Produkttester
Ich habe das Glück diese Bewertung schreiben zu dürfen, da ich einer der glücklichen Gewinner der Testers Keepers Aktion bei Mindfactory mit Alphacool war. Ich durfte den neuen "Eisbaer Extreme" genauer unter die Lupe nehmen. Obwohl ich das Produkt kostenlos erhalten habe, bemühe ich mich darum, es im Folgenden so zu betrachten, als hätte ich es mir selbst gekauft.
1) Unboxing & Spezifikationen
Das Produkt kommt in einem großen schwarzen Karton. Darauf abgebildet die AIO-Einheit sowie einige Besonderheiten des Produkts. Nach dem Öffnen liegt die "Eisbaer Extreme" sicher verpackt in weißem Kunstoffschaum. Darunter kommen eine Anleitung und ein Beutel mit dem Montagematerial zum Vorschein. Eine solide, wenn auch unspektakuläre Verpackung. Die Eisbaer Extreme ist selbst noch einmal in einer Plastikfolie verpackt. Aufgefallen ist mir besonders das hohe Gewicht der Kombination aus Radiator, Pumpe und Ausgleichsbehälter. Auch die Dicke hinterlässt einen mächtigen, fast schon klobigen Eindruck.
Abmessungen:
Gesamte Einheit: 385,5 x 156 x 64mm
Länge der Schläuche: ca. 45 cm
Lüfter: 2x Silent Wings 3 140mm
2) Design
Das Design mutet schlicht und elegant an. Alle Komponenten sind in mattem Schwarz gehalten und die blauen Beleuchtungsakzente (Alphacool-Schriftzug auf dem CPU-Block und beleuchtetes Sichtfenster in der Radiator-Pumpen-AGB-Kombi) sind ein schöner und nicht zu aufdringlicher Blickfang. Gerade das intensive Blau auf dem CPU-Block gefällt mir persönlich sehr gut und tröstet darüber hinweg, dass sich hier keinen weiteren farblichen Anpassungen vornehmen lassen. Diese stimmige Gesamtbild wird jedoch davon getrübt, dass der Radiator, gerade weil er eben Pumpe und Ausgleichsbehälter beinhaltet, doch sehr massiv und dominant daher kommt. Er ist einfach ein schwarzer Quader mit einem kleinen Fensterchen. Auch die Schnellverschlüsse tragen, obwohl sie von der Funktionalität eine klasse Idee sind, nicht zur Eleganz des Produktes bei. Natürlich ist es einen tolle Option diesen Kreislauf erweitern zu können aber nichtsdestotrotz sind die Verschlüsse einfach optisch nicht ansprechend. Immerhin hat Alphacool darauf verzichtet sie durch blaue und rote Markierungen noch in den Vordergrund zu stellen. So fallen sie in meinem Gehäuse mit abgedunkeltem Seitenfenster nicht weiter auf. Insgesamt gefällt mir das Design gut, auch wenn es bestimmt noch Spielraum für Verbesserungen gibt.
3) Verarbeitung
Diese AIO-Wasserkühlung stellt für mich in Sachen Verarbeitungsqualität einen sehr guten Standard dar. Der Radiator ist vollständig aus Kupfer gefertigt und schwarz lackiert. Bei genauerem Hinsehen kann man allerdings erkennen, dass die Finnen unlackiert geblieben sind, sodass die Lackierung keinen negativen Einfluss auf die Fähigkeit zur Wärmeabgabe hat. Um den Radiator befindet sich ein Gehäuse aus Kunststoff, welches einen nicht ganz so wertigen Eindruck vermittelt. Gerade in den Ecken hat die Verkleidung leichtes Spiel, was unter Umständen zu Vibrationen führen kann. Ein schönes Detail und wie ich glaube auch der Grund für die Verwendung von Kunststoff an den Seiten des Radiators, ist ein quadratisches Acrylfenster das von innen heraus blau beleuchtet ist. Hier lässt sich die Aktivität der Pumpe optisch überwachen. Sämtliche Anschlusskabel (1x 3-Pin zur für die Beleuchtung des Blocks, 1x 4-Pin für die Steuerung der Pumpe, 1x 4-Pin zur Steuerung der Lüfter und 1x Molex zur Stromversorgung der Pumpe) sind mit schwarzem Gewebe gesleevt und sehen dem entsprechend dezent aus. Der CPU-Block ist ein "Eisblock XPX" wie ihn Alphacool auch als Einzelteil für Custom-Wasserkühlungen vertreibt. Er besitzt neben einer vernickelten Kupferkontaktfläche, einen ebenfalls blau beleuchteten Alphacool-Schriftzug, sowie einen weißen Aufdruck mit der Bezeichnung "Eisblock XPX". Die Verarbeitungsqualität des Blocks ist makellos. Die Schläuche sind in einem matten Schwarzton gehalten und fallen optisch weniger negativ auf, als die Schläuche der älteren "Eisbaer"-AIOs. Ein Nachteil der daraus resultiert ist, dass die Schläuche nun anfälliger gegenüber Knicken sind. Gerade zu Beginn, als ich noch dabei war einen passende Position für den Radiator zu finden, musste ich feststellen, dass die Schläuche an den Schnellverschlüssen schnell knicken und so den Durchfluss komplett zum erliegen bringen können. Die Schnellverschlüsse lassen sich leicht öffnen und halten perfekt dicht. Einzig beim Öffnen können gelegentlich ein paar Tropfen austreten. Insgesamt ist das Produkt wirklich massiv und solide verarbeitet.
