Produkttester
1. Einleitung
Corsair bietet nun bereits seit einiger Zeit komplett Wasserkühlungen an, welche man häufiger mit dem Namen All-in-One-Kühler (AiO) Bezeichnet. Zurzeit bietet Corsair AiOs mit Single- sowie Dual-Radiatoren an. Je nach Modell nehmen diese dann entweder 120mm oder 140mm Lüfter auf. Das von mir getestete Modell setzt auf zwei 140mm Lüfter. Die H110i wird als Topmodell mit extremer Performance beworben. Die Nachfolgerin in Form der H115i steht bereits in den Startlöchern und dürfte wahrscheinlich noch etwas besser abschneiden.
Nachdem ich in letzter Zeit einige Luftkühler getestet habe und ich auch reichlich Erfahrungen mit Custom-Wasserkühlungen habe, war ich also besonders über die Leistung der H110i gespannt.
2. Unboxing & Lieferumfang
Die AiO kommt in einem recht großen, optisch ansprechenden Karton. Bereits die Beschriftung verrät einige Details der Kühlung. So werden einige Informationen zu Lüftern, Kühler und Radiator genannt.
Im Karton befindet sich ein Inlay, in dem der gesamte Inhalt sicher verstaut ist. Der Loop ist zusätzlich in Folie verpackt. Der große Loop aus 280mm Radiator, den Schläuchen sowie Kühler nimmt fast den ganzen Platz des Kartons in Anspruch.
Die beiden 140mm Lüfter (SP140L) sind sehr schlicht gehalten. Der Rahmen ist schwarz und der Rotor hellgrau. Ich persönlich finde es sehr gut, dass Corsair auf eine unauffällige Farbe gesetzt hat, da sich die AiO somit optisch besser in ein bestehendes System integrieren lässt. Sehr positiv finde ich auch, dass die Kabel nicht wie sonst üblich farbig sind, sondern hier als schwarzes Flachband-Kabel auskommen. Corsair bewirbt die Lüfter mit einem hohen statischen Druck und anpassbaren Geräuschpegel. Gerade der hohe statische Druck ist für Lüfter auf Radiatoren sehr wichtig, da die Luft durch ein engmaschiges Gitter gedrückt werden muss.
Neben den Lüftern befinden sich zwei weitere Päckchen mit Material. In einem sind die Montagerahmen enthalten, im anderen der Rest zur Montage der AiO. Die sichtbaren Montagerahmen hat Corsair schwarz vernickeln lassen. Das sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch robust. Sogar bei den Schrauben verfolgt Corsair ein optisches Ziel. Das Kühlermontagematerial ist wie die Halterung auch schwarz vernickelt wohingegen die Radiator- und Lüfter-Schrauben schwarz lackiert sind.
Der gesamte Loop ist ebenso wie die Lüfter sehr schlicht gehalten. Insgesamt dominiert die Farbe Schwarz. Aufgelockert wird dies durch Akzente in Silber. Die Schläuche sind mit einem Gewebe ummantelt. Diese Ummantelung ist sehr feinmaschig und umschließt den Schlauch perfekt. Ob darunter ein schwarzer Schlauch zum Einsatz kommt, lässt sich nicht sagen. Was sich sagen lässt, ist, dass die Schläuche sehr starr sind. Dadurch, dass sie am Radiator fest verbaut sind, lässt sich an dieser Stelle nur wenig Bewegungsspielraum zu. Am Kühler-Pumpen-Gehäuse sind die Schläuche jedoch an drehbaren 90° Winkeln angebracht. Somit lässt sich zumindest ein wenig die Richtung der Schlauchbiegungen realisieren. Ich denke, dass Corsair mit den starren Schläuchen das Ziel verfolgt, dass es nicht zu Defekten durch geknickte Schläuche oder abgerissene Anschlüsse kommt.
Wie angesprochen, ist auch das Pumpen-Gehäuse sehr schlicht. Der Großteil ist wieder schwarz. Auf dem Deckel befindet sich jedoch ein silbernes Cover, welches den Corsair Schriftzug samt Logo beherbergt. Beides lässt sich mittels RGB-LED beleuchten. Auch am Rand des silbernen Covers sieht man die Beleuchtung leicht durschimmern. Insgesamt finde ich auch hier das Design sehr ansprechend. Durch die Farbabstimmung und LED-Einstellung passt sich der Kühler optisch in jedes System ein. Am Rand des Kühlers bzw. der Pumpe sieht man eine Art Stopfen. Ob dieser zum Befüllen der AiO angedacht ist, wird nirgendwo erwähnt. Da ich kein Risiko eingehen wollte, habe ich es auch nicht ausprobiert. Auf der selben Seite befindet sich auch der Mico-USB-Anschluss für die Corsair Link.
Auf der Oberseite (wenn er montiert ist) befinden sich die weiteren technischen Anschlüsse. Alle sind als schwarze Flachbandkabel ausgeführt. Insgesamt werden vier Anschlüsse nach Außen geführt. Zum einen ein SATA-Stecker zur Stromversorgung, ein 3-Pin-Lüfterstecker für das Tachosignal an das Mainboard sowie zwei 4-Pin-Lüfterbuchsen für die beiden Lüfter des Radiators.
