Produkttester
Testbericht
Vorbemerkung: Eilige können das Fazit am Schluss lesen. Das Gehäuse wurde mir im Rahmen der Testers Keepers Aktion von mindfactory für den Test zur Verfügung gestellt.
Vielen Dank an dieser Stelle an bequiet! und mindfactory. Ich habe das Testmuster in Schwarz mit silbernen Akzenten und Sichtfenster getestet.
Unboxing und Ersteindruck
Bequiet! rüstet sein Arsenal an Gehäusen um ein weiteres auf: Das Silent Base 601 - es soll im Mittelklassebereich mit besonderer Nutzerfreundlichkeit und schlauen Lösungen für einen leisen Betrieb des PCs punkten. In dem wuchtigen Karton befinden sich das Gehäuse, eine Zubehörbox und die Anleitung. In der Zubehörbox sind Schrauben und ein zusätzlicher Laufwerkskäfig sowie ein Bündel Klettkabelbinder mit beqiet! Schriftzug enthalten. Das Gehäuse ist vergleichsweise breit, was insbesondere den Lufteinlässen links und rechts geschuldet ist. Frontpanel und oberes Panel sind aus matt schwarz lackiertem Stahl, das Seitenteil ist in getöntem Glas gehalten | das sieht schick und wertig aus. Der Innenraum teilt sich in zwei Bereiche auf, den abgetrennten unteren für das Netzteil und zwei HDD/SDDs und den oberen Bereich für das Mainboard inkl. der Hauptkomponenten. Optional kann man die Grafikkarte auch vertikal einbauen, sofern man ein Riserkabel besitzt. Es sind zwei 140mm Pure Wing 2 Lüfter installiert, die über die integrierte Lüftersteuerung am Frontpanel in drei Regelungsstufen angesteuert werden können. Die Lüftersteuerung kann noch einen Lüfter mehr vertragen, insgesamt lassen sich noch . Die Staubfilter sind jeweils (Boden und Front) ohne Werkzeug entnehmbar. Hier wird bequiet! seinem Anspruch an Nutzerfreundlichkeit gerecht. Wenn man keine zusätzlichen Laufwerke installiert bleibt der Innenraum schön aufgeräumt dank fehlender 5 ¼ Laufwerksschächte. Wasserkühlungsradiatoren kann man im Deckel oder in der Front installieren, oben allerdings nur bedingt sinnvoll, da die Halterung für die Lüfter sehr nah am gedämmten Deckel ist und nur wenige Luftschlitze im hinteren Bereich vorhanden sind. Ebenfalls clever gelöst: Per Knopfdruck kann man die Seitenteile einfach abklappen und herausnehmen. Man kommt so ohne Werkzeug in das Gehäuse um z.B. zusätzliche Laufwerke oder Steckkarten zu installieren | vorbildlich. Apropos Platz und Laufwerke: Hier kann man wirklich aus dem Vollen schöpfen: insgesamt kann man bis zu 7 3.5Zoll bzw. 14 2.5 Zoll Laufwerke im Silent Base 601 unterbringen.
Installation und Montage
Ich habe für den Test mein bestehendes System aus einem älteren Coolermaster CM690 Midi-Tower Gehäuse umgebaut. Verbaute Komponenten des Testsystems
- MSI X99 Tomahawk Mainboard mit Intel i7-6800K CPU mit 140W TDP
- Bequiet! Dark Rock Pro 3 Towerkühler
- 16GB Ram
- MSI GeForce GTX 1080 Armor
- 3 SDDs (2.5 Zoll) und 2 HDDS (3.5 Zoll)
- Bequiet! Dark Power Pro 11 Netzteil
Die Montage gestaltete sich weitestgehend problemlos. Man muss sich aber beim Netzteileinbau schon vorher Gedanken machen, wie viele Kabel bei Nutzung eines modularen Netzteils eingesteckt werden sollten, da man durch das abgeteilte Netzteilfach und den HDD Käfig nur noch schwer an die Netzteilstecker kommt. Bequiet! Verzichtet auch auf eine Montageanleitung im engeren Sinne: Wer mit diesem Gehäuse zum ersten Mal einen Rechner aufbaut ist auf sich und die technischen Spezifikationen der Anleitung angewiesen. Top! Mainboard, SDDs und Netzteilblende werden normal verschraubt | Laufwerksschächte sind mit Rändelschrauben versehen, so dass man diese theoretisch ohne Schraubendreher installieren kann. Allerdings sind die Rändelschrauben und deren Gewinde ein wenig grob und teilweise schwergängig, so dass ich hier zum Schraubendreher gegriffen habe um einen geraden Ansatz zu finden. Zwei SDDs habe ich hinter dem Mainboard verschraubt, was dank herausnehmbarem Träger gut gelöst ist, eine weitere in dem zusätzlichen HDD-Käfig, der mitgeliefert wird. Gut gefallen hat mir auch das Kabelmanagement, man kann sämtliche Kabel von/zum Mainboard an die hintere Seite des Gehäuses führen. Das führt zu einem sehr aufgeräumten Innenleben und damit auch ein ungehinderter Luftstrom. Nur der zusätzliche HDD Käfig sieht irgendwie billig aus. Da man aber zwei SSDs und zwei SSDs/HDDs versteckt einbauen kann, wird dies den meisten reichen und der Innenraum bleibt. Mir ist bei Inbetriebnahme und Test der oberen Frontanschlüsse deren extreme Schwergängigkeit aufgefallen | ich dachte erst ich habe den USB Stick falsch angesetzt. Gleiches gilt auch für die Klinkenbuchsen.