4) Montage
Die Montage erwies sich als relativ einfach. Die beigelegte Anleitung für alle gängigen Sockel von Intel und AMD war dabei sehr hilfreich. Vor allem die farbigen und großen Abbildungen fielen mir positiv auf. Mein System hat mittlerweile drei Gehäuse überlebt, sodass ich mich als nicht vollkommen unerfahrenen PC-Bastler bezeichnen würde. Zuerst musste der "alte" Luftkühler runter. Nachdem die CPU gereinigt war ging es, der Anleitung Schritt für Schritt folgend, los. Zuerst habe ich versucht den Radiator vertikal in die Front einzubauen, was sich aber in meinem Fall leider als nicht möglich erwies. Obwohl laut be quiet! Ein 280mm-Radiator in der Front Platz finden sollte, erwies sich das Produkt von Alphacool als zu groß dimensioniert. So musste ich auf die horizontale Montage zurückgreifen, die sich schlussendlich auch realisieren ließ. Die eigentliche Montage stellte mich vor keinen großen Herausforderungen. Jedoch steckt der Teufel immer im Detail und so gab es doch den ein oder anderen Frustmoment. Zuerst hatte ich den Radiator mit den Schläuchen links, also genau oberhalb des CPU-Sockels montiert. Dies führte dazu, dass sich der CPU-Block nicht mehr anbringen ließ bzw. die Schläuche auf zu engem Raum komprimiert waren und so ständig einknickten. Also alles wieder gelöst und den Radiator gedreht. Nun konnte ich alles an seinen Platz bringen. Ein Stolperstein bei der Montage war auch das Anbringen des CPU-Blocks. Mit der einen Hand die Backplate festhalten (die Klebestreifen die darauf angebracht waren hafteten nicht fest genug) und mit der anderen den CPU-Block richtig positionieren und die Schrauben fixieren. Das benötigte ein paar Anläufe, mit etwas Geduld und Fingerspitzengefühl war es aber zu schaffen. Das Anschließen der Kabel sollte mich dann aber nochmal auf eine harte Probe stellen. Ein 3-Pin Anschluss für die Beleuchtung des CPU-Blocks war schnell gefunden. Ein Molex-Kabel hatte ich auch. Blieben noch die beiden 4-Pin Kabel die neben den Schläuchen aus dem Radiator kommen. Was mich zu einem Kritikpunkt führt: Die Kabel sind im Verhältnis zu den Abmessungen des Produktes einfach zu kurz. Es war mir nicht möglich diese beiden Kabeln anzuschließen obwohl sich der Radiator oben im Gehäuse befand und die beiden nächsten 4-Pin Anschlüsse ebenfalls oben auf dem Mainboard zu finden sind! Hier wurde an der falschen Stelle gekürzt. Einen Einkauf später (2x 4-Pin Verlängerungen) konnte es dann losgehen.