Auf den Kupferboden des Kühlers ist bereits Wärmeleitpaste aufgetragen, sodass man diese nicht selber aufbringen muss. Eine weitere Tube oder Tüte mit Wärmeleitpaste wäre allerdings wünschenswert, da die aufgebrachte Paste nur einmalig verwendbar ist.
Der Kupferboden ist nicht poliert, sondern wirkt wie grob geschliffen oder gestrahlt. Ich hätte mir an dieser Stelle einen vernickelten Boden gewünscht. Nicht wegen der Optik, sondern wegen der chemischen Reaktionen im Kühlkreislauf. Da der Radiator aus Aluminium gefertigt ist, könnte es zur Korrosion kommen. Da man die AiO nicht warten kann, finde ich das hier eher bedenklich. Ohne Langzeiterfahrungen oder die verwendetet Kühlflüssigkeit zu kennen, nehme ich einfach mal an, dass Corsair diesen Punkt bei der Entwicklung beachtet hat und hier vielleicht doch keine Auswirkungen hat.
Der 280mm Aluminium-Radiator lässt auch keine Verarbeitungsmängel erkennen. Mit gerade einmal 27mm Dicke könnte man ihn als Slim-Radiator bezeichnen. Dadurch ist der Widerstand für die Lüfter nicht so groß, allerdings die Kühlfläche auch etwas geringer, als bei dickeren Wärmetauschern.
Als kleines optische Highlight hat Corsair in die Seitenflächen silberne Kunststoffeinlagen mit Schriftzug angebracht. Mir gefällt das sehr gut.
3. Montage
Das Montagesystem der AiO halte ich für sehr gelungen. Es ist nicht nur einfach zu verwenden, es scheint auch sehr stabil zu sein und sieht zudem auch noch optisch gut aus. Auch die beiliegende Anleitung der Montage sollte für jeden verständlich sein. Dadurch, dass bei AMD Systemen die originale Halterung weiterbenutzt wird, kann mit der H110i auch der neue Sockel AM4 bedient werden. Klever gemacht! Bei Intels Sockel 115X kommt immer eine Backplate und ein anderer Montagerahmen zum Einsatz. Selbiger wird auch beim Sockel 2011 genutzt, jedoch ohne Backplate. Hier wird die originale verwendet.
Da mein Gehäuse nur in der Front Platz für 140mm Lüfter hat, erfolgte die Montage auch dort. Dazu habe ich die Lüfter als "intake" blasend montiert. Aber auch alle anderen Montagerichtungen wären denkbar.
Außerdem habe ich mich dazu entschieden, die Schlauchanschlüsse des Radiators nach oben auszurichten. Auch nach unten wäre möglich gewesen, da die Schläuche lang genug sind.
4. Corsair Link
Wie angesprochen, kann die Pumpe, Lüfter und LED mittels Corsair Link überwacht und eingestellt werden. Dazu steckt man das beiliegende Kabel in die Pumpe und einen internen USB Header. Das Kabel ist im Gegensatz zu allen anderen Kabel leider nicht als Flachbandkabel ausgeführt. Wie ein normales USB Kabel ist es etwas steif und lässt sich leider nicht so gut verlegen.
Die Corsair Link Software gibt einem eine Auskunft über die Lüfterdrehzahl, Pumpendrehzahl, die Temperatur der H110i, sowie die Temperatur aller Sensoren des Mainboards und der CPU.
Ich würde mir wünschen, dass man individuelle Lüfterkurven anlegen könnte. Ich habe diese Funktion allerdings nicht gefunden. Die hinterlegten Profile sind für meine Ansprüche leider nicht brauchbar, da die Lüfter zu schnell auf eine hohe Drehzahl springen, welche nicht notwendig wäre.
5. Kühlleistung
Kommen wir nun zu wohl einem der wichtigsten Punkte: Der Kühlleistung. Zunächst einmal mein Testsystem und mein Vorgehen.
Mein System:
CPU: Intel i5-4690K
MB: MSI Z87-G45 Gaming
Ram: Corsair Vengeance LP 8GB 1600 CL9
Graka: XFX R9 270 DD
Gehäuse: Aerocool P7-C1 "Tempered Glass
NT: Xilence A+ 430W
SSD: Samsung 830
HDD: Samsung HN-M101MBB (2,5")
Mein Vorgehen:
Ich habe im Gehäuse alle Lüfter abgezogen, damit der schlechtmöglichste Fall an Umgebungstemperatur simuliert wird und keine Nebengeräusche vorhanden sind. Zur Messung der Temperatur wurde CoreTemp 1.7. Zur Auslastung der CPU wurde Prime 28.1 genutzt. Bei jedem Einzeltest wurde die Temperatur immer zunächst mind. 5min eingebrannt und dann mit CoreTemp eine Minute lang geloggt. Die geloggten Daten wurden dann weiter mit Excel verarbeitet. Im Folgenden zeige ich nur die höchsten Peak Werte auf, der Durchschnitt bewegt sich meistens weiter drunter (Genaueres lässt sich im Forum finden). Die Umgebungstemperatur beträgt bei mir immer etwa 17°C.
