Produkttester
Im Rahmen der Produkttestaktion 2016 in Zusammenarbeit mit Corsair habe ich die H110i Komplett-Wasserkühlung zur Verfügung gestellt bekommen. Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei Corsair und Mindfactory bedanken. Dennoch wird die nachfolgende Bewertung des Produkts so objektiv wie möglich ausfallen
Getestet wurde die H110i im folgenden System:
CPU: i5-6600K |@ 3,90 GHz
RAM: 2*8GB HyperX FURY DDR4-2400
Mainboard: MSI Z170A GAMING PRO CARBON
GPU: 8192MB Gainward GeForce GTX 1070 Phoenix GS
PSU: 630 Watt be quiet! Pure Power L8 CM Modular 80+ Bronze
Gehäuse: Fractal Design Define R5 | 2*140mm Frontlüfter + 2*140mm Bodenlüfter
Die für den Test relevanten Kriterien umfassen:
Design, Verarbeitung, Temperatur/Lautstärke, Leistung und Preis-/Leistungsverhältnis
Design:
Vorneweg: ich mag die Gestaltung der Corsair Wasserkühlungen und hatte zuvor eine H90 im Einsatz. Im direkten Vergleich wirkt die H110i nochmal etwas schicker, besonders der CPU-Block gefällt mir durch die grauen Akzente deutlich besser. Auch die mit Stoff ummantelten Kabel treffen genau meinen Geschmack. Farblich ist alles recht konservativ in schwarz/grau gehalten, was allerdings durch die per Software anpassbare RGB-LED ein wenig aufgepeppt wird.
Unterm Strich: keine weltbewegende Designneuheit, dafür zeitlose Eleganz mit interessanten Möglichkeiten der Softwareanpassung.
Verarbeitung:
Meiner Meinung nach eine der Stärken von Corsair: Wie bereits erwähnt wirkt die H110i sehr hochwertig. Besonders hervorzuheben sind hier die ummantelten Schläuche, welche gleichzeitig sauber verarbeitet und solide an Kühlkörper/CPU-Block angeschlossen sind. Letztere machen ebenfalls einen ordentlichen Eindruck, Plastiknähte sind gar nicht bis kaum zu finden. Der Kühlkörper weist ein paar etwas schärfere Kanten auf, für mich jedoch nicht weiter tragisch... Muss man halt ein wenig aufpassen beim Einbau. Insgesamt wirkt alles stabil verbunden und vermittelt den Eindruck von Langlebigkeit. Warten wirs mal ab
Montage:
Man sollte denken das Define R5 von Fractal Design gehört zu den größeren (Midi-)Gehäusen auf dem Markt und nimmt eine 280mm-Komplett-Wasserkühlung problemlos auf& und das stimmt auch :P Allerdings ist der Einbau mit dem ein oder anderen Kompromiss verbunden. Grundsätzlich wäre eine Montage an der Front als auch an der Decke des Gehäuses möglich (mit leichten Modifikationen vermutlich sogar am Boden). Letztendlich entschieden habe ich mich meiner Lüftersteuerung (im 5,25"-Käfig) zuliebe für die Decken-Variante. Durch eine "idiotensichere" Anleitung dürfte niemand ernstere Probleme mit der Montage selbst haben. Alle Einzelschritte sind eindeutig erklärt und auch mit zwei linken Händen zu bewerkstelligen. Im Vergleich zur H90 kam mir die Montage sogar etwas nutzerfreundlicher vor, da der Vorgang mit unterschiedlichen Schrauben für die Verbindung "Kühlkörper-Gehäuse" und "Kühlkörper-Lüfter" vereinfacht wurde. Einzig beim Befestigen des CPU-Blocks am Mainboard sollte man darauf achten, die Schrauben nicht mit maximaler Kraft anzuziehen und sich eher "langsam heranzutasten". Man möchte die CPU/das Board nach der Montage ja noch verwenden können. In näherer Zukunft werde ich alle meine Gehäuselüfter mit meinem Mainboard verbinden und die H110i an die Frontseite meines Gehäuses montieren. Der große Vorteil ist, dass hierdurch die Deckenplatten des Define R5 nicht entfernt werden müssen und folglich eine deutlich bessere Dämmung der Innengeräusche erhalten bleibt. Randnotiz: am CPU-Block ist bereits Wärmeleitpaste angebracht, das gefällt.