5) Kühlung
Zunächst zur besseren Vergleichbarkeit noch ein paar Eckdaten zu meinem System:
CPU: i7 3770k, 4,4 Ghz
RAM: 16GB Corsair Vengeance Low Profile DDR3-1600 CL10
MB: ASRock Z77 Pro 4
GPU: MSI GTX 1060 Gaming X 6GB
PSU: Seasonic Platinum 660 Watt
Gehäuse: Be quiet! Silent Base 601 Window
Kommen wir nun aber zum wirklich interessanten Teil, der Kühlleistung. Und die ist in meinen Augen ebenfalls hervorragend! Im Durchschnitt erreiche ich 21% besser Temperaturen, als mit dem vorher verwendeten Towerkühler. Ich habe mich dazu entschlossen einige Spiele sowie Benchmarks und Stresstests zu verwenden, um die Kühlleistung zu beurteilen. Ich habe mich darum bemüht, möglichst gleiche Bedingungen zu schaffen und Extremwerte durch Wiederholungen auszuschließen. Die Werte in Klammern zeigen die Differenz zu den vorher, mit einem Towerkühler, erreichten Temperaturen. Angegeben ist jeweils die höchste erreichte Temperatur des heißesten Kerns. In absoluten Zahlen bedeutet dies:
Idle: 25 °C (-10 °C)
CPU-Z Stresstest 3x 30 Min.: 64 °C (-9 °C)
Cinebench R15 3 Runs: 64 °C (-5 °C)
3D Mark Firestrike 3 Runs: 63 °C (-10 °C)
Prime 95 3x 6 Stunden: 69 °C (-14 °C)
The Witcher 3: 63 °C (-11 °C)
PUBG: 56 °C (-16 °C)
Cities Skylines: 60 °C (-15 °C)
GTA V: 58 °C (-14 °C)
Wie man erkennen kann schafft es diese Kühllösung sich deutlich abzusetzen. Beeindruckend ist besonders die Leistung in Prime 95, hier wird eine Temperatur von knapp unter 70 °C konstant gehalten. Zur Verwendung kam ein i7-3770k der mit 4,4 Ghz taktet und somit auch einiges an Abwärme produziert.
6) Luftdurchsatz
Da mir leider nicht die Mittel zur Verfügung stehen den Luftdurchsatz zu erfassen, muss ich hier auf die Spezifikationen verweisen und kann nur meinen subjektiven Eindruck wiedergeben. Die Lüfter erzeugen bei der von mir bevorzugten Einstellung von 60% Drehzahl einen ausreichend guten Luftstrom, der auch auf der gegenüberliegenden Seite das Radiators spürbar ist.
7) Lautstärke
Die Lautstärke ist bei vielen All-in-One-Lösungen einer der Hauptkritikpunkte gegenüber den meisten Luftkühlungen. Entweder wird die Pumpe als störend empfunden oder die Lüfter sind von minderwertiger Qualität, sodass der Eindruck entsteht man stünde neben einem startenden Flugzeug.
Vollkommen anders verhält es sich bei der neuen Eisbaer Extreme von Alphacool. Die verwendeten Lüfter, die auch sehr explizit hervorgehoben werden, sind zwei 140mm be quiet! Silent Wings 3 mit einer maximalen Drehzahl von 1300 rpm. Und wie sollte es anders sein sind diese wirklich ausgezeichnet, was die Lautstärke angeht. Bis ca. 60% also etwas 1000 rpm sind die Lüfter nicht wahrnehmbar, in dieser Konfiguration habe ich sie auch belassen um meine Temperaturtests durchzuführen. Ab 75% sind sie deutlich von anderen Komponenten des Systems zu unterscheiden aber für mein Empfinden noch nicht störend. Bei voller Drehzahl übertönen sie alles andere und geben ein lautes Rauschen von sich, ich glaube aber nicht, dass jemand sie im Alltag so verwenden wird.
Die zweite Geräuschquelle, die Pumpe ist, im Sinne einer niedrigen Lautstärke, ebenfalls sehr gut. Zur Anwendung kommt hier eine "Eispumpe VPP755 V.3", die sich in 5 Stufen regeln lässt. Auf der niedrigsten Stufe ist sie beinahe vollkommen lautlos. Auf der mittleren Einstellung bei 3330 rpm ist sie zwar hörbar aber keineswegs störend, hier gibt sie nur eine leises Rauschen von sich. Bei der ersten Inbetriebnahme gab es ein paar "Glucker-Geräusche", die sich aber nach wenigen Minuten im Betrieb legten. Auf der maximalen Leistungsstufe ist sie natürlich deutlich hörbar und gibt auch leichte Vibrationen von sich, die sich auf die gesamte Konstruktion (vor allem die Kunststoffseitenteile des Radiators) übertragen und ein insgesamt unruhiges und unschönes Klangbild erzeugen. Aber auch hier glaube ich, dass niemand dieses Produkt dauerhaft "am Anschlag" betreiben wird.
