. Mir sind mehrere Dinge begegnet, die mein Fazit letztlich doch eher durchwachsen aussehen lassen. Zuerst einmal versäumt Synology in der Werbung zu erwähnen, dass die kleineren Modelle relativ unbekümmert Hardwareteile anderer Hersteller akzeptieren, während die DS2422 permanente Warnungen im System produziert, wenn man keine originalen Synology Platten verbaut, bzw. keine Teile von der offiziellen Kompatibilitätsliste. Meine WD Red funktionieren trotzdem tadellos und ich konnte auch den Speicher mit einem Kit KSM26SES8/16HC auf 32GB aufrüsten, dennoch bleibt ein fader Beigeschmack vor jedem Update.
Der zweite sehr unerfreuliche Punkt ist, dass das System nicht in der Lage ist, nur die Platten des gerade verwendeten Volumes zu starten. Wann immer man sich auch bloß übers WebUI einlogged oder auch durch zufällig laufende Systemprozesse, starten ALLE Platten im System. Der genaue Grund ist unklar, aber es ist zu vermuten, dass Synology einen Mirror der OS Partition automatisch über alle Platten verteilt, der dementsprechend bei Systemaktivität auch alle anfahren lässt. Das mag gut für die Ausfallsicherheit sein, kostet aber auch bares Geld in Form von wahlweise Stromkosten oder schnellerem Plattenverschleiß, denn es kommt oft vor, dass irgendein Hintergrundprozess Aktionen ausführt (nach meiner Beobachtung passiert das fast stündlich, je nach Konfiguration). Mein System liegt bei ca 55W, mit 6 HDDs und 2 SSDs, wenn die Platten gestoppt sind, liegt es knapp unter 30W. Man muss also die Wahl treffen, ob man die Platten durch häufige Starts mehr beanspruchen oder lieber den höheren Stromverbrauch bei Dauerbetrieb hinnehmen will. Vor allem Leute, die auf dem System virtualisieren wollen und verschiedene Prozesse geplant ablaufen lassen wollen, sollten sich darauf einstellen, dass die Platten entweder ohnehin dauerhaft eingeschaltet bleiben oder nach dem abschalten sehr schnell wieder anfahren. Ich konnte das halbwegs optimieren, indem ich keine geplanten Prozesse laufen lasse und sonstige Aktivitäten möglichst am Stück erledige.
Das führt mich auch zum dritten Punkt, der Lautstärke der Lüfter. Verbaut sind zwei 0815 120mm Industrielüfter, mit ca 1800rpm. DSM erlaubt die 3 Einstellungen Full-Speed, Cool und Quiet. Ich nutze letztere, aber die Lüfter sind häufig viel zu laut, ohne dass die Temperaturen das rechtfertigen würden. Das hat offenbar 2 Gründe. Zum einen sind die Lüfter wirklich das Letzte und dem Preis in keiner Weise angemessen, zum anderen könnte hier auch die Verwendung von originalen Synologyplatten eine Rolle spielen. Synology hat hoffentlich die Originalplatten bzgl. Temperatursensoren besser im Griff, dass kann ich nicht beurteilen, ich vermute aber, dass meine SSDs der Grund sind, dass DSM von viel zu hohen Temperaturen im System ausgeht und die Lüfter schneller drehen lässt. Man findet in diversen Foren Anleitungen von anderen Modellen, wo die Lüfterkurven in den Systemtemplates verändert werden, diese haben bei meinen Versuchen aber nicht funktioniert. Ich habe daher meinen Fantray zerlegt und die miesen Standardlüfter gegen Noctuas NF-A12x25 ausgetauscht. Damit war endlich Ruhe, da diese deutlich leiser laufen. Je nach Systemlast sollte man ggf. vorsichtshalber auf den Cool Mode umschalten, um etwaige Differenzen zwischen den Lüftern bei niedrigeren Drehzahlen auszugleichen, aber auch das ist mit den Noctuas problemlos möglich, wegen ihrer Laufruhe. Ich habe bisher keine m2 SSDs als Caches verbaut und konnte daher auch nicht testen, ob diese inzwischen auch für normale Volumes genutzt werden können (laut Website bislang nicht!), hier gilt aber wohl auch wieder, dass man mit Problemen rechnen sollte, wenn man keine Originalteile einsetzen möchte. Synology gibt diesbezüglich auf der Website sogar ein Statement ab, dass die offiziell unterstützten Modelle hinsichtlich Temperaturen getestet wurden, was den Schluss nahelegt, dass auch hier wieder viel zu hohe Temperaturen zu hoher Lautstärke und möglicherweise sogar falscher Notabschaltung führen könnten, wenn ein 3rd Party Produkt eine zu hohe Temperatur misst, die nicht zu Synologys festen Grenzwerten passt.
Mein letzter Kritikpunkt ist eher eine Warnung an jene, die auch eine Weile brauchen, bis sie Zeit finden, sich um die Einrichtung eines neuen Systems zu kümmern. Man hat lediglich 90 Tage ab Kauf Zeit (180 Tage ab Herstellung, falls Beleg nicht vorhanden), um die "Premiumgarantie Plus" zu aktivieren und von 3 auf 5 Jahre Garantie und Support bei einem Systemausfall zu upgraden. Ich kann verstehen, dass man keine Unterbrechungen von solchen Quasi-Wartungsverträgen akzeptiert, bzw. rückwirkende Aktivierung, wenn es nach Ablauf der allgemeinen Garantie schon einen Ausfall gab, ich bin aber der Meinung, dass man die Registrierung dafür während der gesamten Dauer der anfänglichen Produktgarantie akzeptieren sollte oder mindestens solange es bis dato keine Probleme mit der Seriennummer gab.