Lautstärke und Temperaturen
Dem Anspruch eines besonders leisen Gehäuses will bequiet! mit verschiedenen Maßnahmen gerecht werden. Diese beinhalten dicke Dammmatten, entkoppelte Laufwerke, schallbrechende Lufteinlässe und eine separate Kammer für das Netzteil und zwei Festplatten. Dazu gibt es eine Lüftersteuerung, bei der man per Schalter zwischen drei Einstellungen (5V, 8V und 12V) wählen kann. Dabei ist die erste für mich nicht mehr hörbar, zumindest gegen den laufenden CPU Kühler nicht, die Stufen zwei und drei sind dann definitiv hörbar | hier hätten es gerne die höherwertigen Silent Wings 3 Lüfter sein können. Mit dem Dark Rock Pro 3 ist das System leise und "rauscht" vor sich hin, ist aber nicht lautlos. Positiv macht sich die Dämmung und die Positionierung der HDDs bemerkbar: Diese sind nicht mehr zu hören. Insgesamt herrscht durch das aufgeräumte Innere ein nahezu ungehinderter Luftstrom, was offenbar den Temperaturen im Inneren zu Gute kommt. Nur die Luftansaugung verläuft nicht direkt durch die Front, diese ist mit einer durchgehenden 10mm Dämmmatte versehen, sondern durch die schallbrechenden Einlässe an der Seite, die Luft muss also erst mal "um die Ecke". Insbesondere im Vergleich zu meinem vorherigen Coolermaster 690 Gehäuse, wo der Luftstrom erst an allen HDD Käfigen vorbeimusste, sind die Temperaturen dennoch ca. 10° niedriger. Ich habe das System hinsichtlich der Temperaturen angetestet. Den Prozessor habe ich mit Prime95 Im Stresstest laufen lassen, einmal mit Werkstakt und einmal mit Übertaktung auf 4Ghz, dann habe ich noch die Grafikkarte mit dem Benchmark Unigine Superstition unter Last gesetzt. Die Grafikkarte war ebenfalls übertaktet. Dann habe ich die Temperaturen notiert. Die einzelnen Ergebnisse habe ich als Bild angehängt, zusammenfassend kann man sagen: Im Silentmodus (Stufe 1) und mit Werkstakt sind die Temperaturen auch unter Last mit ca. 65° im grünen Bereich, der CPU Kühler blieb auch bei ca. 900 Umdrehungen und damit sehr leise. Bei 4Ghz steigt die Abwärme um knapp 10°, sofern man aber keine Last auf der GPU hat, bleibt die Temperatur mit 74° immer noch im Rahmen und der CPU Lüfter bleibt noch bei angenehm säuselnden 900RPM. Wirft man nun noch die Grafikkarte an (ebenfalls übertaktet), dreht der CPU Lüfter hörbar höher, da die Frischluft nicht mehr genügend getauscht werden kann. Hier ist es sinnvoll, die Gehäuselüfter voll drehen zu lassen. Das Gehäuse ist nicht für maximalen Luftdurchsatz konzipiert, deshalb eignet es sich nur bedingt für Übertaktungsorgien bzw wird dann eben lauter. Bei Werkseinstellungen und ggf. milder Übertaktung oder weniger stromhungrigen Komponenten geht das Konzept aber voll auf und die verbauten Komponenten werden gut gekühlt bei ausreichender Luftzufuhr.
Fazit
Ich finde das Konzept insgesamt stimmig, wobei ich mich persönlich eher für das höherwertige Dark Base Gehäuse entschieden hätte dank besserer Lüfter, besseren Anschlussmöglichkeiten in der Front (USB-C und Ladebuchse für z.B. Mobiltelefon) und LED-Beleuchtung. Gleichwohl bekommt man für sein Geld viel Gehäuse mit cleveren Extras.
Positiv:
- Schickes, schwarzes schlichtes Design mit schwarzen, silbernen oder orangenen Akzenten an den Luftauslässen
- Gute Schalldämmung durch geschlossenes Design und Dämmmatten, entkoppelte HDDs, geräuschoptimierte Lufteinlässe und abgetrennten Netzteil/HDD Bereich
- Sehr aufgeräumtes Inneres durch separaten Netzteileinschub und Festplatteneinschub
- Gute Eignung als "Show" Gehäuse durch großes Fenster, dies wird durch eine optionale Montagemöglichkeit in der Grafikkarte in vertikaler Position unterstützt
- Kabelmanagement gut gelöst und gut zu handhaben
- Nutzerfreundlich durch werkzeuglose Bedienung, z.B. per Knopfdruck abnehmbare Seitenteile, entnehmbare Staubfilter, Nutzung von Rändelschrauben
- Insgesamt gutes Preis-Leistungsverhältnis.
- Hohes Platzangebot | bis zu 7/14 3.5/2.5 Laufwerke
Negativ:
- Suboptimaler Luftstrom durch indirekte Luftansaugung
- Bei Radiatormontage unter dem Deckel wenig Frischluftzufuhr
- Nur zwei Pure Wings 2 diese werden bei höheren Drehzahlen hörbar
- Anleitung für Anfänger fehlt bzw. unzureichend
- Wird dem selbst gestellten Premiumanspruch durch hakelige Verschraubungen, günstigen Gehäuselüftern und extrem schwergängigen USB- und Klinkenstecker teilweise nicht gerecht.
Neutral:
- Kein 5 ¼ Einschub | für die Größe hätte ich mir das gewünscht.
- Vergleichsweise breit durch die Lufteinlässe
- Das Silentkonzept bedingt einen reduzierten Luftstrom was die Eignung für den Betrieb von stark übertakteten Komponenten einschränkt.
- Keine RGB Beleuchtung