Insgesamt ist die Performance im Bereich der Lautstärke wie ich finde einzigartig im AIO-Bereich. Hier hat Alphacool etwas großartiges geleistet.
8) Vibrationen
Wie bereits weiter oben beschrieben, lassen sich im "normalen" Betriebsbereich keinerlei Vibrationen feststellen. Einzig wenn die Pumpe bei vollen 4350 rpm läuft werden Vibrationen erzeugt, die sich besonders auf die Kunststoffelemente am Radiator auswirken.
9) Haltbarkeit & Vergleich zu ähnlichen Produkten
Zur Haltbarkeit sind natürlich nach einer verhältnismäßig kurzen Testphase von 2 Wochen keine validen Aussagen möglich. Bisher läuft die Einheit vollkommen problemlos, wie sich dies in einem oder zwei Jahren darstellt bleibt abzuwarten. Da dies auch meine erste AIO-Kühllösung darstellt, kann ich keine hier keine Vergleiche liefern.
10) Preis-/Leistungsverhältnis
Nach meinem Verständnis gehört zum Preis-Leistungsverhältnis die Leistung in allen Bereichen, daher möchte ich hier einige Kritikpunkte anmerken: Die Befestigung der Radiator-Einheit erfolgt mit vier Schrauben und Unterlegscheiben. Warum hat sich Alphacool dafür entschieden hier Innen-Sechskant-Schrauben zu verwenden? Und dazu noch nicht einmal ein passendes Werkzeug beizulegen? Ebenso die recht kurz geratenen Kabel? Es gibt weder Adapter noch Verlängerungen als Zubehör im Lieferumfang. Darüber könnte man hinwegsehen, wenn mein Gehäuse ein großer Tower wäre, aber so? Nicht mal einen Sticker oder ein Mikrofasertuch oder einen Spatel zum Verteilen der Wärmeleitpaste wird mitgeliefert. Das mag zwar etwas überzogen klingen aber, wenn ich bei einem 40€ Luftkühler Werkzeug, verschiedenes Zubehör und teilweise sogar noch Kabeladapter beigelegt bekomme, erwarte ich mir von einem Produkt für 250€ mindestens etwas Vergleichbares an Zubehör. Was man bekommt ist eine herausragend funktionierende Wasserkühlung, die sich in ihrer Leistungsfähigkeit durchaus nicht vor der Konkurrenz zu verstecken braucht. Das besondere Merkmal der Erweiterbarkeit sei hier ebenfalls hervorgehoben, da es dieses Feature in dieser Form bei keiner anderen - mir bekannten - AIO-Kühlung gibt. Mit dem stolzen Preis von rund 250€ ist diese Wasserkühlung eher am oberen Ende des Preisspektrums zu finden, entspricht meiner Meinung nach aber auch der (Kühl-)Leistung. Alles in allem würde ich hier von einem vernünftigen Preis-Leistungsverhältnis sprechen.
11) Fazit/Zusammenfassung:
Für alle Tl;dr-Freunde nochmal eine kurze, stichpunktartige Zusammenfassung:
" Schlichtes Design
" Hohes Kühlvermögen
" relativ simple Montage
" spartanischer Lieferumfang
" hoher Preis (der aber in einem vernünftigen Verhältnis zur Leistung steht)
" geringe Lautstärke von Pumpe und Lüftern
" gute Verarbeitungsqualität
" insgesamt ordentliches P/L-Verhältnis
Würde ich nun dieses Produkt kaufen? Ja das würde ich, wenn ich eine Wasserkühlung mit einer großartigen Performance in den Bereichen Kühlung und Lautstärke suchen würde. Natürlich ist der Preis hoch aber in Anbetracht der Leistung (und trotz des mageren Lieferumfangs) eben auch zu rechtfertigen. Die Erweiterbarkeit ist ein toller Feature, das sich vielleicht optisch noch etwas ansprechender gestalten lässt.