Temperatur/Lautstärke/Leistung:
Vermutlich der mitunter interessanteste Punkt: Mein Eindruck der H110i ist hier etwas gespalten. Grundsätzlich ist die Kühlleistung natürlich (wie zu erwarten) sehr gut. Auch bei geringer Drehzahl der Lüfter (Quit-Mode: 700 RPM) bleibt mein 6600K auf Standardtakt ohne Probleme bei unter 22°. Unter Volllast (getestet mit Prime95) sollte man die Drehzahl der Lüfter jedoch entsprechend erhöhen, da sonst schnell 55° erreicht werden. Mit dem Lüfter-Modus "Leistung" bleiben alle Kerne der CPU deutlich unter 50°. Beim Testen mit Battlefield 1 konnte die Temperatur konstant im Bereich von 30-40° gehalten werden. Es sind also ausreichend Reserven fürs Übertakten vorhanden. Bei der Konfiguration der Lüfter-Geschwindigkeiten habe ich mich sehr über die Funktionalität der Corsair-Link-Software gefreut. Wer maximale Kühlleistung braucht, wird mit den Möglichkeiten ebenso glücklich werden wie Freunde der Silent-Systeme. Sobald man die beiden Corsair SP140L Lüfter mit einer Drehzahl über 1200 RPM betreibt, sind sie allerdings recht deutlich aus meinem gedämmten Gehäuse zu hören (Gedämmt in diesem Fall nur relativ, da die Deckenplatten zur Montage entfernt werden mussten). Erhöht man die RPM weiter, erreicht man schnell ein Niveau, auf dem man sich nach seinem Headset umsieht Spaß beiseite... Es handelt sich mit Sicherheit nicht um die leisesten Lüfter auf dem Markt. Aus diesem Grund hatte ich meine H90 auch mit einem NF-A14 von Noctua ausgestattet. Grundsätzlich sehe ich hier bei der H110i jedoch keinen dringenden Bedarf, da man mit entsprechend angepasster Lüfterkurve ein sehr ordentliches Lautstärke-Ergebnis erreicht. Im direkten Vergleich zur H90 ist bei gleicher Drehzahl der Lüfter stets ein deutlich besseres Kühlergebnis zu beobachte (zwischen 5 | 15°). Durch den meinem Empfinden nach besseren Noctua-Lüfter gefiel mir die Geräuschkulisse der H90 jedoch etwas besser, wobei ab Drehzahlen über 1200 beide Varianten nicht gerade leise sind&
Preis-/Leistungsverhältnis:
Nun ja, 166,99¤ als UVP-Preis sind natürlich erstmal eine Ansage (der Hersteller-Website entnommen). Corsair hebt sich mit der H110i also nicht nur durch die Kühlleistung von der Konkurrenz ab Der aktuelle Straßenpreis sieht da allerdings deutlich attraktiver aus und liegt bei Mindfactory bei 122,85¤. Das ist immer noch ein saftiger Preis für einen CPU-Kühler, zumal man sehr leistungsfähige Luft-Kühlungen wie den "be quiet! Dark Rock 3" bereits für unter 60¤ erwerben kann. Außerdem ist der Unterschied einer H90 zur H110i ohne Übertakten der CPU meiner Erfahrung nach nicht soooo enorm. Man sollte sich den Kauf also gut durch den Kopf gehen lassen& Unterm Strich finde ich die geforderte Summe aber gerechtfertigt, da Corsair mit der "Link-Funktionalität" einen für begeisterte Tüftler sehr spannenden Mehrwert bietet und für viele Stunden des "Herumprobieren und Optimieren" sorgen wird. Mal abgesehen von den interessanten Funktionen sollte man auch nicht vergessen, dass die Verarbeitung/Kühlleistung insgesamt einen klasse Eindruck hinterlässt und gute Qualität nun mal ihren Preis hat. (mit leichter Einschränkung bei den Lüftern)
Kurz: kein Schnäppchen, aber ein nachvollziehbarer und der Qualität entsprechender Preis.
Fazit:
Abschließend möchte ich ein kurzes Fazit ziehen. Meine Erfahrungen mit der Corsair H110i sind während der Tests insgesamt überwiegend positiv ausgefallen:
Design, Verarbeitung, Kühlleistung: Klasse
Montage: etwas frickelig, aber wer einen 280mm-Kühlkörper in einem Miditower unterbringen will ohne alle Käfige (HDD, 5,25") zu entfernen sollte nicht überrascht sein
Lautstärke: Dank leichter Konfiguration "im Rahmen", bei hoher Drehzahl störend, hier können andere Lüfter unter Umständen ein besseres Ergebnis erzielen
Preis/Leistung: in Ordnung, man bezahlt einen Premium-Preis und erhält Premium-Ware
Zu guter Letzt:
Hätte ich die Corsair H110i gekauft, wenn ich den Preis selbst bezahlen müsste?
Ich will ehrlich sein: Aktuell vermutlich eher nicht. Das liegt aber weniger an der H110i selbst, diese hatte mich nämlich seit ihrer Veröffentlichung "gereizt". Besonders das Link-Feature sagt mir sehr zu.
ABER: mit meiner H90 war ich im Verbund mit dem NF-A14 einfach super zufrieden und konnte eine Neuanschaffung nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Hätte sich die H90 mit einem Defekt verabschiedet (wovon ich natürlich nicht ausgehen möchte...) wäre die H110i definitiv ein heißer Kandidat gewesen.
Danke nochmal an Corsair und Mindfactory für das entgegengebrachte Vertrauen und die Bereitstellung der H110i.