Benutzt habe ich die hinterlegten Profile der Link Software sowie ein eigenes mit fester Drehzahl der Lüfter. Beim Profil Leise drehten die Lüfter mit 875UPM, bei Balanciert mit 1285UPM und bei Leistung mit 1600UPM. Mit Last drehen die Lüfter wesentlich höher, als im Idle. Bei Leise liegen dann 1290UPM, bei Balanciert 2000UPM und bei Leistung 2100UPM an. Beim Profil Leistung wird zusätzlich die Pumpendrehzahl von sonsitgen 2300UPm auf 2800UPM angehoben.
Im Idle lag die höchste Temperatur immer bei 21°C, egal welches Profil gewählt wurde.
Bei Last konnte ich dann doch Unterschiede ausmachen. Zur Last muss ich anmerken, dass die CPU immer mit All-Core-Turbo läuft. Das heißt mit 4x 3,9Ghz bei 1,07V. Beim Profil 600UPM lag die höchste Temperatur bei 52°C, beim Profil Leise bei 47°C und beim Profil Balanciert sowie Leistung bei 46°C.
Bei den OC Tests wurde die CPU auf 4x 4,4Ghz bei 1,17V übertaktet. Dies wurde gewählt, da ich zu diesen Werten auch über Vergleichswerte anderer Kühler Verfüge. Bei 600UPm lag der Höchstwert bei 64°C, bei Leise bei 60°C, bei Balanciert bei 59°C und bei Leistung bei 57°C.
Zum Vergleich kann ich zwei Kühler von Reeven heranziehen. Der Reeven Justice mit 2x 120mm Lüftern bei 100% PWM erreichte einen maximal Wert von 70°C und der Ouranos mit 2x 140mm Lüftern bei 100% PWM erreichte einen maximal Wert von 67°C. Die Aio schlägt also bei meiner minimalen Lüfterdrehzahl bereits die beiden Luftkühler mit Sandwichbestückung.
6. Lautstärke
Hier liegt wohl die einzige richtige Schwäche der H110i. Von mehreren Seiten hörte ich vor dem Test der AiO, dass es eigentlich kaum eine AiO mit vernünftiger bzw. ruhiger Pumpe gibt. Das ist hier nicht der Fall. Die Pumpe ist mit der Einstellung "Leise" eigentlich nicht zu hören. Sie fällt weder durch ein Vibrieren, noch durch ein Brummen auf. Lediglich bei voller Geschwindigkeit (ca. 2800UPM) kann man sie durch ein hohes Surren wahrnehmen.
Die sieht bei den Lüftern allerdings ganz anders aus. Diese sind bereits oberhalb von 800UPM deutlich zu hören, zumindest, wenn man sie saugend an der Front des Gehäuses befestigt hat. Vor allem ist aber die Wahl der Profile seitens Corsair etwas fraglich. Beim Profil Leise ist die AiO immer noch deutlich zu hören. Vor allem dann, wenn Last auf die CPU kommt. Geschuldet ist dies sicherlich der Auslegung auf maximale Kühlleistung. Allerdings müsste die Software nicht ganz so aggressiv greifen. Man kann dem natürlich entgegenwirken, indem man die Lüfter am Mainboard steuert und nicht an der Pumpe.
7. Fazit
Insgesamt gesehen hinterlässt die Corsair H110i bei mir einen geteilten Eindruck. Die Optik, Verarbeitung, Montage und Leistung sind auf dem erwarteten hohen Niveau. Die Lautstärke leider nicht. Da die Steuerung der Lüfter jedoch Softwareseitig gelöst ist, kann man hier mit etwas Handanlegen auch sehr gute Werte erreichen.
Persönlich finde ich, dass die AiO mit ihrer schlichten, eleganten Optik und der RGB Beleuchtung viele ansprechen könnte, welche auf eine schöne Präsentation ihrer Hardware Wert legen. Ebenso ist sie für Enthusiasten geeignet, welche ihre CPU gut fordern. Beiden Gruppen würde ich allerdings nahelegen, selber ein Profil anzulegen, dann ist die AiO wirklich auf Top-Niveau. Denn zwar ist die AiO mit etwas über 100¤ immer noch deutlich teurer als die meisten Luftkühler, allerdings ist preislich auch noch deutlich Luft nach Oben zu einer guten Custom Wasserkühlung.
Verbesserung sehe ich bei der Software bzw. den Profilen, welche allerdings über die Link-Software angepasst werden könnten. Auch würde ich mir auf Grund der chemischen Reaktion im Loop einen Kupfer-Radiator wünschen, auch wenn der Preis dann wahrscheinlich höher ausfallen würde.